Studie zeigt: Auch Katzen können schüchtern sein
Schüchternheit wird bei Menschen mit Zurückhaltung, Angst und der Vermeidung sozialer Situationen in Verbindung gebracht. Bei kleinen Kindern ist Schüchternheit oft widersprüchlich. Sie möchten sich zwar oft der unbekannten Person nähern, fühlen sich dabei aber zu ängstlich.
In Studien zur Persönlichkeit von Tieren wird häufig nicht zwischen Schüchternheit und Angst unterschieden. Es war daher unklar, ob diese «kindliche» Schüchternheit auch bei Tieren vorkommt. Die im Fachmagazin PLOS ONE veröffentlichte Studie eines Forschungsteams um die Biowissenschaftlerin Madoka Hattori von der Universität Kyoto zeigt nun, dass manche Katzen ein erstaunlich ähnliches Verhaltensmuster aufweisen.
Das Team untersuchte 310 Hauskatzen hinsichtlich ihres Angst- und Annäherungsverhaltens. Die Katzenbesitzer füllten einen Fragebogen aus, dessen Fragen aus einem anderen Fragebogen übernommen wurden, der zur Beurteilung der Persönlichkeit von Säuglingen verwendet wird. Die Katzen wurden hinsichtlich ihrer Schüchternheit, ihrer Ängstlichkeit und ihrer Neigung, sich unbekannten Menschen oder Spielzeugen zu nähern, bewertet. Anhand der Auswertung der Antworten kristallisierten sich vier Persönlichkeitstypen heraus:
- Sehr kontaktfreudig: geht gerne auf Menschen zu und ist nicht besonders ängstlich.
- Kontaktfreudig: recht freundlich und nur ein wenig ängstlich.
- Ängstlich: nervös und geht eher nicht auf neue Dinge zu.
- Schüchtern: gleichzeitig ängstlich und neugierig.
Die (sehr) kontaktfreudigen Katzen wiesen einen niedrigen Angstwert und ein durchschnittliches bis hohes Annäherungsverhalten auf. Bei ängstlichen Katzen war es umgekehrt: Sie wiesen einen hohen Angstwert und ein geringes Annäherungsverhalten auf. Hohe Werte bei sowohl der Schüchternheit als auch bei der Annäherung erzielte die letzte Gruppe, jene der schüchternen Katzen. Das Verhalten dieser vierten Gruppe ähnelt gemäss den Studienautoren am ehesten jener Art von Schüchternheit, die häufig bei Kindern zu beobachten ist.
Diese «menschliche» Schüchternheit wurde häufiger bei männlichen Katzen beobachtet und bei solchen, die als Streuner geboren wurden.
In vielen Fällen hängt Schüchternheit bei einer Katze also mit Angst zusammen. Es gibt aber auch einen Teil der Katzen, der sowohl ängstlich als auch neugierig ist. Dies zeigt, dass auch nichtmenschliche Tiere komplexe Persönlichkeiten haben können. Ein besseres Verständnis der Persönlichkeitsmerkmale von Katzen könnte Katzenbesitzern und auch Tierheimen helfen, besser auf die Bedürfnisse von Katzen einzugehen.
Das Forschungsteam fügt hinzu, die Studie zeige, dass Schüchternheit bei Katzen komplexer ist als nur die Angst vor Menschen. «Anstatt Katzen als schüchtern oder freundlich einzustufen, hoffen wir, dass unsere Forschung Katzenbesitzer dazu ermutigt, das Verhalten jeder einzelnen Katze genauer zu beobachten und besser zu verstehen.» (dhr)
