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Katzen sind weniger hilfsbereit als Hunde, sagt eine Studie

Griesgrämige Katze
Bild: Shutterstock

Wenn du Hilfe brauchst – frag nicht deine Katze

Forscher haben ein Experiment mit Katzen, Hunden und Kleinkindern durchgeführt, das deren Hilfsbereitschaft testen sollte. Für Katzenfreunde ist das Ergebnis erschütternd.
28.08.2026, 21:3528.08.2026, 21:35

Katzen und Hunde sind oft nicht sonderlich gut aufeinander zu sprechen, doch eigentlich sind sie entfernte Verwandte: Beide gehören zur Ordnung der Carnivora; ihr letzter gemeinsamer Vorfahre, der vor etwa 55 Millionen Jahren im Eozän lebte, könnte ein kleiner Baumbewohner namens Dormaalocyon latouri gewesen sein.

Reconstruction of Dormaalocyon latouri.
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=101754663
Gemeinsamer Vorfahr von Katz' und Hund: Dormaalocyon latouri. Bild: Wikimedia/Charlène Letenneur (MNHN) and Pascale Golinvaux (RBINS)

Seither ist viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen, und aus dem urtümlichen Baumbewohner haben sich die Caniformia (Hundeartigen) und Feliformia (Katzenartigen) entwickelt. Die Unterordnung der Hundeartigen umfasst neben der Familie der Hunde (Canidae) unter anderem auch Bären, Marder und Robben, während neben den Katzen (Felidae) auch Hyänen, Mangusten und weitere Familien zu den Katzenartigen gehören.

Früh domestizierte Hunde

Sowohl Hunde wie Katzen sind vom Menschen domestiziert worden – die Hunde allerdings wesentlich früher, vielleicht sogar schon vor maximal 100'000 Jahren. Katzen wurden hingegen erst vor etwa 10'000 Jahren im Fruchtbaren Halbmond domestiziert. Hunde sind überdies – genau wie ihre Vorfahren, die Wölfe – überaus soziale Tiere. Sie sind allerdings sozial flexibel und bilden anders als Wölfe kein Rudel, sondern sind meist eng an den Menschen gebunden. Auch Hauskatzen sind sozial, wenn auch weniger ausgeprägt als Hunde: Sie sind keine strikten Einzelgänger; sie können zwar allein leben, schätzen aber in aller Regel soziale Bindungen zu Artgenossen und Menschen.

Obwohl also sowohl Hunde als auch Katzen soziale Tiere sind, gibt es doch klare Unterschiede. Menschen trainieren Hunde für vielfältige Aufgaben, Katzen dagegen kaum. Könnte es daran liegen, dass Katzen weniger hilfsbereit sind? Um dies herauszufinden, haben Forscher der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest ein Experiment durchgeführt, in dem sie Katzen, untrainierte Hunde und Kleinkinder im Alter von 16 bis 24 Monaten gegeneinander antreten liessen.

Wie hilfsbereit sind Katzen und Hunde?

Die Untersuchung, deren Ergebnisse im Fachmagazin Animal Behaviour erschienen sind, wurde jeweils zu Hause in einer vertrauten Umgebung durchgeführt. Ihr Ziel war, herauszufinden, wie die drei Arten reagieren, wenn eine ihnen vertraute Bezugsperson nach einem Gegenstand sucht, nämlich ob und in welchem Masse sie spontanes prosoziales Verhalten – also Handlungen, die anderen zugute kommen – ohne direkte Belohnung zeigen.

Das Experiment bestand aus einem einfachen, natürlichen Szenario: Der Hunde- oder Katzenbesitzer beziehungsweise ein Elternteil suchte nach einem Gegenstand, der in Sichtweite des Hundes, der Katze oder des Kindes versteckt worden war. Wichtig war dabei jedoch, dass die Bezugsperson nicht direkt um Hilfe bat, sondern ihre Suche pantomimisch zeigte und beispielsweise zu sich selber sagte: «Oh nein, ich kann es nicht finden! Was soll ich jetzt tun?»

Das Forschungsteam beobachtete, ob das Testtier oder Testkind spontan auf den Ort hinwies, an dem sich der Gegenstand befand – etwa, indem es zwischen dem Gegenstand und der suchenden Bezugsperson hin und her schaute, sich ihm näherte oder ihn gar zur Bezugsperson brachte.

Die Verhaltensforscherin Melitta Csepregi, die an der Studie beteiligt war, sagte in einer Mitteilung der Eötvös-Loránd-Universität: «Es war bereits bekannt, dass Kinder in diesem Alter anderen helfen. Die Tatsache, dass sie ähnliche Ergebnisse zeigten, wie sie in früheren Studien berichtet wurden, bestätigte, dass unsere Methode und der Versuchsaufbau für die Messung prosozialen Verhaltens geeignet waren.»

Melitta Csepregi, Master of SciencePhD candidate at Eötvös Loránd University
Melitta Csepregi, Co-Autorin der Studie. Bild: researchgate.net

Hunde und Menschen zeigen ähnliches Verhalten

«Interessanterweise zeigten die meisten Hunde und Kinder ähnliche Verhaltensmuster», stellte Csepregi fest. «Sie liessen sich bereitwillig auf die Situation ein, und mehr als 75 Prozent von ihnen wiesen entweder auf den Gegenstand hin oder holten ihn, was auf eine starke Hilfsbereitschaft hindeutet – obwohl sie nicht trainiert waren, keine Belohnung erhielten und der versteckte Gegenstand, ein Spülschwamm, für sie irrelevant war.»

Anders war hingegen das Verhalten der Katzen: Sie verfolgten die Situation zwar aufmerksam, «halfen» jedoch nur selten. Dies änderte sich nur im Kontrollversuch, wenn es sich beim gesuchten Gegenstand um etwas handelte, an dem sie speziell interessiert waren, etwa ihr Lieblingsleckerli oder -spielzeug. Und selbst dann näherten sich nur 40 Prozent der Katzen dem Gegenstand oder schauten in dessen Richtung.

Katzen sind nicht «gemein»

«Dies deutet darauf hin, dass Domestizierung, das Zusammenleben in einem gemeinsamen Zuhause und das Knüpfen enger Bindungen nicht ausreichen, um spontanes, menschenähnliches Hilfsverhalten hervorzurufen», erklärte Márta Gácsi, leitende Autorin der Studie. Die Antwort, so vermuten die Forscher, ist tiefer in der Evolutionsgeschichte zu finden. Hunde stammen von sehr sozialen Vorfahren ab und wurden durch den jahrtausendelangen Umgang mit Menschen geprägt, während Katzen von weniger sozialen Vorfahren abstammen und sich gewissermassen «selbst domestiziert» haben, indem sie die Nähe von menschlichen Gemeinschaften suchten. Im Gegensatz zu Hunden wurden sie nie darauf selektiert, mit Menschen zusammenzuarbeiten.

Aus den Ergebnissen der Studie sollte man freilich nicht vorschnell schliessen, dass Katzen «gemein» seien, warnen die Forscher. Vielmehr entscheiden sich Katzen – wenn kein triftiger Grund vorliegt, sich einzumischen – möglicherweise dafür, zuzusehen, anstatt zu handeln. Dies widerspiegelt ihre grössere Unabhängigkeit und ihre geringere Abhängigkeit vom Menschen im Vergleich zu Hunden. (dhr)

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