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Die Schweiz liebt Festivals – doch das Geschäft wird schwieriger

Zürich Openair
Findet 2026 nicht statt: das Zürich Openair. Bild: Zürich Openair

Festivals am Limit: «Die dünne Luft ist noch dünner geworden»

Schweizer Musikfestivals ziehen weiter Massen an. Doch hinter den Kulissen entscheiden oft Details über Gewinn oder Verlust.
08.06.2026, 05:2108.06.2026, 05:21

100'000 Menschen auf einem Festivalgelände. Das klingt nach langen Schlangen an den Essständen, Zelten auf jedem freien Fleck, Barbetrieb und Bassgedröhne bis tief in die Nacht. Und nach vollen Kassen.

Doch der Schweizer Festivalbranche kann eine solche Zahl inzwischen zu wenig sein. In den vergangenen Jahren sind bereits mehrere Schweizer Festivals verschwunden, pausiert oder umgebaut worden.

Nun zeigt eine watson-Umfrage: Auch bei den grossen Openairs ist die Rechnung knapper geworden.

Frauenfeld mit roten Zahlen

Der Festival-Sommer bringt immer mehr Herausforderungen mit sich. Besonders deutlich wurde das beim Openair Frauenfeld. 2019 war das Festival mit Headliner Eminem ausverkauft mit 185'000 Besuchenden, auch nach der Pandemie lagen die Zahlen zwischen 160'000 und 180'000. Vergangenes Jahr kamen noch 102'000 ans grösste Hip-Hop-Festival Europas, was zu roten Zahlen führte.

Für dieses Jahr laufe der Vorverkauf «erfreulich», man erwarte rund 100'000 Gäste, schreibt Geschäftsführer René Götz. Warum eine ähnliche Zahl wie im Vorjahr diesmal wirtschaftlich reichen soll, beantwortet er nicht.

Uebersicht der Hauptbuehne bei der Performance von Luciano alias Patrick Gro�mann, am Openair Frauenfeld, am Freitag, 11. Juli 2025, in Frauenfeld. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Lockte 2025 weniger Besuchende an: Openair Frauenfeld.Bild: keystone

Fest stehe nur: Die Planung für 2027 sei angelaufen, eine Pause stehe nicht zur Diskussion.

St. Gallen unter der Schwelle

Das Openair St. Gallen war 2022, 2023 und 2024 ausverkauft, jeweils mit rund 110'000 Besuchenden. Im Vorfeld von 2025 sagten die Organisatoren, für einen positiven Abschluss sei eine Auslastung von mindestens 90 Prozent nötig – rund 100'000 Gäste über vier Tage. So stark seien die Ausgaben für Künstlergagen, Infrastruktur, Personal, Sicherheit und Logistik gestiegen.

Doch es kamen nur 96'000 zahlende Gäste. Immer noch eine Zahl, von der viele Veranstalter träumen. Aber die Schwelle wurde verfehlt.

Zuschauer vor der Hauptbuehne am Openair St. Gallen beim Auftritt von Joya Marleen alias Joya Schedler, am Freitag, 27. Juni 2025, in St. Gallen. Das Openair dauert bis kommenden Sonntag. KEYSTONE/Gia ...
Erreichte 2025 die 90-Prozent-Schwelle nicht: Openair St. Gallen.Bild: keystone

Hat es trotzdem gereicht?

Ja, sagt das Openair St. Gallen: «Wir durften das Festival mit schwarzen Zahlen abschliessen». Dank höherer Pro-Kopf-Konsumation als im Vorjahr, gutem Wetter und Sponsoringeinnahmen.

Gerade das Wetter im Sittertobel habe einen wesentlichen Einfluss – die Leute konsumieren dann mehr und sie kaufen vermehrt auch noch spontan ein Ticket. : «Bei Tagespässen entscheiden sich viele Besucherinnen und Besucher erst kurz vor dem Festivalbesuch.» Für 2026 laufe der Vorverkauf deutlich besser als im Vorjahr.

Gurten fundamental verändert

Gut schnitt 2025 das Gurtenfestival ab: Rund 98'000 Personen kamen auf dem Berner Hausberg, drei von vier Tagen waren ausverkauft. Für 2026 laufen die Verkäufe laut den Organisatoren sogar besser als im Vorjahr – die 4-Tagespässe waren rund einen Monat früher ausverkauft.

