Protein macht stummes Fortschreiten von Multipler Sklerose sichtbar
Ein neuer Bluttest könnte die schleichende Verschlechterung bei Multipler Sklerose sichtbar machen. Das Protein GFAP zeigt laut einer neuen Studie Schäden an, die auch ohne Schübe entstehen, und hilft möglicherweise bei der Therapie.
Ein Forschungsteam der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel analysierte für die Studie über 18'000 Blutproben von mehr als 2300 MS-Betroffenen, wie die Universität Basel am Dienstag mitteilte. Die Forschenden berichten in der Fachzeitschrift «Jama Neurology», dass hohe Konzentrationen des Proteins GFAP mit einem Fortschreiten der Krankheit einhergingen.
Bei Multipler Sklerose können sich die körperlichen und geistigen Fähigkeiten auch zwischen den Schüben schleichend verschlechtern. Fachleute bezeichnen dies als schubunabhängige Krankheitsprogression. Dieser Prozess war bisher schwierig zu erfassen. Ein bereits verfügbarer Bluttest zur Messung von Neurofilamenten (NfL) zeigt vor allem Nervenschäden durch akute Entzündungen an.
Bedeutung für die Therapie
Das Team um Jens Kuhle fand heraus, dass das saure Gliafaserprotein (GFAP) ein zuverlässiger Marker für diese schleichende Progression ist. GFAP wird von Stützzellen des Gehirns, den Astrozyten, bei Aktivierung oder Schädigung freigesetzt. «Eine zentrale Frage für uns war, ob das schleichende Fortschreiten der Erkrankung einen anderen biologischen Fingerabdruck hinterlässt als die Entzündung», wird Kuhle in einer Mitteilung der Universität Basel zur Studie zitiert.
Die Studie bestätigt laut den Forschenden frühere Arbeiten und stärkt die Grundlage für einen künftigen Einsatz von GFAP in der klinischen Praxis. Laut der Universität Basel könnte er in Zukunft dazu beitragen, den Krankheitsverlauf besser zu überwachen, das Ansprechen auf Therapien zu beurteilen und die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien gegen die Krankheitsprogression zu beschleunigen. (hkl/sda)
