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Zucker: Neue Studie zeigt, was künstliche Süssstoffe im Körper anrichten

Kaugummi mit künstlichem Süssstoff Aspartam
In vielen Lebensmitteln wie Kaugummis sind künstliche Süssstoffe wie Aspartam als Zuckerersatz enthalten. Bild: Shutterstock

Neue Studie zeigt, was künstliche Süssstoffe im Körper anrichten

29.06.2021, 18:4130.06.2021, 08:16

Zucker hat heutzutage keinen guten Ruf, und viele Leute greifen lieber zu künstlich gesüssten Lebensmitteln – sei es, weil sie hoffen, dank der kalorienärmeren Zuckerersatzstoffe abnehmen zu können, sei es, weil sie diese Süssmittel für weniger gesundheitsschädlich als Haushaltszucker halten. Leider dürfte es sich dabei um eine Illusion handeln: Es gibt bisher keine Beweise, dass künstliche Süssstoffe beim Abnehmen effektiv helfen.

Im Gegenteil: Eine Übersichtsstudie im «Canadian Medical Association Journal» legt den Schluss nahe, dass sie langfristig eher zu einer Gewichtszunahme und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken wie Bluthochdruck oder Diabetes Typ 2 führen können.

Beeinflusste Darmbakterien

Ein Forschungsteam der englischen Anglia Ruskin University hat nun nachgewiesen, dass einige der am häufigsten verwendeten künstlichen Süssstoffe – Saccharin, Aspartam und Sucralose – Gesundheitsprobleme verursachen können, indem sie die Bakterienschicht in unserem Darm, die sogenannte Darmflora, beeinflussen.

Struktur von Saccharin, E954. Süssstoff, Süssmittel.
Weiss ist Wasserstoff (H), Schwarz Kohlenstoff (C), Rot Sauerstoff (O), Gelb Schwefel (S) und Blau Stickstoff (N).
Molekulare Struktur von Saccharin (E954): Weiss ist Wasserstoff (H), schwarz Kohlenstoff (C), rot Sauerstoff (O), gelb Schwefel (S) und blau Stickstoff (N).Bild: Shutterstock

Die Biomedizinerin und Studienleiterin Havovi Chichger erklärte, die Studie, die im «International Journal of Molecular Sciences» erschienen ist, habe erstmals gezeigt, dass diese Süssmittel zwei Typen von Darmbakterien – Escherichia coli und Enterococcus faecalis – dazu bringen können, sich gesundheitsschädlich zu verhalten. Bei den pathogenen Veränderungen in der Darmflora handle es sich zum einen um eine stärkere Bildung von Biofilmen und zum anderen um eine erhöhte Adhäsion und Invasion von Bakterien in menschliche Darmzellen.

Biofilme

Alle drei Süssstoffe führten dazu, dass sich verstärkt Biofilme bildeten. Dies sind Schleimschichten, die von Mikroorganismen gebildet werden, die selbst in diese Schleimschicht eingebettet sind. Da diese Biofilme die darin eingebetteten Bakterien vor dem Immunsystem schützen und unempfindlicher gegen Antibiotika machen, stellen sie ein gesundheitliches Problem dar.

Darstellung von antibiotikaresistenten Bakterien in einem Biofilm
Darstellung von antibiotikaresistenten Bakterien in einem Biofilm. Bild: Shutterstock

Invasion der Darmwand

Sucralose und Aspartam brachten die Darm-Bakterien zudem dazu, sich an bestimmte Zellen anzuheften, die die Darmwand auskleiden. Die Mikroorganismen infiltrierten dann diese Zellen und töteten sie ab. Dadurch konnte beispielsweise E. faecalis in die Lymphknoten und in Leber und Milz vordringen und sich dort ansammeln, was zu Infektionen und selbst zu einer Sepsis (umgangssprachlich «Blutvergiftung») führen kann.

Struktur von Sucralose, Süssmittel, Süssstoff.
Weiss ist Wasserstoff (H), schwarz ist Kohlenstoff (C), rot ist Sauerstoff (O) und grün Chlor (Cl).
Molekulare Struktur von Sucralose (E955): Weiss ist Wasserstoff (H), schwarz Kohlenstoff (C), rot Sauerstoff (O) und grün Chlor (Cl).Bild: Shutterstock

Bereits die Menge an Süssstoffen, die in zwei Dosen von künstlich gesüssten Soft Drinks vorhanden ist, kann laut der Studie zu einer Veränderung der Darmflora führen. Die Wissenschaftler unterstreichen, dass wir vieles über diese Süssmittel, die zahlreichen Lebensmitteln zugesetzt werden, noch nicht verstehen. Weitere Forschung sei hier dringend erforderlich. (dhr)

Dosen mit Diät-Pepsi und Diät-Cola
Bereits in zwei Dosen von künstlich gesüssten Getränken sind genug Süssstoffe enthalten, um die Darmflora verändern zu können. Bild: Shutterstock

In gewissen Lebensmitteln steckt mehr Zucker als du denkst

Video: srf/Roberto Krone
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