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Der Asteroid, der die Dinos auslöschte, versetzte Berge



HANDOUT - Der Erde steht eine Rekordbegegnung mit einem Asteroiden bevor: Am 15. Februar 2013 wird der Asteroid 2012 DA14 knapp an der Erde vorbeischrammen, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa berichtet (undatierte Video-Illustration). Der Asteroid 2012 DA14 nähert sich bis auf knapp 28 000 Kilometer und kreuzt dabei sogar die Bahn zahlreicher Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten. Eine Kollision schließt die Nasa aus. Foto: NASA /Science dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Das ist der Asteroid 2012 DA14: Er ist ungleich kleiner als derjenige, der vor 66 Millionen Jahren die Erde traf. Bild: NASA

Der Asteroid, der vor 66 Millionen Jahren zum Aussterben der Dinosaurier führte, hat beim Einschlag regelrecht Berge versetzt. In wenigen Minuten wurden riesige Gesteinsmassen insgesamt über 30 Kilometer weit bewegt, berichtet ein internationales Forscherteam.

Der Einschlag eines rund zehn Kilometer grossen Asteroiden auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan am Ende der Kreidezeit hat jene Ereigniskette in Gang gesetzt, die zum Aussterben von über 70 Prozent aller lebenden Tier- und Pflanzenarten führte.

Bisher wurde der rund 200 Kilometer grosse Chicxulub-Krater vorwiegend mit geophysikalischen Methoden untersucht. Der Grund dafür ist, dass sich der grösste Teil der Struktur unter Hunderten Metern Meeresablagerungen im Golf von Mexiko befindet.

Mehr als 11'000 Proben

Im Frühjahr dieses Jahres hat ein Wissenschaftlerteam aus zwölf Ländern erstmals Bohrungen im Golf von Mexiko durchgeführt. Erste Ergebnisse erscheinen nun im Fachblatt «Science». An der Untersuchung beteiligt waren auch der österreichische Impaktforscher Christian Köberl und der Meteoritenforscher Ludovic Ferriere vom Naturhistorischen Museum Wien.

Wenn die Erde brennt

In einer Tiefe von 506 bis 1335 Meter unter dem Meeresboden wurden mehr als 300 Bohrkerne mit einer Gesamtlänge von 835 Metern entnommen. Aus den Bohrkernen wurden mehr als 11'000 Proben gewonnen, 373 davon werden am Naturhistorischen Museum Wien und an der Universität Wien untersucht.

Erstmals wurden bei der Bohrung Proben aus dem sogenannten «Peak Ring» eines Einschlagkraters entnommen. Dabei handelt es sich um spezielle Strukturen aus schroffen Bergen im Zentrum des Hauptkraters. Man kennt solche «Peaks» aus der Werbung, wenn in Zeitlupe ein Tropfen in eine Flüssigkeit fällt und einen «Krater» formt, in dessen Zentrum noch eine Spitze emporschiesst. In der Realität kann diese Spitze auch ringförmig ausgebildet sein.

Chicxulub ist der einzige bekannte Krater auf der Erde mit einem intakten «Peak Ring». Solche Strukturen sind aber auch von vielen anderen grossen Einschlagskratern auf dem Mond, der Venus und dem Merkur bekannt. Bisher war nicht klar, wie genau solche Ringe entstanden sind.

Rasante Verschiebungen

Erste Untersuchungen von Proben aus den Bohrkernen in Kombination mit geophysikalischen Daten und Computermodellen zeigen nun, wie sich dieser rund 80 Kilometer grosse «Peak-Ring» im Zentrum des Chicxulub-Kraters geformt hat. Die Struktur besteht grossteils aus geschocktem Granit, der im Zuge des Einschlags aus mehr als zehn Kilometern Tiefe zur damaligen Oberfläche befördert wurde, erklärte Ferriere im Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA.

Daspletosaurus

Den Modellen zufolge hat der Meteorit die Erde mit solcher Wucht getroffen, dass er riesige Granitblöcke in zehn Kilometern Tiefe noch weiter in den Untergrund und dann nach aussen gedrückt hat.

Dann bewegte sich das Gestein wieder in Richtung Zentrum des Einschlags und schliesslich zur Oberfläche, wo es den «Peak-Ring» formte. «In Summe legten die Gesteinsblöcke binnen weniger Minuten eine Strecke von rund 30 Kilometern zurück», sagte Ferriere.

Poröser Granit

Der Einschlag verursachte aber nicht nur gewaltige Gesteinsbewegungen, durch die hohe Energie wurde auch der Granit in einer besonderen, von den Wissenschaftlern nicht erwarteten Form verändert.

«Es sieht nach wie vor wie Granit aus, aber das Gestein wurde extrem geschockt, dadurch poröser und viel weniger dicht», so der Geologe. Während Granit üblicherweise eine Dichte von 2,7 Gramm pro Kubikzentimeter hat, haben die Bohrproben nur 2,2 bis 2,4 Gramm pro Kubikzentimeter.

Dieser Befund könnte auch neue Hinweise auf die Entstehung des Lebens auf der Erde liefern. Schliesslich war die Erde in ihrer Frühzeit einem massiven Meteoriten-Bombardement ausgesetzt. Wenn dabei Gesteine mit ähnlichen Eigenschaften gebildet wurden, könnten solche porösen Steine – durchströmt vom im Erdinneren aufgewärmten und mit Nährstoffen angereicherten Wasser – geeignete Lebensräume für die ersten einfachen Organismen gewesen sein.

(sda/apa)

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