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Und jetzt eine Schätzfrage: Wie hoch wird der Papierstapel, wenn man das Internet ausdruckt? (Und wie viel Holz ginge dafür drauf?)

Und jetzt eine Schätzfrage: Wie hoch wird der Papierstapel, wenn man das Internet ausdruckt? (Und wie viel Holz ginge dafür drauf?)

Zwei englische Studenten haben ausgerechnet, wie viele Bäume sterben müssten, um das gesamte Web auszudrucken. 
30.04.2015, 22:32
adrian lobe

Was, wenn man alle Webseiten ausdrucken würde?

Das ist zugegeben eine hypothetische, aber durchaus interessante Frage, die nun zwei englische Studenten von der Universität Leicester zu beantworten suchten.

Hier schon mal die Schätzfragen. Die Auflösung folgt unten.

Wie hoch wird der Stapel, wenn man das Internet ausdruckt?
Und wie viele Bäume müssten für das Druckerpapier gefällt werden?

In ihrem lesenswerten wissenschaftlichen Beitrag («How Much of the Amazon Would it Take to Print the Internet?») gehen George Harwood und Evangeline Walker der Frage nach, wie viele Bäume man fällen müsste, um das gesamte Internet zu Papier zu bringen. 

Zuerst muss man wissen, wie viele Seiten das Internet hat. Wohlgemerkt: Webseiten sind nicht gleich Druckseiten. Allein die englischsprachige Wikipedia misst nach eigenen Angaben rund 4,7 Millionen Webseiten.

Wenn man davon ausgeht, dass ein Wikipedia-Artikel im Durchschnitt 15 gedruckten DIN A4-Seiten entspricht, käme man beim Ausdrucken auf 70 Milliarden Blatt Papier.

70 Milliarden Blatt. Nur für die englischsprachige Wikipedia.

Zum Vergleich: Die altehrwürdige British Library hat rund sechs Milliarden Buchseiten archiviert.

Das Ergebnis extrapolierten die Nachwuchswissenschaftler auf die gesamte Zahl der Webseiten im Internet. Die Wissenschaftler orientierten sich an den Angaben auf der Website www.worldwidewebsize.com. Dieser zufolge bestand das Internet am Stichtag aus 4,54 Milliarden Seiten.

Heute sind es bereits über 4,7 Milliarden Webseiten.

Ihrer Berechnung legten die Studenten 30 gedruckte Seiten pro Webseite zugrunde, was noch recht konservativ geschätzt ist. Diesen Wert multiplizierten sie mit der Zahl der Webseiten. Ergebnis:

Das Internet würde beim Ausdrucken einen Papierberg von 136 Milliarden A4-Seiten verschlingen. 

Für eine Technologie, die erst seit 20 Jahren existiert, ist das eine erstaunliche Menge. Würde man alle Blätter auf einen Stapel legen, käme man bei einer Dicke von 0,0096 Millimetern pro Blatt auf eine unvorstellbare Höhe. Und zwar 13'357 Kilometer.

Das ist ungefähr 100'000 Mal der Petersdom in Rom.

Das Zentrum der katholischen Kirche.
Das Zentrum der katholischen Kirche.Bild: APA

Oder man könnte 16'132 mal das höchste Gebäude der Welt aufeinander stapeln.

Nächtlicher Blick auf den Burj Khalifa in Dubai.
Nächtlicher Blick auf den Burj Khalifa in Dubai.Bild: AHMED JADALLAH/REUTERS

Wenn man bedenkt, dass nur ein Bruchteil des Internets direkt aufrufbar ist (via URLs) und der Rest verborgen im sogenannten «Dark Web» schlummert, ist die tatsächliche Menge noch viel grösser.  

Papier ist bekanntlich totes Holz. 

Wie viel Bäume bräuchte man, um das alles zu drucken?

Die Nachwuchsforscher nehmen an, dass pro Baum rund 17 Ries Papier erzeugt werden. Ein Ries, eine Masseinheit, besteht vorliegend aus 500 Papierbögen. Pro Baum gewinnt man somit 8500 Blatt Papier. 

Die Baumdichte des Regenwalds im Amazonas liegt bei ca. 71'000 Bäumen pro Quadratkilometer. Die Forscher errechneten, dass man 113 Quadratkilometer Regenwald im Amazonas vernichten bzw. 16 Millionen Bäume fällen müsste, um das gesamte Internet auszudrucken. Zum Vergleich:

In der Schweiz leben knapp 500 Millionen Bäume.

Wollte man auch noch das riesige Dark Web ausdrucken, käme man für das erforderliche Druckerpapier auf eine Waldfläche von 56'500 Quadratkilometern. Das ist grösser als die Schweiz.

Nun kann man die Studie als nutzloses Zahlenspiel abtun. Doch das Rechenexempel verdeutlicht die Informationsdichte, die im Internet auf uns einprasselt. Jeden Tag kommen Tausende neuer Seiten hinzu.

Auch diese Informationen müssen auf ein Speichermedium gebracht werden. Die Serverfarmen von Google, Facebook und Co. rattern unermüdlich und verbrauchen Unmengen an Strom, schätzungsweise zwei Prozent des gesamten weltweiten Energiebedarfs. 

Die Studie schärft hoffentlich das Problembewusstsein:

Nicht jede Information ist es wert, gespeichert zu werden. Und nicht jede Seite muss gedruckt werden.

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