Wirtschaft
Schweiz

UBS: Ständerat fordert 90 Prozent Eigenkapital für Auslandbeteiligungen

Ständerat will schärfere Eigenmittel-Regelung für die UBS – das willst du wissen

Der Ständerat zeigt Härte bei den Eigenkapitalregeln für die UBS. Die Schweizer Grossbank UBS soll ihre Beteiligungen im Ausland zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegen müssen. Eine Übersicht.
23.09.2026, 09:1223.09.2026, 11:58

Was ist neu?

Der Ständerat hat für systemrelevante Grossbanken strengere Eigenmittel-Regeln beschlossen, gegen den Willen der derzeit allein davon betroffenen UBS. Sie muss Auslandstöchter künftig mit 90 Prozent hartem Kernkapital unterlegen.

Sergio P. Ermotti, Group Chief Executive Officer of Swiss bank UBS speaks on stage during the Finance Forum Zurich on Tuesday, September 22, 2026 in Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Michael Buholzer)
UBS-Chef Sergio Ermotti.Bild: keystone

Wie fiel die Abstimmung aus?

Der Ständerat beschloss die Änderungen im Bankengesetz am Mittwoch mit 33 gegen 10 Stimmen und mit zwei Enthaltungen. Ablehnende Stimmen kamen von Vertreterinnen von SVP, FDP und der Mitte-Gruppe.

Wie wurde argumentiert?

Die 90-Prozent-Unterlegung beantragt hatte Peter Hegglin (Mitte/ZG) namens einer Minderheit. Eine höhere Quote an hartem Kernkapital sei ein Signal für einen sicheren, vertrauenswürdigen Finanzplatz, sagte er dazu.

Peter Hegglin, Mitte-ZG, spricht zur Grossen Kammer, an der Fruehjahrssession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 2. Maerz 2022 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Mitte-Ständerat Peter Hegglin.Bild: KEYSTONE

AT1 erzeugten in einer Krise Rechtsunsicherheit, doppelte Pirmin Bischof (Mitte/SO) nach. «Wenn es kracht, ist nicht klar, was passiert.» Eine dickere Eigenkapitaldecke sei kein Nachteil, sondern Teil eines stolzen Finanzplatzes, sagte Heidi Z'graggen (Mitte/UR).

Jakob Stark (SVP/TG) sagte, der Antrag sei gegenüber einer vollständigen Unterlegung um vier Milliarden Franken leichter. Auch Isabelle Chassot (Mitte/FR), einst Präsidentin der parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zum CS-Debakel, wollte diesen Weg: «Die Bevölkerung erwartet von uns Lehren aus der CS-Krise.»

Was sagten die Gegner?

Die Mehrheit der Wirtschaftskommission (WAK-S) hätte den Grossbanken mit Auslandsbeteiligungen zwar Zügel anlegen wollen, aber weniger enge. Tiana Angelina Moser (GLP/ZH) sprach von einer «Verschärfung mit Augenmass.» Der Finanzplatz müsse krisenresistenter werden, eine Grossbank international aber wettbewerbsfähig bleiben.

Der Vorschlag der Mehrheit richte sich an internationalen Gegebenheiten aus, sagte Thierry Burkart (FDP/AG), und AT1 seien ein bekanntes Instrument. Mehrere Ratsmitglieder forderten Respekt für die UBS und deren Leistungen rund um die Übernahme der gestrauchelten CS.

Thierry Burkart, FDP-AG, spricht zur Kleinen Kammer, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 3. Juni 2026 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Thierry Burkart stimmte gegen die 90 Prozent.Bild: keystone

Wie reagiert die UBS?

Die 90-Prozent-Unterlegung mit hartem Kernkapital würde ihrer Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig schaden, schrieb die UBS. Sie und mehrere grosse Wirtschaftsverbände hätten den vom Ständerat abgelehnten, milderen Kompromiss bevorzugt.

Demnach hätte die Bank Auslandbeteiligungen zu mindestens 50 Prozent mit hartem Kernkapital (CET1) unterlegen müssen. Für die übrigen bis zu 50 Prozent wären speziell gestaltete AT1-Anleihen zulässig gewesen.

Wie sieht die Lage für die letzten zehn Prozent aus?

Für die zehn verbleibenden Prozent der Kapitaldeckung will der Ständerat keine Vorgaben machen. Die von der Kommissionsmehrheit entworfenen spezifischen Vorgaben zur Verwendung von AT1-Anleihen lehnte der Rat unisono ab. Heute müssen die Auslandstöchter zu 45 Prozent mit CET1 und zu 17 Prozent mit AT1-Anleihen unterlegt werden.

Was wollte der Bundesrat?

Der Ständerat liegt mit seinem Entscheid nun zwar näher beim Bundesrat, aber nicht ganz bei ihm. Denn der Bundesrat will eine hundertprozentige Deckung von Auslandsbeteiligungen mit hartem Kernkapital (CET1). Gegenüber dem ebenfalls unterlegenen WAK-Konzept unterlag dieser anfänglich einzig von SP-Kommissionsmitgliedern unterstützte Antrag nur knapp.

«Es ist in unserer Verantwortung, die Lehren zu ziehen», sagte Finanzministerin Karin Keller-Sutter den Ständerätinnen und Ständeräten. Die Bevölkerung sei nicht mehr bereit, für Risiken, die die UBS im Ausland eingehe, zu haften. Eine Regulierung werde nie alle Risiken ausmerzen können, betonte sie. «Doch wir sollten tun, was wir können.»

Bundesraetin Karin Keller-Sutter spricht im Staenderat ueber das Bankengesetz, Eigenmittelunterlegung auslaendischer Beteiligungen im Stammhaus von systemrelevanten Banken, an der Herbstsession der Ei ...
Bundesrätin Karin Keller-Sutter am Mittwoch im Ständerat.Bild: keystone

Noch in einem weiteren Punkt wich der Ständerat von den Anträgen der zuständigen Kommission ab: Mit 25 zu 19 Stimmen strich er die Vorgabe an systemrelevante Grossbanken, einen dauerhaften Sozialplan zu erstellen. Dieser hätte gemäss dem Mehrheitsantrag das Ziel haben müssen, Arbeitsplätze unabhängig von einer Insolvenz zu sichern. (dab/sda)

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