Trotzdem klingt auch die Antwort des Gurtenfestivals nicht nach Entspannung. Seit der Pandemie hätten sich die Rahmenbedingungen «fundamental verändert». Kosten für Infrastruktur, Energie, Sicherheit, Logistik und Personal seien massiv gestiegen.

epa12242159 An aerial view of the main stage during the concert of the German rapper August Jean Diederich, also known as, Ski Aggu, at the 42th Gurtenfestival edition, in Bern, Switzerland, 16 July 2 ...
Kämpft mit schwierigeren Rahmenbedingungen: Gurtenfestival Bern. Bild: keystone

«Hohe Besucherzahlen allein entscheiden heute nicht mehr automatisch über den wirtschaftlichen Erfolg eines Festivals». Wetter, Konsumverhalten und Programmkosten spielten eine ebenso entscheidende Rolle.

Im Wallis und Zürich unter Rekordwerten

Das Openair Gampel bewegte sich zuletzt nahe der 100'000-Marke: 2024 waren es 96'000 Tickets, 2025 rund 97'000 – beide Ausgaben galten als nahezu ausverkauft. Frühere Spitzenwerte lagen bei rund 115'000.

Zur finanziellen Lage äussern sich die Organisatoren nicht, bestätigen aber bei Gagen, Infrastruktur, Sicherheit und verändertem Konsumverhalten vor ähnlichen Herausforderungen zu stehen wie die Konkurrenz.

Keine Antwort kam vom Zürich Openair, das 2026 nicht stattfindet. Offiziell sprechen die Verantwortlichen von einer «kreativen Pause und strategischen Weiterentwicklung», unter anderem wegen Verschiebungen im internationalen Festivalkalender. 2025 zählte das Festival rund 87'000 Besuchende, mehr als 2024, aber deutlich unter früheren Rekordwerten von rund 102'000.

Branchenverband warnt

Christoph Bill, Präsident des Branchenverbands SMPA, spricht nicht von einer flächendeckenden Krise. Die Nachfrage nach Festivals sei weiterhin da. Aber das Geschäft sei riskanter geworden: «Die dünne Luft ist noch dünner geworden.»

Ticketpreise und Sponsoring lassen sich nur begrenzt erhöhen und viele Veranstalter seien bereits froh, bestehende Partner zu halten. Grosse Openairs müssten häufig über 90 Prozent Auslastung erreichen. «Die letzten paar Prozente entscheiden über Gedeih und Verderben.» Wo die Ticketeinnahmen knapp sind, brauche es gutes Wetter, starke Gastro-Umsätze und höhere Sponsoringeinnahmen.

Christoph Bill, Praesident Konzert-, Show- und Festivalveranstalter SMPA, fotografiert am Freitag, 13. Maerz 2020, in Zuerich. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
«Luft wird dünner»: Christoph Bill.Bild: KEYSTONE

Bill rechnet deshalb mit einer Bereinigung: «Ich denke, es wird weniger Festivals geben.» Auch wenn einige Formate rasch durch neue ersetzt werden, läuft diese Bereinigung bei anderen weiter, wie mehrere Beispiele zeigen: Rock the Ring meldete 2022 Konkurs an, gegen die Stars of Sounds AG wurde 2024 ein Konkursverfahren eröffnet, Murten 2025 abgesagt, Royal Arena fiel aus, das Big-Air in Chur wurde beendet.

Gerade mittlere und kleinere Festivals hätten mehr Mühe mit der Entwicklung, sagt Bill. Doch es trifft auch die grossen Openairs. «Der Spielraum für Fehler ist kleiner geworden – und er schrumpft weiter.»

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Alle Schlammbilder des Openair St.Gallen seit 2010
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Alle Schlammbilder des Openair St.Gallen seit 2010
Schlammgallen oder Sankt Güllen – die Tage um das Openair im Sittertobel scheinen den Regen magisch anzuziehen. Ein Blick zurück in die letzten 13 Jahre.
quelle: keystone / ennio leanza
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3 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Swiss Traveller
08.06.2026 05:49registriert Juni 2025
ja, klar, die Ticketpreise, das Merchandising und die Preise für Essen und Getränke sind ja viel zu günstig. 6 bis 8 Stutz für eine kleine Flasche Wasser? Discounterpreise! Ticketcorner? Ein Schnäppchenportal! Zeitlebens als Erwachsener an Konzerten und Festivals, aber irgendwann ist mir so einfach die Lust vergangen. Tut mir Leid, dass die Margen dünn sind, aber als Festivalbesucher wird man einfach zu oft gerupft und verlässt das Festival mit einem schalen Geschmack.
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Ribosom
08.06.2026 05:43registriert März 2019
Ich würde gerne öfter an solche Veranstaltungen gehen. Aber die Preise für die Tickets sind schon fast unverschämt hoch. Dann kommen die Getränke und Essen obendrauf. War erst letzthin an einer grossen Veranstaltung: 16CHF für ein Vodka Redbull, 8CHF für ein Bier, 5CHF für Wasser. Ich würde viel mehr konsumieren, wenn es ein bisschen günstiger wäre.
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