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6 Berufe, die den Wandel der Zeit nicht überlebt haben



Die Welt ist im Wandel und mit ihr auch die Berufe. Immer wieder liest man von der Angst, dass Maschinen ganze Berufszweige überflüssig machen. Doch auch wenn es scheint, dass Berufe heutzutage so schnell verschwinden, wie noch nie, ist es nicht eine neuzeitliche Entwicklung.

Auch verschwinden Berufe nicht immer tatsächlich. Manchmal gehen sie auch einfach in einer angepassten Stellenbezeichnung auf, denn auch Berufe entwickeln sich weiter. Dennoch gibt es Tätigkeiten, die verschwinden, weil sie mit neuen Technologien oder Billigproduktionen nicht Schritt halten können, oder weil sich schlicht die Interessen der Gesellschaft verändern. Hier ist eine kleine Auswahl, quer durch die Weltgeschichte.

Schriftsetzer

Als Johannes Gutenberg um 1445 herum den Buchdruck in Europa revolutionierte, begründete er damit einen Berufszweig, der erst rund 500 Jahre später aussterben sollte. Noch in den 1960er-Jahren war Schriftsetzer ein angesehener Beruf, mit welchem sich viel Geld verdienen liess. Doch schon Mitte der 70er Jahre war der klassische Schriftsetzer eine aussterbende Berufsgattung. Gedruckt wurde nicht mehr im Buchdruckverfahren sondern im Offsett-Verfahren. Wer sich nicht anpassen konnte, war schon bald arbeitslos.

Doch auch wenn der Beruf des Schriftsetzers aus den Karteien der Berufsberatungen verschwunden ist, ist er noch nicht ganz ausgestorben. Retro ist in und so findet man auch noch heute Kurse und kleine Werkstätten, die sich mit dem klassischen Buchdruck beschäftigen.

Eismann

Brechen von Eis und Transport an einem See in Österreich.

https://de.wikipedia.org/wiki/Eiskeller#/media/File:Eisschlagen.JPG

Brechen von Eis und Transport an einem See in Österreich im Jahr 1899. bild: wikipedia

Bevor der Begriff «Eismann» im deutschsprachigen Raum ein Synonym für Glacéverkäufer wurde, hatte er eine ganz andere Bedeutung. Die Aufgabe des Eismannes war es nicht etwa, gefrorene Süssspeisen an schreiende Kinder zu verkaufen, sondern gefrorenes Wasser an Firmen und Bevölkerung zu liefern.

Zentralbild Zimontkowski 6.7.1957 Berlin bei 30° im Schatten Sehnsüchtig wird in diesen Tagen in vielen Haushalten und Geschäften der

Ein Eismann in Berlin, 1957. bild: wikimedia commons

Der Eismann lieferte also Eisblöcke, denn vor der Erfindung des Kühlschranks gab es keine Alternative, seine Lebensmittel zu kühlen. Mindestens einmal pro Woche wollten die Kühlkisten und Eisschränke wieder mit frischem Eis versorgt werden. Dieses stammte anfangs aus der Natur und wurde in sogenannten Eiskellern zwischengelagert. Obwohl später auch Eis aus industrieller Herstellung gewonnen werden konnte, blieb eines immer unabdinglich: Geschwindigkeit beim Transport. Noch bis in die 1960er Jahre wurden Eismänner gebraucht, bevor sie nach und nach von Maschinen ersetzt wurden: Den Kühlschränken.

Schirmmacher

Schirmmacher

https://www.youtube.com/watch?v=pTtrNRfV6M8

Ein Schirmmacher bei der Arbeit. bild: youtube/joachim thommes

Der Schirmmacher ist einer der ältesten Berufe der Welt. Es gibt Aufzeichnungen, dass bereits im alten Ägypten Sonnenschirme verwendet wurden und auch die Adelshäuser des 17. Jahrhunderts haben Sonnenschirme verwendet.

Es ist geradezu passend, dass England den Schirm im 18. Jahrhundert auch als Schutz gegen den Regen entdeckt hat. Nach und nach wurde so aus dem Sonnenschirm ein Regenschirm und schon bald verwendete ganz Mitteleuropa das praktische Utensil. Leider läutete der Siegeszug des Regenschirms auch den Niedergang der Schirmmacher ein, denn durch die steigende Nachfrage wurden immer mehr Schirme industriell hergestellt. Schon bald konnten herkömmliche Schirmmacher preislich nicht mehr mit den billigen Schirmen aus den Fabriken mithalten. Heutzutage ist Schirmmacher ein fast ausgestorbener Beruf – eine Berufslehre gibt es nicht mehr.

Köhler

Ein Köhler auf seinem Kohlemeiler.

https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6hler#/media/File:Kohlenmeiler_Hagen_2004.jpg

bild: wikipedia

Wer gerne grillt, tut dies meistens mit Holzkohle. Diese kommt in der Regel aus Südamerika oder Afrika, damit sie in Europa zu Billigstpreisen verkauft werden kann. Vor dieser Zeit war der Köhler ein weit verbreiteter Beruf in Europa, dessen Wurzeln bis zurück ins Mittelalter reichen.

