Wissen
Auto

Neue Musik ist tödlich – sagt eine Studie

STOCKHOLM 20130327 En modern bilstereo kan ta emot strömmad musik tradlöst fran mobilen STOCKHOLM SVERIGE SCI x11350x *** STOCKHOLM 20130327 A modern car stereo can receive streamed music wirelessly f ...
Das Handy lenkt die Aufmerksamkeit des Autofahrers weg von der Strasse.Bild: www.imago-images.de

Neue Musik ist tödlich – sagt eine Studie

Eine neue Statistik zeigt, dass an Tagen, an denen Musikstars ein neues Album veröffentlichen, mehr Menschen tödlich mit dem Auto verunfallen. Die Studie soll die Frage erweitern, wie sehr sich ständige Interaktion mit einem digitalen Ökosystem auf das Fahrverhalten auswirkt.
18.08.2026, 13:4118.08.2026, 13:41

Wenn Taylor Swift oder Kendrick Lamar ein neues Album veröffentlichen, greifen gleichzeitig Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zu ihrem Handy. Sie scrollen durch Streamingplattformen, klicken sich von einem neuen Song zum nächsten und vergessen dabei oft, was rund um sie passiert.

Und genau diese Ablenkung kann tödlich enden, wie eine neue Studie aus den USA besagt, die am Montag in der Fachzeitschrift «JAMA Network Open» veröffentlicht wurde. Geleitet wurde die Studie von Vishal Patel, einem Arzt und Forscher an der Harvard Medical School.

Die Studie kommt kurz gesagt zum Schluss, dass an Tagen, an denen bekannte Musikstars ein neues Album veröffentlichen, 15 Prozent mehr Menschen tödlich mit dem Auto verunfallen.

Mehr Todesfälle am Tag des Album-Releases

Die Studie untersuchte konkret fatale Verkehrsunfälle in den USA in einem Zeitraum von zehn Tagen vor und zehn Tagen nach dem Release. Die Unfallstatistik stützt sich auf das «Fatality Analysis Reporting System» (FARS), eine landesweite Erhebung der National Highway Traffic Safety Administration, sowie den Streamingdaten der Plattform Spotify.

Am Tag, an dem grosse Stars ihr Album veröffentlichten, verzeichnete die Statistik elf mehr Todesfälle als an den Tagen zuvor und danach. Berücksichtigt in der Studie wurden auch Faktoren wie das Alter der Autolenkerin und des Autolenkers, die Anzahl der Insassen sowie das Baujahr des Fahrzeugs.

Die Studie untersuchte dabei die zehn am meisten gestreamten Alben an einem einzelnen Tag aus den Jahren 2017 bis 2022, darunter Alben von Künstlerinnen und Künstlern wie Taylor Swift, Drake, Bad Bunny, Harry Styles, Kendrick Lamar sowie Kanye West.

Überraschend für die Studienautoren war vor allem das Muster hinter der Statistik, wie Patel gegenüber CNN sagt.

«Der Anstieg zeigte sich vor allem bei Fahrern, die allein im Auto sassen; er war bei nüchternen Fahrern stärker ausgeprägt als bei Fahrern, die Alkohol getrunken hatten, und er konzentrierte sich nicht auf die Nachtstunden. Wenn es hier wirklich um Release-Partys und Alkohol ginge, würde man in allen drei Punkten das Gegenteil erwarten.»

Die Studienautoren um Patel räumen aber ein, dass auch immer externe Faktoren zu Unfällen führen können. Zudem sei Spotify nicht die einzige Streamingplattform und repräsentiere nur einen Teil der Bevölkerung. Plus sei «Ablenkung am Steuer» schwer zu untersuchen, so Patel. Denn die meisten Forschungsergebnisse dazu stützen sich auf Selbstaussagen der Autofahrer sowie Fahrsimulationen.

Patel betont denn auch, dass die FARS-Daten zwar die Zahl der Todesopfer bei Autounfällen aufzeigen, jedoch nicht, ob der Fahrer oder die Fahrerin zum Zeitpunkt des Unfalls tatsächlich wegen des Handys abgelenkt war.

Mitautor Dr. Anupam Jena sagt zu CNN: «Wir wissen nicht genau, worin der Mechanismus hier besteht. Liegt es daran, dass die Musik lauter ist? Liegt es daran, dass es ein neues Album ist und die Leute einfach gespannt darauf sind, es zu hören? Liegt es an der Handhabung, also daran, dass man mit dem Handy herumfummelt und versucht, etwas herunterzuladen?»

Die Diskussion um Ablenkung am Steuer

Forschungen zum Thema Unfälle im Zusammenhang mit Ablenkung am Steuer aufgrund von SMS-Schreiben oder Telefonieren gibt es seit Jahren.

Das Ziel der Studie sei gemäss den Autoren darum auch nicht, den Leuten zu sagen, man solle keine Musik im Auto hören. Vielmehr soll aufgezeigt werden, dass diese Tage, an denen neue Alben veröffentlicht werden und es zu mehr Unfällen kommt, «vorhersehbar sind».

Das Resultat soll die Diskussion um die Ablenkung am Steuer mit einer weiteren Erkenntnis erweitern und gemäss Despina Stavrinos, Direktorin am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung der Universität von Alabama, die Frage eruieren:

«Wie wirkt sich die ständige Interaktion mit einem digitalen Ökosystem auf das Fahrverhalten aus?»

Denn selbst etwas, das einfach erscheine – die Auswahl eines Songs zum Beispiel – erfordere gemäss Stavrinos von den Fahrerinnen und Fahrern, eine Entscheidung zu treffen und damit eine Interaktion mit dem Handy, bevor die volle Konzentration wieder der Strasse gelte: «Es geht darum, ob die Technologie mit den Aufmerksamkeitsressourcen konkurriert, die für das sichere Führen des Fahrzeugs erforderlich sind.»

Das Fazit lautet gemäss Christopher Worsham, einem Mitautor der Studie, darum: «Unsere Studie legt nahe, dass das Gefährliche daran das Herumfummeln am Handy oder am Infotainment-System ist, nicht das Zuhören. Das Wechseln der Musik über Touchscreens im Auto, was mittlerweile sehr verbreitet ist, ist etwas anderes als das Drücken einer Taste, ohne den Blick von der Strasse zu nehmen.»

Das könnte dich ebenfalls interessieren:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Handyverbot an Schulen
1 / 16
Handyverbot an Schulen

In einigen Ländern Europas gilt bereits ein mehr oder weniger weitreichendes Handyverbot für Schülerinnen und Schüler. Ein Überblick ...

quelle: keystone / peter schneider
Auf Facebook teilenAuf X teilen
16 Dinge, die die Generation Z (vermutlich) nicht mehr versteht
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Elefanten stellen offenbar ihre eigene Medizin her
Elefanten sind charismatische Tiere. Eine neue Studie liefert nun einen weiteren Grund, warum wir sie faszinierend finden.
Wenn wir krank sind, gehen wir in die Apotheke. Elefanten gehen offenbar in den Wald, um sich zu heilen.
Zur Story