Wissen
Forschung

Grösstes Schwert der Welt in Japan entdeckt

Dako Sword, Tomio Maruyama Kofun
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/87/Tomio_Maruyama_Kofun%2C_Funkyu_The_Sixth_Survey_F.jpg/1280px-Tomio_Maruyama_Kofun%2C_Funkyu_The_Sixth_Survey_ ...
Das Schwert ist mit 2,37 Metern Länge mehr als doppelt so gross wie das zweitgrösste Dakō-Schwert. Bild: Wikimedia

Sensationsfund in Japan: Grösstes Schwert der Welt entdeckt

20.02.2023, 19:5221.02.2023, 16:02

In einer alten Grabanlage nahe bei der südwestjapanischen Stadt Nara haben Archäologen Ende November des vergangenen Jahres ein Schwert und einen Bronzespiegel gefunden. Der Fund ist aufsehenerregend, weil das Eisenschwert mit einer Länge von 2,37 Metern und 6 Zentimetern Breite das grösste seiner Art ist, das jemals entdeckt wurde.

Video: watson

Die aus dem 4. Jahrhundert stammenden Artefakte wurden in der rund 1600 Jahre alten Grabstätte Tomio Maruyama gefunden, wie die Bildungsbehörde der Stadt Nara und das archäologische Institut der Präfektur Nara am 25. Januar mitteilten. Diese Grabstätte ist mit einer Höhe von zehn Metern und einem Durchmesser von 109 Metern der grösste kreisförmige Grabhügel in Japan. Nara, das für seine gut erhaltenen, grossen Tempelanlagen bekannt ist, war von 710 bis 784 unter dem Namen Heijō-kyō die Hauptstadt Japans.

Tomio Maruyama Grabhügel und Ausgrabungsstätte bei Nara
Die Ausgrabungsstätte Tomio Maruyama.Bild: Archaeological Institute of Kashihara

Wie Riku Murase, ein Archäologe des Nara Archaeological Research Centers, dem Wissenschaftsportal Live Science sagte, ist das Schwert doppelt so gross wie jedes andere bisher in Japan gefundene Schwert. Die schwer verrostete Waffe ist so lang, dass die Wissenschaftler zuerst dachten, sie hätten mehrere hintereinander abgelegte Schwerter gefunden, wie die Nachrichtenagentur Kyodo News berichtet.

Dakō-Schwert in situ
Das schwer verrostete Schwert in der Grabkammer.Bild: Archaeological Institute of Kashihara

Es handelt sich um ein sogenanntes Dakō-Schwert. Diese in ganz Japan verbreiteten Waffen zeichnen sich durch eine wellige und gebogene Klinge aus. Der Archäologe Stefan Maeder, ein Experte für japanische Schwerter und deren Herstellung, erklärte «Live Science», die Dakō-Schwerter hätten zeremoniellen Charakter gehabt; es habe sich um prestigeträchtige Objekte gehandelt. Ihre Form stelle möglicherweise eine Schlange oder einen Drachen dar; dies dürfte wohl dazu gedient haben, die magische Kraft der Waffe zu verstärken. Ihre Effektivität als Waffe sei dadurch allerdings nicht verbessert worden. Laut Murase dienten diese grossen Schwerter als Grabbeilage dazu, böse Geister von den Bestatteten abzuwehren.

Dakō-Schwert, Röntgenaufnahme
Röntgenaufnahme des Dakō-Schwerts.Bild: Archaeological Institute of Kashihara

Das in Tomio Maruyama entdeckte Schwert ist das älteste der 85 bisher in Japan gefundenen Dakō-Schwerter. Es wurde an sechs Stellen gebogen, um den charakteristischen Welleneffekt zu erzeugen. Seine aussergewöhnliche Grösse und die Form zeugen von den fortschrittlichen Eisenverarbeitungstechniken der Kofun-Zeit (etwa 300–710). «Diese Funde legen nahe, dass die Technologie der Kofun-Periode weit über das hinausgeht, was wir uns vorgestellt haben. Es handelt sich um Meisterwerke aus Metall aus dieser Zeit», schwärmte Kosaku Okabayashi, stellvertretender Direktor des Archäologischen Instituts der Präfektur Nara, gegenüber der Nachrichtenagentur «Kyodo».

Tomio Maruyma Grabhügel und Ausgrabungsstätte
Die Grabstätte von Tomio Maruyama ist der grösste kreisförmige Grabhügel in Japan. Die Ausgrabungen begannen 2018. Bild: Archaeological Institute of Kashihara

In Japan gibt es schätzungsweise 160'000 Grabhügel aus der Kofun-Zeit. Der grosse Grabhügel von Tomio Maruyama dürfte nach Ansicht der Archäologen die Grabstätte einer bedeutenden Person gewesen sein, die zu den Unterstützern der damaligen Herrscher gehörte, der kaiserlichen Yamato-Familie. In der Ausgrabungsstätte wurde ein Sarg entdeckt, aber bisher noch keine menschlichen Überreste.

Der mit dem Schwert gefundene Bronzespiegel ist wie ein Schild geformt. Mit seiner Grösse – er ist 60 Zentimeter hoch, 30 Zentimeter breit und wiegt mehr als 12 Pfund – ist er ebenfalls der grösste seiner Art, der in Japan je entdeckt worden ist. Auch er wurde wahrscheinlich zur Abwehr böser Geister angefertigt.

Bronze-Spiegel aus Nara, Japan
Der Bronzespiegel in Form eines Schildes ist der grösste in Japan gefundene seiner Art. Bild: Archaeological Institute of Kashihara
Röntgenbild des Bronze-Spiegels aus Nara
Röntgenaufnahme des rund 12 Pfund schweren Bronzespiegels. Bild: Archaeological Institute of Kashihara
Video: watson

(dhr)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Germanen-Gemetzel in Jütland
1 / 10
Germanen-Gemetzel in Jütland
Hinweis auf ein grausames Ritual? Vier Beckenknochen von toten germanischen Kriegern wurden vor rund 2000 Jahren auf einen Pfahl gesteckt. (bild: ejvind hertz/skanderborg museum)
quelle: ejvind hertz, skanderborg museum
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Forscher entdecken ältestes intaktes Schiffswrack
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Vollmond im Oktober folgt kurz auf die Zeitumstellung
Der nächste Vollmond tritt kurz nach der Zeitumstellung auf: am Montag, 26. Oktober 2026 um 5.11 Uhr (MESZ). Für Halloween kommt er dieses Jahr zu früh.
Leuchtende Kürbisse, dunkle Wolken und ein riesiger Vollmond am Himmel – so stellen wir uns die perfekte Halloween-Nacht vor. Doch dieses Jahr klappt das nicht ganz: Der Vollmond im Oktober verpasst das Gruselfest knapp. Er tritt bereits am 26. Oktober auf – also fünf Tage zu früh.
Zur Story