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Zürich

Roger Köppel debattiert an der Uni Zürich – und löste Proteste aus

Zelt, Logo, Kamerateam: Roger Köppel brachte seine eigene Show an die Uni Zürich.Video: watson/hanna dedial, kilian marti

Die Roger-Köppel-Show an der Uni Zürich

Roger Köppel wollte an der Uni Zürich debattieren. Mit eigenem Zelt, eigenem Logo und eigenem Kamerateam. Dann kam der Protest – und machte die Show erst perfekt.
20.05.2026, 18:4120.05.2026, 18:41

Roger Köppel hat seine eigene Bühne an die Universität Zürich gebracht – samt Produktionsteam.

Nach dem tödlichen Attentat auf den US-Aktivisten Charlie Kirk im vergangenen Jahr hatte Köppel angekündigt, an Schweizer Universitäten debattieren zu wollen. Der Studierendenverein der Universität Zürich griff die Idee auf und machte daraus die neue Reihe «Debate a Politician».

Nun ist Köppel der erste Gast. Doch vor Ort wirkt der Anlass weniger wie ein neutrales Uni-Format als wie seine eigene Show: ein Zelt mit dem Schriftzug «Köppel auf dem Campus», derselbe Schriftzug auf dem Rednertisch, daneben Mikrofon, Kameras, mehrere Helfer und ein schwarzes Absperrband. Ein paar Meter weiter vorne, deutlich schlichter, steht das Mikrofon für die Studierenden.

Roger Köppel
«Köppel auf dem Campus»: So stellte sich der alt-Nationalrat der Debatte.Bild: watson

Es ist kurz vor halb zwölf, als der Verleger der «Weltwoche», ehemalige SVP-Nationalrat und publizistische Dauerredner an den Tisch tritt. Offiziell geht es an diesem Mittwochmittag um Debattenkultur. Einige sind gekommen, um Köppel Fragen zu stellen. Andere wollen vor allem sehen, was passiert. Und für manche der rund 300 anwesenden, meist jungen Menschen, ist schon die Idee einer Debatte mit Köppel ein rotes Tuch.

«Köppel raus, Köppel raus», rufen einige aus dem Publikum. Sie skandieren: «Es gibt kein Recht auf Propaganda.» Ein Transparent wird hochgehalten. Darauf steht: «UZH nazifrei.»

Die Szene irritiert selbst Provokateur Köppel. «Freunde, so geht es nicht», sagt er mehrfach. Ohne Erfolg. Wenn Studierende ans Mikrofon treten, wird es oft ruhiger. Wenn Köppel antwortet, setzen die Sprechchöre wieder ein.

Viel virales Potenzial

Irgendwann tritt ein Student ans Mikrofon und spricht aus, was sich in diesem Setting aufdrängt. Er findet die Debatte «peinlich». Es gehe hier nicht um Austausch, sondern um eine Machtdemonstration. Köppel wolle «Clipfarming» betreiben, wie man es aus den USA kenne – also Konfrontationen erzeugen, aus denen sich kurze, zugespitzte Social-Media-Videos schneiden lassen. Eine «reine Contentproduktion» sei das hier.

Der Vorwurf passt zur Szene. Kameras sind auf Köppel gerichtet. Auch die Studierenden, die ihm Fragen stellen, werden gefilmt, sofern sie ihr Einverständnis geben. Jede Konfrontation kann später als Ausschnitt in den sozialen Medien funktionieren. Jede Empörung, jede Zwischenfrage, jeder Lacher: Rohmaterial mit viralem Potenzial.

Und davon gibt es genug.

Was alles an der Debatte passierte – im Video. Video: watson/hanna dedial, kilian marti

Etwa, als eine Frau aus dem Protest ans Mikrofon tritt. Sie sagt, sie wolle gar nicht mit Köppel debattieren. Sie wolle ihm erklären, warum sie nicht mit ihm rede.

Dann zählt sie auf: Köppels frühere Äusserungen zur Ehe für alle. Seine Aussagen zum Islam. Sie sagt, sie sei queer, migrantisch, muslimisch. Sie sehe nicht, dass Köppel Menschen wie ihr Respekt entgegenbringe. Also könne auch sie ihm diesen Respekt nicht entgegenbringen. Ohne seine Antwort abzuwarten, verschwindet sie wieder im Protest.

Für Köppel ist auch das verwertbar.

Die beste Frage des Tages

Vielleicht kommt die präziseste Frage deshalb von einem Studenten, der sich selbst an den Zwischenrufen stört. Er sagt das auch. Der Lärm störe ihn. Dann richtet er sich an Köppel.

Ob Köppel nicht glaube, dass auch er mit seiner Politik und seiner Art zur Polarisierung beitrage – die dann genau solche Situationen hervorbringe? Wer jahrelang polarisiere, könne sich nur schwer als Opfer der Polarisierung darstellen.

Roger Köppel
Störaktion an der Debatte mit Roger Köppel: an der Universität Zürich.Bild: watson

Es stimmt: Der Protest macht Köppel das Debattieren an diesem Mittag schwer. Er wird unterbrochen, übertönt und immer wieder gezwungen, neu anzusetzen. Aber er hilft ihm auch.

Denn er bekommt dadurch einmal mehr die Rolle, die er seit Jahren beherrscht: die des Mannes, der reden will, während andere nicht mehr reden wollen. Der sagen kann: Seht her, genau darum braucht es diese Debatten. Köppel, der sich selbst als «Pflichtverteidiger aller Verdammten» bezeichnet.

Nach der Veranstaltung sagt Köppel zu watson, gewisse Gruppen hätten versucht, «das hier zum Entgleisen zu bringen» – aber sie hätten keinen Erfolg gehabt.

Der Protest wollte Köppel die Bühne nehmen. Doch diese Bühne war von Anfang an für den Konflikt gebaut.

So lief die Debatte mit Roger Köppel

Video: watson/hanna dedial, kilian marti
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Proteste an Köppels Debattier-Aktion
Video: watson
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28 Kommentare
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Amadeus
20.05.2026 18:53registriert September 2015
Das Format heisst doch "Debatiere einen Politiker". Warum kommt dann ein Ex-Nationalrat der zwar seit über 4 Jahren Putin verherrlicht, aber selbst wenig im Rat anwesend war um Politik zu machen.
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Janster
20.05.2026 18:53registriert März 2021
Die Idee an einer Uni zu debattieren ist richtig. Aber Hausherr ist doch die Uni oder nicht? Dann sollte die Uni das Format vorgeben. Und auch für die Aufnahmen zuständig sein ... ansonsten passiert eben genau das ...Aussagen können aus dem Kontext gerissen werden usw ...
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Nick Name
20.05.2026 19:13registriert Juli 2014
Ganz auf Linie der Kommunikation des Grüppli, das sich «Volkspartei» nennt: Zuerst möglich viel Geschirr selbst zerschlagen und Bullshit anrichten, danach öffentlichkeitswirksam irgendwo hinstehen und rumjammern, dass andere jetzt plötzlich ein klitzekleines bisschen Geschirr zerschlagen.

Leider immer noch die bis ins mächtigste Land der Welt funktionierende populistische Masche.
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