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Shein startet an der Börse – darum rutscht die Aktie sofort ins Minus

FILE - Clothes by Chinese company Shein are seen in the BHV (Bazar de l'Hotel de Ville) department store, Tuesday, Nov. 4, 2025 in Paris. (AP Photo/Aurelien Morissard, File)
Shein Everlane
Das chinesische Fast-Fashion-Unternehmen Shein geht an die Börse.Bild: keystone

Shein startet an der Börse – darum rutscht die Aktie sofort ins Minus

01.09.2026, 08:2801.09.2026, 08:28

Im Laufschritt hatte Shein die Online-Modewelt umgekrempelt und bekannte Marken in den Schatten gestellt. Nach langem Warten und gescheiterten Versuchen hat die Shoppingplattform nun ihren lange erwarteten Gang an die Börse in Hongkong hingelegt – allerdings mit einem deutlichen Minus. Zum Handelsbeginn in der Finanzmetropole rutschte Sheins Aktie zeitweise rund acht Prozent unter den Ausgabepreis von 48,56 Hongkong-Dollar (etwa 5 Franken).

Das in China gegründete Unternehmen, das zwischen 2021 und 2022 seinen Sitz nach Singapur verlagert hatte, hatte zuvor schon an den Finanzplätzen London und New York versucht, an die Börse zu gehen. Berichten zufolge scheiterte das Vorhaben jedoch am Widerstand Pekings.

Weit von Spitzenbewertung entfernt

Seit den Querelen um den Börsengang ist der Hype um den Onlinehändler unter Investoren spürbar zurückgegangen. Bei früheren privaten Finanzierungsrunden wie 2022 war Shein noch mit fast 100 Milliarden US-Dollar bewertet worden. Vor dem Handelsstart hatte das Unternehmen laut Börsenprospekt eine Bewertung von 210,2 Milliarden Hongkong-Dollar (derzeit etwa 26,8 Milliarden US-Dollar) angestrebt. Am Ende landete Shein nun leicht darunter.

Seit der Spitzenbewertung vor einigen Jahren hat sich für das Geschäft einiges geändert. Im Vorfeld des Börsengangs legte das Unternehmen einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar in den ersten drei Monaten dieses Halbjahres offen.

epa13203599 SHEIN employees strike a gong at SHEIN's listing ceremony at the Hong Kong Exchanges and Clearing Limited (HKEX) in Hong Kong, China, 01 September 2026. EPA/MAY JAMES
Angestellte schlagen den Gong: Shein ist offiziell an der Börse.Bild: keystone

Was Shein Probleme bereitet

Sheins Geschäftsmodell basiert darauf, Mode von den Herstellern in China direkt per Luftfracht an die Kunden in alle Welt zu verschicken. Mit dem Konflikt im Nahen Osten stiegen jedoch die Transportkosten, und die Nachfrage in der Region brach ein. Ausserdem sorgten neue Zollregelungen in den wichtigen Märkten USA und Europa dafür, dass auch die Einfuhr von Paketen mit geringem Warenwert besteuert wird.

Marktexperten beobachten deshalb genau, wie viel Wachstumspotenzial Shein unter diesen Bedingungen noch hat. Nach eigenen Angaben hatte das 2012 gegründete Unternehmen Stand 2025 geschätzt 273 Millionen aktive Kunden in etwa 160 Ländern.

Welche Auswirkungen Experten für Verbraucher erwarten

Shein galt einst als sogenannter Disruptor, also ein Unternehmen, das traditionelle Mechanismen der Modebranche radikal verändern könnte. Das scheint sich laut Experten geändert zu haben. Die Börse bepreise Shein wie einen ganz normalen europäischen Modehändler, sagte E-Commerce-Experte und -Unternehmer Alexander Graf. Das Spannendste aus seiner Sicht: Shein bringe nur einen Mini-Anteil an die Börse. «Der eigentliche Zweck ist die Bereinigung der Bilanz.»

epa12749294 The Shein website is displayed on a smartphone in front of the European Commission headquarters in Brussels, Belgium, 17 February 2026. The European Commission is expected to provide a for ...
Sheins Probleme leiten das Ende des Billig-Shoppings in China ein, sagen Experten.Bild: keystone

Die Folge für Kunden? «Die Ära der künstlich billigen China-Pakete geht mit dem Ende der Zollfreigrenzen zu Ende», sagte der Experte. Ohne diese Zollvorteile wird es laut Grafs Einschätzung für Verbraucher in Zukunft etwas teurer. Einen trüben Ausblick hat er allerdings für europäische Händler. Ein börsengelistetes Shein ohne Wachstumsdruck und mit vollen Kassen könnte sich ganz auf Marge und den europäischen Ausbau konzentrieren, sagte Graf.

Kritik und Forderungen an die Politik

Hoffnung auf mehr Fairness seitens Shein hat dagegen der Handelsverband Deutschland (HDE). Bisher sei dies im Wettbewerb mit Shein nicht der Fall, sagte der stellvertretenden Hauptgeschäftsführer, Stephan Tromp. Das Unternehmen halte sich in vielen Fällen nicht an die hierzulande gültigen Regelungen. Tromp hält deshalb eine positive Auswirkung durch den Börsengang für möglich. «Denn mit der Notierung an der Börse erwarten die Anleger, dass alle Pflichten und Regeln eingehalten werden.»

Sheins Erfolgsmodell, das vielen Kunden Mode zu besonders niedrigen Preisen verfügbar macht, stösst schon länger auf Kritik. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht den Börsengang kritisch. «Das Ultra-Fast-Fashion-Geschäftsmodell auf Kosten von Umwelt und Gesundheit darf keine Zukunft haben – erst recht nicht an der Börse», sagte Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

Die Organisation fordert die Politik zum Handeln auf. «Bundesumweltminister Carsten Schneider muss das geplante Textilgesetz deshalb zu einem echten Anti-Fast-Fashion-Gesetz machen.» Überproduktion, Ressourcenverschwendung und Geschäfte auf Kosten von Umwelt und Gesundheit dürften sich nicht länger rechnen. Schneider hatte im Frühjahr Eckpunkte für das Textilgesetz vorgestellt. Bekleidungshersteller sollen demnach künftig für Sammlung und Entsorgung auch finanziell geradestehen.

Asiatische Plattformen auf dem Vormarsch

Auf Shein verkaufte Kleidung ist zum Teil stark mit Chemikalien belastet, wie im Juni aus Untersuchungen des Bremer Umweltinstituts im Auftrag der DUH hervorging. 7 von 18 getesteten Kleidungsstücken verstiessen demnach gegen EU-Grenzwerte. «Wir nehmen die von der DUH vorgebrachten Vorwürfe sehr ernst», erklärte Shein damals auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Auch andere Online-Billigplattformen fielen bei Tests negativ auf.

Asiatische Shoppingplattformen gewannen in Deutschland zuletzt weiter an Bedeutung. Auf Anbieter wie Temu, Shein und AliExpress entfielen im zweiten Quartal nach Angaben des Branchenverbandes Bevh 5,3 Prozent der Onlinehandelsumsätze – ein Rekordwert. Zwischen April und Juni steigerten die Portale ihre Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 20 Prozent auf gut 1 Milliarden Franken. (sda/awp/dpa)

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