Wirtschaft
Schweiz

Armut in der Schweiz: 2026 wird für die Ärmsten ein schwieriges Jahr

Pourquoi 2026 sera une année difficile pour les plus pauvres en Suisse
Gemäss Caritas wird sich die Armut in der Schweiz verstärken.Image: Keystone

Warum 2026 für die Ärmsten in der Schweiz ein schwieriges Jahr wird

Unaufhaltsamer Anstieg der Krankenkassenprämien, angespannter Mietmarkt, unzureichende Sozialhilfe: Laut Caritas deutet vieles darauf hin, dass das Jahr 2026 für von Armut betroffene Menschen in der Schweiz noch schwieriger werden wird.
08.01.2026, 19:0509.01.2026, 08:54
Alberto Silini

Schätzungen zufolge sind in der Schweiz mehr als 700'000 Menschen von Armut betroffen. Das entspricht etwa acht Prozent der Bevölkerung. Insgesamt seien aber fast eineinhalb Millionen Menschen von Armut bedroht – ein Umstand, der auch in unserem Land ein «chronisches Problem» darstelle. Dies erklärte Caritas-Direktor Peter Lack an einer Medienkonferenz am Donnerstagmorgen.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Ende November veröffentlichte der Bund sein erstes nationales Monitoring zur Armut in der Schweiz. Die von Peter Lack als «enttäuschend» bezeichneten Schlussfolgerungen lassen wenig Raum für Zweifel:

«Seit Jahren gelingt es der Schweiz nicht, die Armut zu verringern.»
Peter Lack

Dieser Trend dürfte sich laut dem Direktor der Caritas so schnell nicht umkehren. «Leider gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Lage der von Armut betroffenen oder bedrohten Menschen in diesem Jahr verbessern wird», sagt er. Ganz im Gegenteil: Die Hilfsorganisation prognostiziert, dass 2026 für benachteiligte Haushalte «ein schwieriges Jahr» werden wird.

«Die Lage verschlechtert sich weiter», pflichtet Aline Masé, Leiterin des Bereichs Studien und Politik bei Caritas, bei. Und das aus mehreren Gründen.

Zunächst einmal belastet der Anstieg der Lebenshaltungskosten vor allem arme Haushalte. «Diese müssen fast ihr gesamtes Bruttoeinkommen für Fixkosten und Grundbedürfnisse aufwenden», erklärt die Verantwortliche. Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) machen diese Ausgaben bis zu 80 Prozent des Budgets von Haushalten mit geringem Einkommen aus.

Zweitens steigen die Krankenkassenprämien kontinuierlich an. «Am 1. Januar 2026 kam es zur vierten deutlichen Erhöhung in Folge», erinnert Aline Masé. Benachteiligte Haushalte müssen bis zu 16,4 Prozent ihres Einkommens dafür aufwenden – gegenüber 6,8 Prozent im Falle der Gesamtbevölkerung.

Zu teure oder zu kleine Wohnungen

Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist ebenfalls ein grosses Problem. «Im Jahr 2026 wird er weiter zunehmen», prognostiziert die Caritas-Verantwortliche. Und fügt hinzu:

«Mit einem kleinen Budget ist die Wohnungssuche praktisch unmöglich geworden.»
Aline Masé, Caritas

Als Konsequenz finden ärmere Haushalte und Familien oft nur «zu kleine oder sehr alte Wohnungen, die immer weiter vom Stadtzentrum entfernt sind». Diejenigen, die in zu teuren Wohnungen bleiben, laufen Gefahr, sich zu verschulden, um die Miete zu bezahlen, erklärt Aline Masé. «Wenn ein Betreibungsverfahren eingeleitet wird, ist die Suche nach einer neuen Wohnung ohnehin aussichtslos.»

Ein weiterer sensibler Punkt sind die Löhne. «Während viele Kosten steigen, stagnieren die Niedriglöhne», kritisiert Aline Masé. Sie weist darauf hin, dass die niedrigsten Reallöhne in den letzten Jahren sogar gesunken sind: von 4656 Franken im Jahr 2016 auf 4635 Franken im Jahr 2024.

