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Menschen überschätzen Zusammenhänge zwischen Stimmung und Verhalten

Therapie / Psychologie / Psychologe
Oftmals bringen Menschen nicht die einzelnen, aktuellen Situationen miteinander in Verbindung, sondern greifen auf tiefliegende Glaubenssätze oder erlernte Muster zurück. Bild: Shutterstock

Menschen überschätzen Zusammenhänge zwischen Stimmung und Verhalten

Schlecht geschlafen, furchtbarer Tag? Was wie ein klarer Zusammenhang wirkt, ist teilweise reine Einbildung. Rückblickend überschätzen Menschen oft, wie stark ihr Verhalten, ihre Gefühle und ihre psychischen Symptome zusammenhängen.
30.07.2026, 04:5530.07.2026, 04:55

Dies zeigten Forschende der Universität Luzern in einer neuen Studie, die am Dienstag publik gemacht wurde.

In der Psychotherapie verlassen sich Therapeutinnen und Therapeuten oft darauf, dass Patientinnen und Patienten im Gespräch oder per Fragebogen zurückblicken und Fragen beantworten wie: «Was beeinflusst Ihre Stimmung?» oder «Wann treten Ihre Symptome auf?»

Auf diesen rückblickenden Angaben bauen oft Diagnosen und Behandlungspläne auf. Der Haken dabei: Menschliche Erinnerungen verzerren die Realität.

Um dieses Phänomen genauer zu untersuchen, begleitete das Forschungsteam 280 Personen über eine Woche hinweg: 118 Menschen mit einer Depression, 47 mit sozialer Phobie sowie 115 psychisch gesunde Kontrollpersonen. Sechsmal täglich protokollierten die Teilnehmenden per Smartphone in Echtzeit ihre aktuellen Stimmungen, Symptome und Erlebnisse. Am Ende der Woche schätzten sie rückblickend ein, wie stark diese Faktoren ihrer Meinung nach zusammenhingen.

Zusammenhänge, die nicht da sind

Der Abgleich offenbarte deutliche Abweichungen: Im Rückblick berichteten die Probanden von engen Verknüpfungen – etwa zwischen schlechter Schlafqualität und negativer Stimmung –, die sich in den alltäglichen Live-Daten in diesem Ausmass gar nicht wiederfanden. Bei Personen mit einer Depression war diese Kluft am grössten.

Die Forschenden erklären dieses Phänomen damit, dass Menschen beim Rückblick nicht auf konkrete Einzelmomente zugreifen. Stattdessen schalten sich intuitive Glaubenssätze ein – beispielsweise die unbewusste Annahme, dass Stress unweigerlich zu schlechter Laune führen muss.

Für die klinische Praxis plädieren die Forschenden dafür, Smartphone-Echtzeitdaten und persönliche Rückblicke zu kombinieren, um solche Denkfehler aufzudecken und Behandlungen präziser abzustimmen. (sda)

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