Paracetamol-Studie schlägt Wellen – Wissenschaftler warnen vor voreiligen Schlüssen
Paracetamol gilt in der Schwangerschaft als Mittel der Wahl gegen Schmerzen und Fieber. Nun schlägt eine neue Studie zum Schmerzmittel im Zusammenhang mit der späteren Fruchtbarkeit hohe Wellen.
Ein dänisches Forschungsteam hat untersucht, ob sich die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft auf die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane von Mädchen auswirkt. Bei den Mädchen, die im Mutterleib Paracetamol ausgesetzt waren, fand das Forschungsteam kleinere Eierstöcke, weniger Ovarialfollikel und eine kleinere Gebärmutter. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal «Human Reproduction Open» publiziert.
Doch unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist die Studie umstritten. Sie sei zu klein und die Ergebnisse zu uneindeutig, um daraus weitreichende Schlüsse zu ziehen, ordnet die SRF-Wissenschaftsjournalistin Katrin Zöfel ein. «Es gibt in der Community der Fachleute zwar einzelne Stimmen, die jetzt sagen, man müsse vorsichtig sein und vor Paracetamol warnen. Aber das gibt die Studienlage nicht her. Das betont auch die Mehrheit der Fachleute», sagt Zöfel gegenüber SRF-Sendung Heute Morgen.
Wissenschaftler warnen vor voreiligen Schlüssen
Es sei nicht auszuschliessen, dass die Unterschiede auch auf die Krankheit oder die Schmerzen der Mütter zurückzuführen sind – also auf den Grund, weshalb sie überhaupt Paracetamol genommen haben.
Untersucht wurden rund 300 Mädchen, deren Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten oder nicht. Als die Mädchen etwa 100 Tage alt waren, erfassten die Forschenden unter anderem die Grösse ihrer Eierstöcke und ihren Hormonspiegel. Danach werteten sie Daten von weiteren 1200 Mädchen aus. Dabei gab es messbare Unterschiede.
Auch das Forschungsteam ist vorsichtig beim Interpretieren seiner Resultate. Denn es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die Daten belegten den Zusammenhang also nicht ursächlich. Ob die Unterschiede tatsächlich Folgen für die Fruchtbarkeit oder den Zeitpunkt der Menopause haben, müsse in längerfristigen Nachbeobachtungen geklärt werden.
Warum die Studie für Schlagzeilen sorgt
Warum erhält die Studie dann trotzdem so viel Aufmerksamkeit? Ein Grund dafür dürfte sein, dass das Thema bereits politisch aufgeladen ist. US-Präsident Donald Trump hatte schwangere Frauen bei einer Pressekonferenz im September vergangenen Jahres vor der Einnahme von Paracetamol – in den USA unter dem Markennamen Tylenol bekannt – gewarnt.
Er stellte dabei allerdings einen Zusammenhang mit Autismus beim Kind her. Experten widersprachen vehement. Eine Übersichtsstudie bestätigte einige Monate darauf erneut, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft nicht das Risiko für Autismus, ADHS oder geistige Behinderungen erhöht. (cst, mit Material der sda)
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