Wirtschaft
Schweiz

Migros in Herisau ab Juli 24 Stunden geöffnet: Weitere Filialen geplant

Noch vor der ersten Eröffnung: Migros plant weitere Filialen mit 24-Stunden-Betrieb

05.06.2026, 12:0905.06.2026, 12:09

Die Migros Ostschweiz will ihr Konzept für rund um die Uhr geöffnete Supermärkte ausbauen. Noch bevor die schweizweit erste 24-Stunden-Migros Anfang Juli in Herisau den Betrieb aufnimmt, sind bereits weitere Standorte in der Ostschweiz in Planung, wie ein Sprecher der Genossenschaft der Nachrichtenagentur AWP am Freitag mitteilte.

Die erste entsprechende Filiale öffnet am 2. Juli an der Alpsteinstrasse in Herisau im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Weitere Projekte seien geplant, aber noch nicht spruchreif, teilte die Migros Ostschweiz mit. Damit deutet sich an, dass der Pilotversuch nicht als Einzelprojekt gedacht ist, sondern als möglicher Ausgangspunkt für eine breitere Einführung.

Migros Herisau Alpsteinstrasse 24-Stunden-Betrieb
Die Filiale an der Alpsteinstrasse in Herisau hat ab Juli 24 Stunden geöffnet.Bild: Migros

Das Vorhaben in Herisau hätte ursprünglich bereits im Sommer 2025 starten sollen. Eine Einsprache gegen die baulichen Anpassungen und die geänderte Nutzung verzögerte das Projekt jedoch um rund ein Jahr. Inzwischen liegt die Betriebsbewilligung vor.

Nach 19 Uhr nur noch Zutritt per Handy

Während der regulären Öffnungszeiten wird die Filiale wie bisher weiterhin mit Personal betrieben. Nach «Ladenschluss» um 19 Uhr wechselt sie automatisch in einen Selbstbedienungsmodus. Kundinnen und Kunden erhalten per Smartphone-Zugang Zutritt zum Laden und können ihre Einkäufe an den bestehenden Self-Checkout-Kassen bezahlen. Die rund 300 Quadratmeter grosse Filiale führt etwa 7000 Artikel.

Technisch basiert das Konzept auf der Infrastruktur der unbedienten Migros-Teo-Läden. Die Filiale wird ausserhalb der bedienten Zeiten video- und sensorüberwacht. Die Systeme sollen erkennen und alarmieren, wenn beispielsweise jemand im Ladenlokal ein medizinisches Problem erleidet oder verunfallt.

Nachts sowie an Sonn- und Feiertagen dürfen die Regale gemäss Arbeitsgesetz nicht bewirtschaftet werden. Das Auffüllen erfolgt deshalb unmittelbar vor beziehungsweise nach den bedienten Öffnungszeiten.

Kritik der Gewerkschaft

Die Migros begründet das Projekt mit dem Wunsch vieler Kundinnen und Kunden nach flexibleren Einkaufsmöglichkeiten. Herisau gilt aus Sicht des Unternehmens als idealer Teststandort, da die Filiale gut erreichbar ist und zugleich nicht die Besonderheiten einer Grossstadt aufweist.

Kritik kommt vom Gewerkschaftsbund St.Gallen-Appenzell. 24-Stunden-Konzepte seien unnötig und benachteiligten kleinere Detailhändler, die solche Öffnungszeiten weder finanzieren könnten noch wollten, erklärte der Verband. Zudem warnt er vor möglichen Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen. Der Gewerkschaftsbund kündigte an, die Entwicklung kritisch zu begleiten und bei Bedarf politische Schritte zu prüfen.

Auf 24-Stunden-Shops setzt auch die Migros-Konkurrenz. Die Kioskbetreiberin Valora betreibt unter dem Label Avec auf Raststätten Rund-um-die-Uhr-Läden. In Zürich unterhält sie ebenfalls autonome Läden, bei denen die Kunden etwa am Sonntag Zugang per App erhalten.

Wegen sicherheitsrelevanter Vorkommnisse wurden Filialen aber vorübergehend in der Nacht geschlossen. Aus demselben Grund machte auch Spar in Zürich und im Bündnerland unbediente Automaten-Läden wieder zu. (sda/awp)

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