Schwächerer Franken spielt der SNB in die Karten – das musst du wissen
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren derzeitigen Kurs am Donnerstag fortgesetzt und den Leitzins bei 0,00 Prozent belassen. Auch bei der Inflation und den Wachstumsaussichten sehen sich die Währungshüter auf gutem Kurs. Die wichtigsten Aussagen aus der Medienkonferenz.
Wie steht es um Devisenmarktinterventionen?
Devisenmarktinterventionen sind bekanntlich das zweite Werkzeug, auf das die SNB neben den Leitzinsen zurückgreift, um Preisstabilität in der Schweiz zu gewährleisten. Mit dem Ausbruch des Iran-Krieges im Frühjahr hat vor allem der Schweizer Franken in diesem Jahr eine ausgeprägte Dynamik gesehen – in beide Richtungen.
Seit Mitte des zweiten Quartals hat der Franken abgewertet. Alleine im dritten Quartal handelsgewichtet um drei Prozent, wie SNB-Chef Martin Schlegel sagte. Damit hat die SNB denn auch ihre Wortwahl einmal mehr angepasst: Nun ist sie bei Bedarf bereit für Devisenmarktinterventionen. Gegenüber der Lagebeurteilung im Juni ist dies eine weitere Abschwächung. Seinerzeit schraubten die Währungshüter ihre «erhöhte Bereitschaft» auf ein «bei Bedarf erhöht» zurück.
Welche Rolle spielen die anderen Notenbanken?
Neben der EZB und dem Fed hatte zuletzt auch die Bank of Japan und am heutigen Donnerstag die norwegische Nationalbank den Leitzins erhöht. Die damit einhergehende Zinsdifferenz ist laut Schlegel ebenfalls ein Grund für die Frankenabwertung: «Mit der Ausweitung der Zinsdifferenzen zum Ausland hat der Franken abgewertet», sagte Schlegel im Gespräch mit Journalisten.
«Wir geben zwar keine ‹Forward Guidance› ab, die Entscheidungen der anderen Notenbanken haben aber natürlich auch Einfluss auf unsere Entscheidungen.»
Was sagt die SNB zur Bankenregulierung?
Grundsätzlich sei es nicht die Aufgabe der SNB, die Entscheidungen der schweizerischen Regierung zu kommentieren, betonten Schlegel und sein Direktoriumskollege Antoine Martin an der Konferenz. Direkt nach dem UBS-Entscheid gefragt, sagte Martin aber zumindest: «Mehr hartes Eigenkapital für die UBS ist für die Finanzstabilität in der Schweiz von Vorteil.» Schlegel ergänzte, dass die Vorschläge zur Bankenregulierung wichtig für die Finanzstabilität seien.
Wie ist die Lage am Immobilienmarkt?
Die SNB schätzt die Risiken am Schweizer Immobilienmarkt Stand heute grundsätzlich als stabil ein. Direktoriumsmitglied Martin räumte aber auch ein, dass der Immobilienmarkt aufgrund der tiefen Zinsen und der in der Vergangenheit gestiegenen Preise in gewissen Regionen und Bereichen verwundbarer geworden ist. Die SNB wünschte sich daher Mittel, um im Falle eines raschen Anstiegs der Zinsen auf erhöhte Kreditrisiken reagieren zu können. Der dafür geschaffene antizyklische Kapitalpuffer sei derzeit mit 2,5 Prozentpunkten bereits voll ausgeschöpft.
«Es wäre von Vorteil, wenn wir diesen Puffer in einer Krise bei Bedarf weiter erhöhen könnten», sagte Martin. Der antizyklische Kapitalpuffer ist ein regulatorisches Instrument, welches das Bankensystem in Phasen übermässigen Kreditwachstums krisenresistenter machen soll. In der Schweiz wird der Puffer auf Antrag der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom Bundesrat aktiviert und deaktiviert. Der Aufschlag auf die Eigenmittelunterlegung im Kreditgeschäft der Banken kann höchstens 2,5 Prozentpunkte betragen. Eine Erhöhung über diese Obergrenze hinaus müsste auf der politischen Ebene beschlossen werden. (sda/awp)
