Untersuchung entlastet Medizinprofessor der Uni Zürich
Die Untersuchung habe Aguzzi entlastet, teilte die Universität Zürich am Donnerstag mit. Die Universitätsleitung hatte das Verfahren im Frühjahr 2024 eröffnet. Es war eingeleitet worden, nachdem Vorwürfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter von Aguzzi laut geworden waren. Dieser soll Laborversuche an Mäusen, die nie stattgefunden hätten, in wissenschaftliche Arbeiten eingebaut haben. Dafür habe er Mikroskopbilder von Mäusegehirnen aus früheren Untersuchungen wiederverwendet.
Laut der Universität Zürich wurden Vorwürfe der unsachgemässen Veränderung oder Wiederverwendung von Abbildungen in Aguzzis Publikationen untersucht. Insgesamt überprüfte die Untersuchungskommission 36 Arbeiten aus den Jahren 1996 bis 2023.
Wissenschaftlich relevante Fehler
Bei sieben Publikationen, für die Aguzzi als Letztautor die wissenschaftliche Verantwortung trug, zeigten sich wissenschaftlich relevante Fehler. Laut der Untersuchung betrafen die Unregelmässigkeiten mehrheitlich die Bebilderung der Veröffentlichungen. So seien Abbildungen falsch zugeordnet, unzureichend bearbeitet oder unsachgemäss verändert worden.
Bei weiteren Arbeiten seien formale Mängel festgestellt worden, die laut der Universität aber korrigiert werden konnten. In anderen Fällen habe sich der Verdacht nicht bestätigt.
Kein Nachweis für ein Verschulden
Trotz der festgestellten Mängel kam die Untersuchung zum Schluss, dass kein wissenschaftliches Fehlverhalten nach der Integritätsverordnung vorlag. Es hätten sich keine Anhaltspunkte für ein vorsätzliches Handeln Aguzzis ergeben. Auch der Vorwurf der Fahrlässigkeit treffe nicht zu. Die Fälschungen seien zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht «erkennbar» gewesen und hätten auch die wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren («Peer Review») passiert.
Aguzzi habe sich zudem kritisch mit den Entwürfen seiner Mitarbeitenden auseinandergesetzt und diese nicht unbesehen zur Publikation freigegeben, heisst es im Untersuchungsbericht. Seine Massnahmen zur Qualitätssicherung seien ausreichend gewesen.
Der Bericht unterschied jedoch zwischen Verschulden und Verantwortung. Als Letztautor trage Aguzzi die objektive wissenschaftliche Mitverantwortung für die fehlerhaften Publikationen. Diese hätten das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Publikationen aus seiner Arbeitsgruppe beschädigt und seien geeignet, den Ruf der Universität zu beeinträchtigen.
Aguzzi: «Wissenschaft ist Vertrauenssache»
Aguzzi selbst äusserte sich in einer Stellungnahme. Er verurteilte das Fälschen von Ergebnissen als «Verrat an all dem, was Wissenschaft ist». Er sei selbst in seinem Labor Opfer eines Postdoktoranden geworden, der Befunde gefälscht habe.
«In meinem Labor verbrachten wir ein Jahr damit, ein Projekt voranzubringen, das auf Befunden beruhte, von denen sich später herausstellte, dass sie von einem Postdoc gefälscht worden waren», so Aguzzi. «Nichts funktionierte, weil die Grundlagen unwahr waren. Ressourcen wurden verschwendet, Reputationen beschädigt, und das gesamte Team erlebte eine tiefe Depression.»
Wissenschaft sei ein auf Vertrauen beruhendes Unterfangen, schrieb Aguzzi. Kein System könne vorsätzliche Täuschung vollständig ausschliessen.
Aguzzi, der das Rentenalter erreicht hat, will seine Forschung im Rahmen einer gemeinnützigen Stiftung weiterführen. Der Professor für Neuropathologie erhielt für seine Arbeiten zahlreiche Auszeichnungen. So überreichte die belgische Königin Mathilde ihm im Jahr 2017 den mit 250'000 Euro dotierten Baillet Latour Health Prize für seine «bahnbrechenden Studien über die Ursachen von neurologischen Erkrankungen, die durch Prionen verursacht werden». (sda)
