Porridge für Pendler: Diese deutsche Kette will die Bahnhöfe erobern
Vom Haferbrei als «gesunde vaterländische Speise» berichtete schon Jeremias Gotthelf, doch mit dem steigenden Wohlstand geriet er in Vergessenheit. In den vergangenen Jahren hat das – nach seinem schottischen Ursprung «Porridge» genannte Gericht – allerdings wieder einen Aufschwung erlebt. Es gilt als gesund, lässt sich mit lokalen Zutaten zubereiten und sättigt lange. Nun hat eine deutsche Kette mit der Speise grosse Pläne in der Schweiz.
Das Unternehmen Haferkater, das in Deutschland und Österreich bereits über 30 Lokale vorwiegend an Bahnhöfen und Flughäfen betreibt, eröffnet im Zürcher Hauptbahnhof voraussichtlich Mitte November seine erste hiesige Filiale. Zudem ist eine zweite Filiale an einem weiteren SBB-Bahnhof geplant. An welchem genau, will die Firma noch nicht verraten. Für die Schweizer Expansion hat sie vor Kurzem eine Tochtergesellschaft in Glattbrugg ZH gegründet, welche die Läden betreiben wird.
Haferkater hat in Deutschland nicht nur Porridge-Variationen etwa mit Früchten, Beeren oder Käse im Angebot, sondern auch Haferreis-Bowls, Kuchen, Wraps, Salate, belegte Brote, Kaffee und weitere Getränke. Damit zielen die Lokale auf eine breite Kundschaft, die sich schnell verpflegen will. Viele Produkte im Sortiment sind vegan. Die Preise in der Schweiz sind noch nicht bekannt.
Haferkater verspricht lokale Kooperationen
Es gebe nur wenige Länder, die so gut zu Haferkater passten wie die Schweiz, sagt Marketing-Chefin Florentine Rank. «Hochwertige Produkte werden hier sehr geschätzt, gleichzeitig sind Bahnreisen und Pendeln fest im Alltag vieler Menschen verankert.» Spannend sei auch der hierzulande verwurzelte Genossenschaftsgedanke, welcher der eigenen Unternehmensform sehr nahekomme. Haferkater hat vor zwei Jahren Anteile von ehemaligen Investoren zurückgekauft und ist seither im sogenannten «Verantwortungseigentum», einer Rechtsform, bei der Gewinne und Vermögen an den Unternehmenszweck gebunden sind.
Haferkater wolle das eigene Konzept auf die Schweiz anpassen. Zurzeit besuchten die Zuständigen Schweizer Mühlen, die Hafer aus heimischem Anbau verarbeiten, und gingen auf lokale Hersteller zu. Kooperationen würden geprüft. In den vergangenen Tagen habe das Unternehmen zudem den «Znüni-Kater» entwickelt, eine «Schweizer Interpretation eines kleinen Frühstücks für unterwegs».
Eine Zielgrösse für das Schweizer Geschäft nennt Haferkater nicht. Einen klassischen Expansionsplan gebe es nicht. «Ob es in der Schweiz am Ende 5, 10 oder 30 Standorte werden, wissen wir heute noch nicht», sagt Rank. Zuerst wolle die Firma schauen, wie sich die beiden ersten Läden entwickeln. Klar ist, dass die Firma den Fokus auf hochfrequentierte Verkehrsknotenpunkte legen will, also vor allem Bahnhöfe.
SSP schliesst schon wieder eine Filiale
Haferkater folgt im Zürcher Hauptbahnhof auf eine Filiale des Formats Ida & Frida. Diese hatte nur gut ein Jahr lang Bestand. Dahinter steckte der britische Gastro-Riese SSP. Dieser betreibt eigene Formate wie Caffè Ritazza oder Upper Crust und führt als Franchisenehmer auch Lokale von externen Marken wie Starbucks, Burger King und Prêt à Manger, hierzulande vor allem am Zürcher Flughafen.
Drei Prêt-à-Manger-Filialen in der Zürcher Innenstadt und im Hauptbahnhof musste SSP in der jüngeren Vergangenheit wieder schliessen. Im Hauptbahnhof ist SSP noch mit dem Format Point vertreten, einem Convenience-Laden ähnlich wie Coop Pronto oder Avec.
Dass einige SSP-Formate abseits von Flughäfen hierzulande nicht reüssierten, hat auch damit zu tun, dass in Innenstädten und an Bahnhöfen die Konkurrenz grösser ist. Konsumentinnen und Konsumenten haben die Wahl, wo sie einkaufen wollen, und können auch zum günstigeren Supermarkt. An Flughäfen ist das anders, insbesondere im Bereich nach der Sicherheitskontrolle. Dort spricht man von «captive customers», also «gefangenen Konsumenten», die kaum eine Wahl haben, als bei einer begrenzten Anzahl von Anbietern einzukaufen. Auf dieses Segment spezialisiert haben sich neben SSP auch Firmen wie der Schweizer Avolta-Konzern, der ebenfalls mehrere Lokale an den hiesigen Flughäfen betreibt. (schweizheute.ch)

