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Ein Tasmanischer Tiger im Zoo von Hobart – existiert das Tier bald wieder?
Ein Tasmanischer Tiger im Zoo von Hobart – existiert das Tier bald wieder?Bild: IMAGO / United Archives International

15-Millionen-Projekt: Der ausgestorbene Tasmanische Tiger soll bald wieder existieren

18.08.2022, 18:5419.08.2022, 14:22
Dario Bulleri
Dario Bulleri
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1993 kam in den USA der Film «Jurassic Park» in die Kinos. Dieser faszinierte das Publikum mit einer futuristischen Idee: John Hammond, ein Multimilliardär und Wissenschaftler, schafft es, ausgestorbene Dinosaurierarten wieder zum Leben zu erwecken. In einem Erlebnispark sollen diese ausgestellt und den Besuchern präsentiert werden.

Im bekannten Film endet das Experiment nicht gut – doch die Faszination, eine ausgestorbene Tierart zurückzubringen, ist bis heute geblieben. Immer wieder machen Meldungen die Runde, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein solches Projekt angehen wollen. Doch eines scheint nun besonders konkret zu sein: Das US-amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Colossal und die Universität Melbourne wollen den Tasmanischen Tiger wieder zum Leben erwecken.

Seit über 90 Jahren ausgestorben

Der Tasmanische Tiger, auch Beuteltiger genannt, existierte im Gegensatz zu den Dinosauriern auch noch lange im Zeitalter der Menschheit. Ursprünglich lebte er in ganz Australien sowie in Neuguinea, im Laufe der Zeit ging die Verbreitung immer weiter zurück. Als die Europäer Australien erreichten, existierte er nur noch auf der Insel Tasmanien – daher auch sein Name. Er wurde bis zu 60 Zentimeter gross und 130 Zentimeter lang, womit er das grösste Beuteltier der Welt war.

Eine Briefmarke mit dem Tasmanischen Tiger aus dem Jahr 1981 – damals hoffte man noch, überlebende Exemplare finden zu können.
Eine Briefmarke mit dem Tasmanischen Tiger aus dem Jahr 1981 – damals hoffte man noch, überlebende Exemplare finden zu können.Bild: IMAGO / Panthermedia

Bei den Siedlern auf Tasmanien hatte das Tier schnell einen schlechten Ruf. Man vermutete, der Tasmanische Tiger habe zahlreiche Schafe auf der Insel gerissen, auch wenn heute vermutet wird, dass meistens verwilderte Haushunde dafür zuständig waren. 1830 setzte die australische Regierung ein Kopfgeld auf das Tier aus, in der Folge ging der Bestand immer weiter zurück. Zudem wird vermutet, dass das Aussterben durch eine Krankheit in dieser Zeit weiter vorangetrieben wurde.

In der Nacht auf den 7. September 1936 verstarb Benjamin, der letzte Tasmanische Tiger, im Zoo des tasmanischen Hauptorts Hobart. In der Folge wurde zwar immer wieder von Sichtungen berichtet, diese konnten aber nicht offiziell bestätigt werden. Seit den 80er-Jahren gilt das Tier deshalb als ausgestorben.

Selte Videoaufnahmen von Tasmanischen Tigern im Zoo von Hobart.Video: YouTube/livesteel

DNA einer Maus soll die Basis bilden

Dies soll sich nun wieder ändern. Denn laut Andrew Pask, Professor an der University of Melbourne, stehen die Chancen dafür gut. Das Projektteam habe von einem Museum im Bundesstaat Victoria das Genom eines jungen Exemplars bekommen. Damit habe man quasi «eine genaue Anleitung erhalten, wie man einen Tasmanischen Tiger baut», so Pask gegenüber dem «Guardian».

Folglich haben die Leiter des Projekts nun ambitionierte Pläne. Ben Lamm, der CEO von Colossal, sagte, es sei äusserst wahrscheinlich, dass der Tasmanische Tiger als erstes ausgestorbenes Tier wieder zum Leben erweckt werde. Der Prozess werde etwa sechs Jahre dauern, das offizielle Ziel liegt bei zehn Jahren. Und Pask sagte gegenüber dem «Sydney Morning Herald»:

«Wir werden etwas zurückbringen, zu 100 Prozent. Nichts ist in der Wissenschaft unmöglich.»

Der Plan, wie der Tasmanische Tiger zum Leben erweckt werden soll, steht bereits. Eine wichtige Rolle spielt dabei eine Maus – die Dickschwänzige Schmalfussbeutelmaus. Diese wird zwar nur etwa elf Zentimeter lang, ist aber eng mit dem Tasmanischen Tiger verwandt. Von einem solchen Tier sollen Zellen entfernt und in der Folge anhand der Vorlage des Tasmanischen Tigers modifiziert werden.