Köhler war keineswegs ein angesehener Beruf. Oftmals lebten Menschen, die diesen Beruf ausübten, abseits und führten ein einsames Leben. Der Beruf des Köhlers war ein harter und schmutziger im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Köhlerofen musste konstant auf der richtigen Temperatur gehalten werden. So konnte es vorkommen, dass ein Köhler über Tage oder gar Wochen damit beschäftigt war, sicher zu gehen, dass der Meiler weder erlischt, noch durch zu viel Zugluft abbrennt.

In der Schweiz gibt es noch vereinzelt Köhler. So steigen beispielsweise jedes Jahr in Romoos im luzernischen Entlebuch Rauchfahnen auf, die davon zeugen, dass Köhler am Werk sind.

Kaffeeriecher

Der Kaffeeriecher

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Die_Gartenlaube_(1892)_b_257.jpg

Kaffeeriecher inspizieren einen Haushalt. bild: wikimedia commons

Kaffee ist heutzutage, nach dem Erdöl, das zweitgrösste Exportgut der Welt. Das Getränk ist auf der ganzen Welt beliebt und was eine Tasse Kaffee an gewissen Standorten kostet, verschlägt manchem Kaffeetrinker den Atem.

Dieses Problem hatte auch schon die Bevölkerung Preussens Mitte des 18. Jahrhunderst. Zwar wurde der Kaffee endlich von der breiten Masse akzeptiert, doch machte der preussische König vielen nicht so gut betuchten Kaffeeliebhabern einen Strich durch die Rechnung. Dieser erklärte Kaffee nämlich kurzerhand zum Luxusgut und erhob eine Steuer darauf, die 150% des Verkaufspreises ausmachte. Eine Frau, die in einer Spinnerei arbeitete, musste so plötzlich ihren ganzen Tageslohn aufwenden, um eine Tasse Kaffee geniessen zu können.

Verständlich, dass der Schmuggel mit Kaffee schon bald blühte. Um dem entgegenzuwirken, machte der preussische König Kaffee kurzerhand zum Monopol. Nur noch ausgewählte Röstereien durften Kaffee rösten. Damit dies auch eingehalten wurde, wurden sogenannte Kaffeeriecher losgeschickt. Sie sollten illegal gerösteten Kaffee erschnüffeln. Dabei gingen die Soldaten, die meist aus alten Veteranen rekrutiert wurden, äusserst rabiat vor. Ihr Status erlaubte es ihnen, jeden Haushalt ohne Vorbehalt zu durchsuchen und so gehörten sie schon bald zu den verhasstesten Personen dieser Zeit.  Doch auch so vermochte das Köngishaus dem Kaffeeschmuggel nicht den Garaus zu machen. Einige Jahre später wurde das Monopol aufgehoben und mit ihm verschwand auch der Beruf des Kaffeeriechers.

Schmuckeremit

Schmuckeremit

https://de.wikipedia.org/wiki/Schmuckeremit#/media/File:Ziereremit_in_Flottbeck_bei_Hamburg.jpg

Eremit mit Flotbek. Sepiazeichnung von Johann B. Th. Schmitt, 1795. gemeinfrei

Der Beruf des Schmuckeremiten war wohl einer der skurrilsten Tätigkeiten, welche die Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts hervorgebracht hat.

Die Aufgabe eines Schmuckeremiten war es, in einer Parkanlage zu leben und diese mit seiner Anwesenheit zu schmücken. Aus alten Anzeigen ist bekannt, was die Anforderungen an einen Schmuckeremiten waren: Er musste ein wallendes, wollenes Kleid tragen, durfte sich nur äusserst selten waschen und das Schneiden von Nägel, Bart und Haaren war ganz untersagt.

Ein Schmuckeremit hatte in einer künstlich angelegten Höhle zu hausen, durfte nicht mit den Parkbesuchern sprechen und als Unterhaltung hatte er oft nur eine Bibel zur Verfügung. Dass dieser Beruf dennoch ausgeübt wurde, lag daran, dass er überdurchschnittlich gut bezahlt wurde. Allerdings dauerte die Verpflichtung als Schmuckeremit oft mehrere Jahre am Stück, sodass das viele Geld, zumindest während der Dauer der Anstellung, nicht viel genützt hat.

Auch heutzutage gibt es noch so etwas wie Schmuckeremiten. Es sind die Frauen (und manchmal auch Männer), die an Events und Galen nur dastehen, um zu lächeln und gut auszusehen, damit Besucher mit ihnen ein Foto machen können. Immerhin dürfen sie mit den Besuchern reden und ein gepflegtes Äusseres ist ein absolutes Muss.

Was du hier siehst, sind Profis beim Training. Nur, um welchen Beruf geht es?

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