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Bild: shutterstock / montage watson

Switzerland first, Austria second – weshalb Schweizer seltener nach Österreich fahren

Im Preisvergleich hat der Schweizer Wintertourismus gegenüber Österreich aufgeholt. Es war auch dringend nötig.

Niklaus Vontobel / schweiz am wochenende



Österreich hat unter Schweizer Wintertouristen an Beliebtheit verloren. Ihre Übernachtungen gingen letzten Winter erneut zurück in Tirol und in Vorarlberg. Es ist die dritte Saison, in der weniger Schweizer Gäste kommen in die österreichischen Hochburgen des Wintertourismus. Damit endet dort ein beispielloser Schweizer Winterboom.

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120'000 Nächtigungen, wie Logiernächte in Österreich genannt werden, haben Tirol und Vorarlberg verloren seit dem Winter 2015/2016. Damals war der Schweizer Boom auf dem Höhepunkt. Tirol hat nun rund 6 Prozent der Schweizer Übernachtungen eingebüsst, Vorarlberg rund 7 Prozent.

120'000 Logiernächte haben oder nicht haben – das kann in der Schweiz den Unterschied ausmachen zwischen Stagnation und Wachstum. So hat zum Beispiel das Wallis seit dem Winter 2015/2016 beinahe um die gleiche Zahl an Logiernächten zugelegt. Ohne dieses Plus hätte der Kanton keine Wende zum Besseren geschafft.

Wende nach goldenen Jahren

In Österreich ist es die Wende zum Schlechteren nach einem spektakulären Boom. Tirol wurde von Schweizern überrannt, nachdem sich ab 2008 der Euro stark verbilligt hatte. Es passte nicht zur von Marketingexperten oft gepriesenen Heimatliebe schweizerischer Skifahrer. Tirol hatte von 2008 bis 2016 einen Zuwachs von 60 Prozent an Schweizer Übernachtungen. Im touristisch weniger bedeutenden Vorarlberg waren es 56 Prozent.

Der Schweizer Boom in Österreich wies enorme Dimensionen auf. Ab 2008 bis zum Höhepunkt im Winter 2015/2016 gewannen Tirol und Vorarlberg rund 720'000 Schweizer Logiernächte dazu. Dieses Plus war in Tirol verantwortlich für über 40 Prozent des Wachstums jener Jahre. In Vorarlberg hätte es ohne Schweizer Boom gar eine Stagnation gegeben.

In Graubünden und im Wallis, die zusammen auf etwa fünf Mal weniger Logiernächte kommen als Tirol, haben 720'000 Übernachtungen die ungleich grössere Bedeutung. So wurde viel geklagt über den Exodus der treuen deutschen Stammgäste. Die Marketingorganisation Schweiz Tourismus will sie mit der Kampagne «Grüezi Deutschland» zurückgewinnen. Doch was Graubünden und Wallis verloren haben an deutschen Gästen, bewegt sich in der gleichen Grössenordnung wie der Schweizer Boom in Österreich.

Am Ende ist der Preis entscheidend

Der Schweizer Boom und die Wende in Österreich lassen sich nicht mit einer schwankenden Heimatliebe erklären. Nicht mit dem Herzen wird der Ferienort gewählt, sondern mit dem Portemonnaie. Als sich der Euro ab 2008 abwertete, wurden Tirol und Vorarlberg für Schweizer dramatisch günstiger.

Danach wurde Österreich wieder teuer. Das zeigt sich an den Übernachtungen. An den Kosten eines Winterurlaubs machen sie den Löwenanteil aus. Wie Österreichs Verbraucherpreisindex zeigt, kostet eine Beherbergung rund 19 Prozent mehr als 2008. In der Schweiz sanken die Preise. Im landesweiten Schnitt kostet die Übernachtung rund 5 Prozent weniger. In Graubünden und im Wallis dürften die Verbilligungen teils höher ausgefallen sein. Den beiden Hochburgen des hiesigen Wintertourismus gingen die Gäste verloren, sie mussten reagieren.

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Bild: schweiz am Wochenende

Die Hotels in Vorarlberg und Tirol hätten die Preise zu sehr erhöht. Darum verlören sie nun Schweizer Gäste. Diese These von österreichischer Gier ist gelegentlich zu hören von schweizerischen Touristikern. Sie dürfte jedoch falsch sein. Ungewöhnlich waren nicht die Preiserhöhungen in Österreich. Ungewöhnlich war die Schweiz.

In Österreich gingen die Preise in der Hotellerie ähnlich stark nach oben wie das allgemeine Preisniveau. Das ist bloss normal für eine Branche, die hohe Personalkosten hat und vergleichsweise wenig Sparpotenzial.

Starker Franken bringt Preise durcheinander

In der Schweiz herrscht seit über einem Jahrzehnt der Ausnahmezustand. 2019 lag das Preisniveau gerade einmal 0,3 Prozent höher als 2008. Das hat historische Ausmasse. Vergleichbares gab es zuletzt in den 30er- und 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Schuld ist der starke Franken. Durch seine Aufwertung waren viele Branchen zu teuer im Vergleich zur Konkurrenz aus der Eurozone. Sie mussten runter mit den Preisen, auch die Hotellerie.

Die Macht des Frankens zeigt sich auch bei den Skitickets. Im Winter 2006/07 waren die grössten Bergbahnen in den Alpen – Schweiz, Österreich, Frankreich, Italien – preislich in etwa alle gleich teuer. Ein Erwachsener zahlte überall rund 60 Franken. Dann kam die Finanzkrise. Im Winter 2015/2016 war alles anders.

Eine österreichische Tageskarte kostete für Schweizer Gäste viel weniger als eine schweizerische: 25 Prozent weniger. Schweizer zahlten entweder umgerechnet 53 Franken in Österreich oder 70 Franken in der Schweiz. Ein Unterschied von 17 Franken. In jenem Winter erreichte der Schweizer Boom in Österreich den Höhepunkt.

Offizielle Ticketpreise täuschen

Seither hat der Schweizer Wintertourismus etwas Boden gutgemacht. Zwar gingen die Preise von Tageskarten weiter nach oben. Letzten Winter kostete eine Tageskarte rund 13 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Doch Österreich schlug ein anderes Tempo an. Tageskarten kosten heute in Euro etwa 32 Prozent mehr.

Trotzdem sind für Schweizer die Tageskarten in Österreich noch immer billiger als in der Heimat. In Österreich zahlte ein Schweizer zuletzt umgerechnet in Franken rund 19 Prozent weniger als in der Schweiz. In Österreich 60 Franken, 74 in der Schweiz. Derlei ärgert den Schweizer Wintertourismus. Die Konkurrenz in Österreich erhöht die Preise kräftig – und bleibt günstiger, dem schwachen Euro sei Dank.

Die offiziellen Ticketpreise überzeichnen indessen den wahren Schweizer Rückstand. Mittlerweile gibt es hierzulande viele Rabatte, Freikarten oder Sonderaktionen. Vergünstigte Saisonkarten sind weit verbreitet. Daher zahlt der durchschnittliche Gast heute pro Skitag etwa gleich viel wie vor zehn Jahren. Ganz anders in Österreich. Dort muss in Euro heute 30 Prozent mehr hingelegt werden.

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Video: watson/Emily Engkent, Lya Saxer

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