Wissen
Astronomie

ED138: 2. potentieller Zwergplanet in unserem Sonnensystem festgestellt

Unser Sonnensystem könnte einen weiteren Zwergplaneten haben

29.10.2026, 14:4429.10.2026, 14:44

In unserem Sonnensystem haben Astronomen einen neuen Kandidaten für einen Zwergplaneten entdeckt. Das Objekt mit der vorläufigen Bezeichnung 2026 ED138 (kurz ED138) könnte nach ersten Analysen zu den grössten und hellsten Objekten gehören, die die Sonne jenseits der Plutobahn umkreisen. Dies teilte das Vera C. Rubin Observatory mit.

Neuer Zwergplanet Vera C. Rubin Observatory
Die Umlaufbahn des möglichen neuen Zwergplaneten.Bild: Vera C. Rubin Observatory

Gefunden wurde das Objekt vom Astronomen Matthew Holman vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge. Er analysierte kürzlich Daten, die das Observatorium in diesem Jahr gesammelt hatte. Mit einem selbst entwickelten Suchcode durchkämmte er Milliarden Nachweise von sich bewegenden Objekten. Auf diese Weise entdeckte Holman ED138 und bemerkte sofort, dass dessen Helligkeit und Entfernung auf eine ungewöhnliche Grösse hindeuteten.

Erst nochmal Daten überprüft

«Meine erste Reaktion war freudiger Unglauben», sagte Holman. «Solche Objekte sind sehr selten, deshalb habe ich sofort überprüft, ob ich oder der Code etwas falsch gemacht hatten.» Das Team suchte daraufhin nach weiteren Aufnahmen auch in Archivbildern. So konnte es die Umlaufbahn über mehr als zehn Jahre nachzeichnen.

ED138 ist laut Mitteilung derzeit rund 46 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt. Eine Einheit entspricht dem durchschnittlichen Abstand von der Erde zur Sonne. Der Zwergplanet Pluto liege im Mittel bei 40 Astronomischen Einheiten.

Ob ein Objekt als Zwergplanet gilt, hängt vor allem von Grösse und Form ab. Anhand von Helligkeit, Entfernung und geschätzter Oberflächenreflexion schätzt das Team den Durchmesser von ED138 auf 600 bis 1500 Kilometer. Eisige Körper dieser Grösse sind laut Mitteilung in der Regel rund – auch eine Voraussetzung als Zwergplanet zu gelten. Ein Hauptunterschied zwischen einem Planeten und einem Zwergplaneten ist, dass der Planet seine Umlaufbahn von kleinen Körpern bereinigt hat.

Zuletzt wurde 2008 ein Zwergplanet bestätigt

Bei ED138 kenne man die Bahn schon relativ genau, sagte Planetenforscher Ralf Jaumann von der Freien Universität Berlin. «Die Grösse kann man natürlich nur schätzen und so was zwischen 600 und 1'500 Kilometer, das ist natürlich noch ein bisschen ungenau.» Wenn er wirklich so gross sei – 1'500 Kilometer und nicht nur 600 –, habe er eine gute Chance, als Zwergplanet anerkannt zu werden. ED138 sei jedenfalls ein aussichtsreicher Kandidat, es gebe jedoch viele. «Es ist schon interessant, dass man mit einem Teleskop von Chile aus so ein Objekt da draussen wirklich findet, dass man es auch so verfolgen kann und dass man einen grossen Teil der Bahn schon bestimmt hat», so Jaumann.

Bislang gibt es in unserem Sonnensystem fünf von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) offiziell anerkannte Zwergplaneten: Pluto, Ceres, Eris, Haumea und Makemake. Zuletzt wurde 2008 ein Himmelskörper als Zwergplanet anerkannt. Es gibt zudem zahlreiche Zwergplanet-Kandidaten. Die Astronomische Union (IAU) hat vor 20 Jahren die neue Klasse von Himmelskörpern eingeführt, als Pluto vom Planet zum Zwergplanet umbenannt wurde. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Eismonde in unserem Sonnensystem
1 / 17
Eismonde in unserem Sonnensystem
Der Jupitermond Europa ist mit einem Durchmesser von 3121 km der sechstgrösste im Sonnensystem. Europa ist der Prototyp eines Eismondes. Obwohl die Temperatur auf der Oberfläche von Europa maximal -150 °C erreicht, befindet sich unter der mehrere Kilometer mächtigen Wassereishülle vermutlich ein etwa 100 km tiefer Ozean aus flüssigem Wasser. (bild: wikimedia) ... Mehr lesen
quelle: nasa
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Der Mars hat einen Rover mehr! Perseverance ist sanft gelandet
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Folgen des Klimawandels nehmen laut Bericht deutlich zu
Hunderttausende Hitzetote, wirtschaftliche Einbussen und krasse Wetterextreme: Die gesundheitsgefährdenden Folgen des Klimawandels haben einem aktuellen Bericht zufolge im vergangenen Jahrzehnt deutlich zugenommen.
Zur Story