Kosmische Schönheit: Der Rosettennebel in seiner ganzen Pracht
Der Rosettennebel ist eine riesige Gas- und Staubwolke, die sich in rund 5000 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Einhorn (Monoceros) befindet und mit ihrer symmetrischen Form tatsächlich an eine blühende Rose erinnert. Es handelt sich um einen diffusen Emissionsnebel, in dessen Zentrum ein offener Sternhaufen (NGC 2244) leuchtet. Die Ultraviolettstrahlung dieser Sterne regt die Gase des Nebels in Rot-, Gold- und Violetttönen zum Leuchten an.
Die bisher schärfste Aufnahme des Rosettennebels wurde im Oktober 2024 mit der vom US-Energieministerium entwickelten 570-Megapixel-Kamera Dark Energy Camera (DECam) des amerikanischen National Optical-Infrared Astronomy Research Laboratory (NOIRLab) aufgenommen. Die DECam ist am 4-Meter-Teleskop «Víctor M. Blanco» am Cerro Tololo Inter-American Observatory montiert. Das Foto zeigt den Nebel in einer Farbenpracht, die von tiefem Rot und Gold bis hin zu leuchtendem Violett und Blau reicht.
Der Sternhaufen im Zentrum des Rosettennebels ist mit einem Alter von wenigen Millionen Jahren noch jung, in kosmischen Massstäben gemessen. Die intensive ultraviolette Strahlung und die starken Sternwinde dieser massereichen Sterne haben das Herz des Rosettennebels von Staub und Gas befreit.
Farben spiegeln physikalische Vorgänge wider
Die Farben des Nebels sind kein Zufall, sondern spiegeln die physikalischen Vorgänge wider, die sich dort abspielen. So sind die ausgedehnten roten und rosafarbenen Wolken von Wasserstoffgas dominiert, das sich erwärmt und aufleuchtet – ein Phänomen, das als H-Alpha-Emission bezeichnet wird. Näher zum Zentrum hin nimmt die Strahlung jedoch an Intensität zu; dort wird das Gas so heiss, dass schwerere Elemente wie Sauerstoff zu glühen beginnen, was zu den goldenen und gelben Farbtönen führt. Im Herzen des Nebels, um die heissesten Sterne herum, ist hellblaues Licht zu sehen, das von ionisiertem Silizium stammt.
Um das bis auf den Sternhaufen leere Zentrum herum sind zudem dunkle, staubige Säulen zu sehen, die als «Elefantenrüssel» bezeichnet werden. Eine dieser Strukturen, der auffällige «Schraubenschlüssel-Rüssel» («Wrench Trunk»), weist eine ungewöhnliche Spiralform auf, die dem Magnetfeld des Nebels zu folgen scheint. Überdies sind Hunderte kleine, dunkle Staubkügelchen über den Nebel verteilt, sogenannte Globuletten. Sie sind nicht grösser als einige Mehrfache der Jupitermasse; sie könnten möglicherweise Braune Zwerge oder sogar Planeten beherbergen.
Dieselben massereichen Sterne, die den Nebel gebildet haben und ihn zum Leuchten bringen, werden übrigens auch sein Ende bedeuten: In etwa zehn Millionen Jahren wird die starke Strahlung des Sternhaufens NGC 2244 das Gas des Nebels vollständig zerstreut haben, sodass nur noch die Sterne übrig bleiben. (dhr)
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