Lesen, Schreiben, Rechnen: Firmen schlagen Alarm wegen Lernenden
Besonders die Schreibkompetenzen und mathematischen Fähigkeiten werden kritisch beurteilt. 59 Prozent der Unternehmen beurteilen die Schreibkompetenzen als eher ungenügend oder nicht erfüllt, und auch die mathematischen Grundlagen seien nicht in dem Mass vorhanden, das die Unternehmen beim Eintritt in die berufliche Grundbildung erwarten.
Die Unternehmen bemerken eine kontinuierliche Verschlechterung seit fünf bis zehn Jahren. Rund drei Viertel der Unternehmen gaben in der Umfrage an, dass sich die Schreibkompetenzen ihrer Lernenden verschlechtert haben. Jeder dritte Betrieb spricht sogar von einer starken Verschlechterung. Auch beim Lesen und in der Mathematik stellt eine Mehrheit der Betriebe einen Rückgang fest.
Die schlechteren Grundkompetenzen wirken sich konkret auf die Unternehmen aus. So werde die Rekrutierung geeigneter Lernender schwieriger, der Betreuungsaufwand steige und zusätzliche Fördermassnahmen verursachten erhebliche Kosten, heisst es. Rund drei Viertel der Unternehmen würden bereits heute Lernende mit zusätzlichen internen oder externen Massnahmen unterstützen, um bestehende Lücken zu schliessen.
Defizite verursachen Mehrkosten
Zwei Drittel der Unternehmen gaben an, dass dadurch zusätzliche Kosten entstehen würden. 19 Prozent der Unternehmen mussten zwischen 500 und 2000 Franken pro Jahr und pro Lernenden zusätzlich aufwenden. Gemäss der Umfrage müssen bei der Mehrheit der Betriebe bis zu drei Stunden pro Woche und Lernender mit ungenügenden Grundkompetenzen aufgewendet werden. «Nur zwei Prozent der befragten Unternehmen verzeichnen keinen zeitlichen Mehraufwand», sagte Dieter Kläy, der stellvertretende Direktor des SGV, an einer Online-Medienkonferenz der Wirtschaftsverbände am Dienstag.
Kleine Betriebe sind stärker betroffen
Gemäss der Umfrage gab jedes fünfte Unternehmen an, aufgrund der sinkenden Grundkompetenzen und der damit verbundenen Mehraufwendungen künftig weniger Lernende rekrutieren zu wollen. Viele Betriebe gaben an, ihre Selektionskriterien zu verschärfen oder Lehrstellen unbesetzt zu lassen, wenn geeignete Bewerbungen fehlen.
Neben den klassischen Grundkompetenzen werden auch bei fächerübergreifenden Kompetenzen Mängel aufgewiesen. Bei den personalen Kompetenzen wie Selbstorganisation, Eigenmotivation und Durchhaltewillen oder auch bei den methodischen Kompetenzen wie kritischem Denken und Problemlösungsfähigkeit sehen die Unternehmen Verbesserungsbedarf. Auch hier werde eine zeitliche Verschlechterung über die letzten fünf bis zehn Jahre wahrgenommen. Am positivsten werden die digitalen Kompetenzen beurteilt.
Wirtschaft nimmt Volksschule in die Pflicht
Sinkende Grundkompetenzen seien nicht nur ein bildungspolitisches Problem, so die Wirtschaftsverbände. Sie entwickelten sich zu einer zunehmenden Herausforderung für die duale Berufsbildung, die Fachkräftesicherung und den Wirtschaftsstandort Schweiz.
«Die duale Ausbildung ist absolut zentral für den Wirtschaftsstandort Schweiz. Wir haben einen internationalen Wettbewerbsvorteil, weil die duale Bildung so stark ist», sagte der Chefökonom von Economiesuisse, Rudolf Minsch. Für die Wirtschaft sei es entscheidend, dass dieser Wettbewerbsvorteil erhalten bleibe.
Aus Sicht der Wirtschaft braucht es eine Stärkung der Grundkompetenzen in der Volksschule. Gleichzeitig brauche es eine Ursachen-Analyse sowie ein Bildungsmonitoring, hiess es weiter. Stand heute verfügt die Schweiz über kein einheitliches, langfristig vergleichbares Monitoring der Grundkompetenzen. Belastbare Längsschnittdaten würden es erlauben, Entwicklungen und mögliche Ursachen über längere Zeiträume abzubilden. Bisher gebe es keine empirisch gesicherte Erklärung für den Rückgang der Grundkompetenzen. (sda/jes)
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