So warm wie noch nie: Ozeantemperaturen seit rund 50 Tagen auf Rekordhoch
Die Oberflächentemperatur der Weltmeere liegt seit rund 50 Tagen auf dem höchsten jemals für diese Jahreszeit gemessenen Niveau. Das zeigen Auswertungen der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOAA) sowie des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus.
So lagen die täglichen durchschnittlichen gemessenen Oberflächentemperaturen zwischen 60 Grad Nord und 60 Grad Süd im bisherigen Jahresverlauf ungefähr ein halbes Grad über dem langjährigen Mittel von 1991 bis 2020. Seit Anfang Juni 2026 übertreffen die Oberflächentemperaturen zudem die bisherigen Rekordtemperaturen von 2023 und 2024.
Demnach erreichte die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur am 30. Juni 2026 einen neuen Monatsrekord von 20,99 Grad Celsius und übertraf damit den bisherigen Rekord von 20,95 Grad Celsius aus dem Jahr 2024. Auch für den Juli wurde der bisherige Monatsrekord von 21,03 Grad aus dem Jahr 2023 bereits gebrochen. Laut vorläufigen Daten liegt der neue Rekord bei 21,11 Grad Celsius und wurde am 21. Juli aufgestellt. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel von 1991 bis 2020 liegt die durchschnittliche Oberflächentemperatur für den 21. Juli bei 20,35 Grad Celsius.
Die neuesten NOAA-Daten seit dem 9. Juli gelten zunächst als vorläufig und können nachträglich noch leicht angepasst werden. Auch Copernicus bestätigt den grundsätzlichen Befund in seinem eigenen Datensatz: Im Juni erreichte die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur zwischen 60 Grad Nord und 60 Grad Süd mit 21 Grad Celsius ebenfalls einen neuen Monatsrekord.
Warum ist das Meer so warm?
Laut des Weltklimarats IPCC ist die menschengemachte Erderwärmung die langfristige Grundlage der steigenden Ozeantemperaturen. Die Weltmeere haben demnach seit 1970 mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Wärme aufgenommen, die durch den verstärkten Treibhauseffekt im Klimasystem gespeichert wird. Dadurch steigt das allgemeine Temperaturniveau, auf dem natürliche Schwankungen stattfinden.
Zusätzlich beeinflusst El Niño derzeit die Meeresoberflächentemperaturen. Das natürliche Klimaphänomen tritt unregelmässig etwa alle zwei bis sieben Jahre auf und kann die globale Durchschnittstemperatur vorübergehend erhöhen. Dabei schwächen sich die Passatwinde über dem tropischen Pazifik ab, sodass sich warmes Oberflächenwasser weiter nach Osten ausbreitet und weniger kaltes Tiefenwasser aufsteigt.
El Niño und La Niña
Das El-Niño-Phänomen ist quasi das Gegenstück zu La Niña. Beide beschreiben, vereinfacht gesagt, eine globale Klima-Ausprägung, die sich an gewissen Orten wesentlich auf das Wettergeschehen auswirken kann. Während El Niño ist das Wasser im östlichen tropischen Pazifik wärmer und das Wasser im westlichen tropischen Pazifik kühler als normalerweise. Ausserdem verändern sich dabei die grossflächigen Luftdruckverhältnisse und als Folge schwächen sich die Passatwinde ab. Die Folgen davon: Es kommt zu mehr Niederschlag als gewöhnlich im Westen Südamerikas, teils bis hinauf in die USA – und weniger Niederschlag, Trockenheit und Hitze in Süd- und Ostasien sowie in Australien.
Von El Niño spricht man konkret, wenn das Oberflächenwasser im zentralen Pazifik für drei aufeinanderfolgende Monate im Durchschnitt 0,5 Grad über dem langjährigen Mittel liegt. El Niño tritt in unregelmässigen Abständen von zwei bis sieben Jahren oder, je nach Definition, von durchschnittlich vier Jahren auf. Wie und warum genau das Ereignis zustande kommt, ist noch immer unklar.
Die Weltorganisation für Meteorologie rechnet zudem damit, dass sich das 2026 begonnene El-Niño-Ereignis weiter verstärkt. Nach Angaben der NOAA besteht derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 81 Prozent, dass El Niño zwischen Oktober und Dezember die Kategorie «sehr stark» erreicht.
El Niño ist jedoch nicht der alleinige Grund für die hohen Meerestemperaturen. Laut Forschenden beeinflussen auch regionale Windverhältnisse, Wolken und Meeresströmungen, wo besonders starke marine Hitzewellen entstehen.
Welche Folgen drohen?
Die Auswirkungen der Ozeanerwärmung sind inzwischen gut dokumentiert und vielfältig. Zu ihnen zählen:
- Verlust an Korallen und anderen Meereslebewesen: Marine Hitzewellen setzen Korallenriffe und andere Ökosysteme in den Weltmeeren unter starken Stress. Sie können Korallenbleichen auslösen, Lebensräume verändern und marine Nahrungsketten beeinträchtigen. Wärmeres Wasser kann zudem weniger Sauerstoff aufnehmen, während eine stärkere Schichtung der Meere die Versorgung tieferer Wasserschichten mit Sauerstoff erschwert.
- Stärkere Wirbelstürme und mehr Regen: Durch höhere Temperaturen verdunstet mehr Wasser. Dadurch steht der Atmosphäre mehr Feuchtigkeit zur Verfügung, was intensive Regenfälle begünstigen kann. Warmes Oberflächenwasser liefert zudem tropischen Wirbelstürmen Energie. Laut Weltklimarat können deshalb ihre durchschnittliche Stärke und die damit verbundenen Niederschläge zunehmen. Dafür müssen jedoch auch die übrigen atmosphärischen Bedingungen stimmen.
- Schwächere CO2-Aufnahme: Der Weltklimarat hält fest, dass die Ozeane rund ein Viertel der menschengemachten CO2-Emissionen aufgenommen haben. Wärmeres Wasser kann weniger CO2 lösen. Nehmen die Ozeane künftig weniger CO2 auf, verbleibt ein grösserer Anteil in der Atmosphäre. Dadurch würde sich der Treibhauseffekt verstärken und sowohl die Luft als auch die Ozeane weiter erwärmen.
- Steigender Meeresspiegel: Erwärmtes Meerwasser dehnt sich aus und benötigt mehr Raum. Laut Weltklimarat trägt diese thermische Ausdehnung zusammen mit dem Abschmelzen von Gletschern und Eisschilden zum weltweiten Anstieg des Meeresspiegels bei. Dadurch nehmen auch die Risiken für Küstenregionen zu.
(ear)