«Auch im Jahr 2026 dürften die Niedriglöhne real kaum höher sein als vor sechs Jahren.»
Aline Masé, Caritas

Von diesem Phänomen sind nicht nur die am stärksten benachteiligten Personen betroffen. Seit 2016 sind nur die sehr hohen Löhne gestiegen, und zwar um durchschnittlich 3762 Franken pro Monat. Die mittleren und hohen Löhne stagnieren hingegen.

«Unzureichende Sozialhilfe»

Angesichts dieser Schwierigkeiten hält Caritas die derzeitigen Lösungen für unzureichend. «Man geht davon aus, dass die Schweiz über ein gut ausgebautes Sozialsystem verfügt. Das stimmt zwar, aber es weist Lücken auf», kommentiert Aline Masé. Sie nennt insbesondere die Pauschale für den Lebensunterhalt im Sozialhilfebereich, die als «zu niedrig» angesehen wird, ebenso wie die Unterstützung für Familien.

«Die Ungleichheiten in der Schweiz nehmen zu, und die Situation der Ärmsten wird immer schwieriger», fasst die Verantwortliche zusammen. Und sie kommt zu folgendem Schluss:

«Aus unserer Sicht entwickelt sich die Situation in die falsche Richtung.»
Aline Masé, Caritas
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86 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tom Scherrer (1)
08.01.2026 19:34registriert Juni 2015
„Mit kleinem Budget ist wohnen praktisch unmöglich geworden“

Hier geht der gaaaanze Bazzen drauf, schon seit Jahrzehnten.

Keine sinkenden Mieten, trotz sinkenden Zinsen und sie geben den Mietern die Schuld, weil sie die Senkungen nicht eingefordert hatten.

30 Jährige Wohnungen werden saniert, neustes und billigstes rein, Miete hoch. Und die Nachbarschaft zieht nach, da quartierüblich.

Vorgänger: Miete, Basis der Teuerung und Zins muss nicht offengelegt werden - bei jedem Wechsel werden die Zinssätze / Teuerungen angepasst.


Ungerechtfertigte Bereicherung - systematisch
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Nuke Skywalker
08.01.2026 21:03registriert November 2024
schon allein der umstand, dass in den kommentaren wieder zu besserem krümel-budgetieren geraten wird, wiedert mich an. wir sind ein reiches land; ein mensch wie blocher ist milliardär, und ihr sagt den armen, dass sie besser budgetieren müssen. ihr ekelt mich an. statt endlich nach oben zu treten. wie wärs? kk-prämien nach einkommen!
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Voraus denken!
08.01.2026 19:29registriert März 2022
Wählt noch mehr Rechtspopulisten und ihre Steigbügelhalter. Dann wird es von Jahr zu Jahr noch härter werden.

Ehrlicherweise muss aber auch gesagt sein, dass wenn sich die SP etwas mehr von ihrer blinden Ideologie verabschieden und die Fakten anerkennen würde, dann hätte sie Potential stärkste oder zumindest starke politische Kraft zu werden.

Aber das geht nicht weil auch bei der SP die Ideologie über Fakten steht. Schade.
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86
«28 Years Later: The Bone Temple» ist knallharter Zombie-Death-Metal
Teil vier der «28»-Reihe ist da und definiert das Wort «Wohltätigkeit» ganz neu.
Cillian Murphy wurde uns vollmundig versprochen und Cillian Murphy wird in «28 Years Later: The Bone Temple» geliefert, aber wie! Möglicherweise als dreistester XXXX (sorry, Spoilervermeidung) der Filmgeschichte! Was für ein Geschenk! Es wird zum Ende von «Bone Temple» derart schamlos mit dem Zaunpfahl der Fortsetzungs-Fähigkeit gewinkt, dass man sich jetzt schon freuen kann: Auf noch mehr Zombies – nein, sie heissen hier ja nobler «Infizierte» – in schönen englischen Landschaften, mehr Durchgeknallte, mehr geniale Kinderdarsteller, mehr tolle britische Musik. Und auf mehr Murphy? Und vielleicht auf ein minimales Bisschen weniger Blut, ausgeweidete Bäuche, gehäutete Körper und ausgerissene Köpfe samt Wirbelsäulen dran?
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