Ube – neuer Getränkehype führt zu vielen Problemen
Schon Goethe wusste: «Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum.»
Grün als Symbol des Lebendigen und Wertvollen. Heute ist daraus ein Produkt geworden: Matcha. Das grüne Pulver aus Japan hat sich von einem traditionellen Zeremoniegetränk zu einem globalen Lifestyle-Produkt entwickelt. Ein Matcha Latte (etwas Matcha-Pulver vermischt mit Milch) kostet in vielen Cafés um die zehn Franken.
Doch nun bekommt das beliebte Getränk Konkurrenz – von der Farbe des Feminismus: Lila. Alles über die Farbe der Stunde:
Ube, das neue Trendgetränk
Woher kommt jetzt das wieder?
Ube ist eine violette Yamswurzel. Sie stammt aus den Philippinen und ist dort ein traditionelles Grundnahrungsmittel. Der Geschmack ist mild süsslich, leicht nussig und erinnert an Vanille. Auf den Philippinen wird sie deshalb oft zu Ube Halaya verarbeitet – einer Marmelade, die als Basis für zahlreiche Desserts dient. Die Masse ähnelt Acai aus Brasilien.
Über die philippinische Diaspora gelangte die lila Wurzel in Grossstädte wie Los Angeles, New York, Sydney und Melbourne. Längst hat Ube auch den Atlantik überquert und ist hierzulande vor allem von der Café-Kultur aufgegriffen worden – obwohl Ube kein Koffein enthält.
Oft wird Ube aber auch als Schaum auf dem Kaffee serviert. Selbst Ube-Matcha-Latte ist bereits zu finden. Das Auge trinkt schliesslich mit.
Auch beim Essen zeigt sich der Trend: Anfang des Jahres hat Coop ein Ube-Müesli auf den Markt gebracht. Weitere Produkte sind derzeit aber nicht geplant. Die Migros sieht Ube weiterhin als Nischenprodukt, wie SRF berichtet hat.
Kaffeealternative
Auch aus gesundheitlicher Sicht bietet Ube nicht besonders viel, ausser Kohlenhydraten, etwas Ballaststoffen und Antioxidantien. In Kombination mit Milch und zusätzlichem Zucker kann das Getränk schnell zur Kalorienbombe werden.
Den eigentlichen Mehrwert liefert die Farbe, die sich in den sozialen Medien besonders gut vermarkten lässt.
Die Welt will immer mehr Ube
Und wie bei so vielen Social-Media-Trends wächst auch bei Ube die Nachfrage schneller als die Produktions- und Lieferstrukturen in den Philippinen. Das Land exportiert in verschiedenen Formen – frisch, gefroren, als Pulver oder als Paste.
Mittlerweile wird Ube auch in anderen südostasiatischen Ländern wie Vietnam und China angebaut. Die Pflanze reagiert empfindlich auf Wettereinflüsse und wächst vergleichsweise langsam: Bis zur Ernte vergehen bis zu elf Monate. Vielerorts wird Ube in kleinbäuerlichen Strukturen kultiviert.
2024 betrug der globale Marktwert gemäss Marktforschungsfirma Transparency Market Research 455 Millionen US-Dollar. Bis 2035 könnte er auf 944 Millionen Dollar steigen, was einem jährlichen Wachstum von knapp sieben Prozent entspricht.
Philippinen decken Inlandsnachfrage nicht mehr
Die Preise haben sich seit 2019 mehr als verdoppelt. Das wirkt auf den ersten Blick zwar positiv für die philippinischen Produzenten, hat aber auch eine Kehrseite: Der hohe Marktpreis führt dazu, dass viele Bauern ihre gesamte Ernte verkaufen und kein Pflanzmaterial für die nächste Saison zurückbehalten. Der Rückgang der lokalen Produktion ist so gravierend, dass die Philippinen Ube aus Vietnam importieren, um die Inlandsnachfrage zu decken.
Und die hohe Nachfrage führt auch zu vielen Fälschungen: Es gibt Berichte, dass violette Süsskartoffeln als Ube verkauft werden. Zudem werden häufig künstliche Farbstoffe verwendet.
Wer einfach nur etwas Farbe im Getränk will, findet in Randen hierzulande die nachhaltigere Option.
