Psychotherapien nutzen vielen – nur nicht den Krankenkassen
Allein im Jahr 2024 übernahmen die Krankenkassen über 900 Millionen Franken an Kosten für Psychotherapien. Das Lausanner Forschungszentrum Unisanté hat nun den Nutzen untersucht. Und es kommt zum Schluss: Auch wenn die Krankenkassen mehr Kosten haben, der Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft ist deutlich.
Untersucht wurde laut Radio RTS das Kosten-Wirkungs-Verhältnis im Vergleich: Psychotherapie, Behandlung durch Hausärzte, Medikamente oder gar keine Behandlung. Die Analyse zeigt, dass die Psychotherapie in 78 Prozent der Fälle günstig abschneidet. Bei Angst- und Depressionsstörungen sind es sogar 89 Prozent der Fälle.
Der Grund: Besuchen Patienten eine Psychotherapie, statt zum Hausarzt zu gehen, Medikamente zu nehmen oder gar nichts zu unternehmen, können Folgekosten vermieden werden. Oder anders gesagt: «Man spart Geld, weil man Fälle verhindert, die teurer und auch komplizierter für die Gesellschaft sind», sagt Studienleiter Mauricio Avendano zu RTS. Auch die Arbeitsfähigkeit werde dadurch erhöht, Betroffene seien produktiver und fehlten seltener.
Unisanté ist gleichzeitig davon überzeugt, dass der einfachere Zugang zur Psychotherapie auch mehr Betroffene dazu bewege, sich behandeln zu lassen.
FDP-Nationalrat übt Kritik
Etwas anders sieht es FDP-Nationalrat Philippe Nantermod. «Jedes Mal, wenn wir eine zusätzliche Leistung in die Grundversicherung aufgenommen haben, sind die Gesundheitskosten zulasten der Krankenkassenprämien deutlich gestiegen», sagt er zu RTS. Und das bedeute für alle am Ende höhere Prämien. Mit einer Motion will er deshalb die Vergütung von Psychotherapien wieder aus der Grundversicherung kippen.
Psychotherapien können nämlich seit 2022 einfacher über die Grundversicherung der Krankenkassen abgerechnet werden. Seither sind die Kosten, die von den Versicherern übernommen werden, massiv oder genauer gesagt um 75 Prozent gestiegen, wie RTS berichtet. (vro)