Die Dickschwänzige Schmalfussbeutelmaus, eine kleine Verwandte des Tasmanischen Tigers.
Die Dickschwänzige Schmalfussbeutelmaus, eine kleine Verwandte des Tasmanischen Tigers.Bild: IMAGO / Nature Picture Library

«Wir nehmen lebendige Zellen der Schmalfussbeutelmaus und verändern dann die DNA in jedem Punkt, wo sie von derjenigen des Tasmanischen Tigers abweicht», so Pask gegenüber CNN. «Wir bauen quasi die Schmalfussbeutelmaus-Zelle um.»

Aus dieser Zelle soll dann ein Embryo entwickelt werden, der wiederum von einer Schmalfussbeutelmaus oder in einer künstlichen Gebärmutter ausgetragen werden soll. Ist das Tier dann mal geboren worden, soll es auf Tasmanien zuerst in einem sicheren Raum aufgezogen und im Optimalfall später ausgewildert werden. Sollte dies gelingen, wäre dies extrem wichtig für das tasmanische Ökosystem, so Pask.

Wissenschaftler äussern Bedenken

Doch das Millionen-Projekt in Australien stösst nicht nur auf Begeisterung. So ist etwa Tom Gilbert, Professor an der Universität von Kopenhagen, skeptisch. Er beschäftigte sich einst mit dem Projekt, die ebenfalls ausgestorbene Maclear-Ratte zurückzubringen, und kennt somit die Schwierigkeiten einer solchen Idee.

«Es ist unwahrscheinlich, die genaue Genomsequenz eines solchen Tieres zu erhalten», so Gilbert gegenüber CNN. Folglich sei es kaum möglich, den Tasmanischen Tiger exakt nachzubauen. Er hält es zwar für möglich, dass man tatsächlich ein Tier züchten werde – nur halt keinen Tasmanischen Tiger. «Das Resultat wird ein Hybrid sein», so Gilbert.

Statuen von Tasmanischen Tigern, ausgestellt im tasmanischen Ort Launceston.
Statuen von Tasmanischen Tigern, ausgestellt im tasmanischen Ort Launceston.Bild: IMAGO / AAP

Dies sei ein Problem: So könne es nicht ausgeschlossen werden, dass bei einem solchen Tier gesundheitliche Probleme auftreten werden und es nicht in freier Natur überleben kann. Zudem befürchtet Gilbert, viele Menschen könnten sich von der Wissenschaft betrogen fühlen, wenn am Ende ein Hybrid und kein «richtiger» Tasmanischer Tiger entsteht. Grundsätzlich sei es zwar gut, dass man durch ein solches Projekt Aufmerksamkeit generiere. Aber:

«Wir brauchen definitiv nicht noch mehr Leute, die sich von der Wissenschaft betrogen fühlen.»

Auch Corey Bradshaw, Ökologie-Professor an der Flinders University im australischen Adelaide, äusserte Zweifel am Vorhaben. Er sieht selbst dann noch Probleme, falls es tatsächlich glücken sollte, einen gesunden Tasmanischen Tiger zu züchten – was er an sich schon bezweifelt. «Wie soll es gelingen, Tausende genetische Variationen zu kreieren, die es braucht, um eine gesunde Population entstehen zu lassen?», fragte er gegenüber «The Guardian».

Bis heute ist es noch nie geglückt, eine ausgestorbene Tierart wieder zum Leben zu erwecken. Versuche, dies zu tun, laufen aber schon seit geraumer Zeit. Auch Colossal, das beim Tiger-Projekt beteiligt ist, beteiligt sich schon länger als solchen Projekten. Das wohl bekannteste ist der Versuch, das Wollhaarmammut zurückzubringen. Bei diesem sind ebenfalls 15 Millionen Dollar im Spiel.

Quellen

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39 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ehringer
18.08.2022 23:25registriert Februar 2015
Versteht mich nicht falsch. Ich liebe die Natur und ich liebe die Wissenschaft. Ich finde es ausserdem unglaublich faszinierend, was die Wissenschaft heute bereits alles kann (oder zu können glaubt…). Was bringt es uns aber, wenn wir den tasmanischen Teufel zurückholen, zeitgleich aber den Berggorilla, das Breitmaulnashorn und den Eisbären ausrotten? Ich bin der Meinung, wir sollten unsere Energie (und das Geld) viel eher auf den Erhalt der akut gefährdeten Tierarten konzentrieren, anstatt auf ein Retortenprojekt.
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Lindor der Elfenkoch
18.08.2022 22:15registriert Februar 2022
Als alter Romantiker fände ich es ja irgendwie cool einem ‚echtem‘ Mammut etc. zu begegnen. Aber wäre es nicht sinnvoller das ganze Geld in Arten zu investieren die kurz vor dem Aussterben sind?
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Fabfab
18.08.2022 21:00registriert Dezember 2019
Der Fokus sollte meiner Meinung nach eher darauf gelegt werden,Tierarten welche noch existieren, vor dem Aussterben zu bewahren
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39

Liebe Huberquizzer

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