Wissen
Schweiz

Tag der Arbeit 2024: Wo und warum du in der Schweiz am 1. Mai frei hast

Der Tag der Arbeit: Wo und warum der 1. Mai gefeiert wird

Der Frühling ist voller Feiertage. Neben den religiösen wie Ostern und Pfingsten feiert ein Grossteil der Schweiz aber auch den Tag der Arbeit. Wie und warum der 1. Mai zum Feiertag wurde, erfährst du hier.
30.04.2024, 17:10
Lara Knuchel
Folge mir
Mehr «Wissen»

Der Mai beginnt in vielen Kantonen der Schweiz mit einem Feiertag – dem Tag der Arbeit. Heute wird der Erste Mai besonders mit den Grossdemonstrationen in Grossstädten auf der ganzen Welt verbunden, und tatsächlich stützt sich der Feiertag auf einen Protest in den USA aus dem 19. Jahrhundert.

Wie genau sich diese Geschichte zugetragen, was wo in diesem Jahr geplant ist und wie die Forderungen lauten, erfährst du hier:

Warum feiern wir den Tag der Arbeit?

Die Entstehung des Maifeiertages geht auf die «Haymarket Riots» oder die «Haymarket Affairs» zurück. So organisierte die nordamerikanische Arbeiterbewegung für den 1. Mai 1886 einen Generalstreik, um die Einführung des Achtstundentages zu erzwingen und die allgemeinen Bedingungen für Arbeitnehmende zu verbessern.

Auch in Chicago wurde für den 1. Mai auf dem Haymarket eine Kundgebung angesetzt und von einem mehrtägigen Streik begleitet. Am 3. und 4. Mai kam es zu Strassenschlachten zwischen Arbeiter und Polizisten, bei denen auf beiden Seiten Menschen starben. Im Anschluss wurden die acht Organisatoren der Kundgebung auf dem Haymarket angeklagt und zum Tode verurteilt. Vier von ihnen – darunter auch der Chefredakteur der örtlichen Arbeiterzeitung – wurden sofort hingerichtet.

Geschichte des Ersten Mais: Flugblatt mit der Aufforderung, am 4. Mai erneut an einer Kundgebung auf dem Haymarket in Chicago teilzunehmen.
Ein zweisprachiges Flugblatt aus Chicago von 1886 mit der Aufforderung, am 4. Mai erneut an einer Kundgebung auf dem Haymarket teilzunehmen.Bild: wikimedia

Historiker nennen das Datum der «Haymarket Riots» gerne als Stichtag in der Entwicklung der Arbeiterbewegung in den USA, die danach immer bedeutender wurde.

Warum am 1. Mai?

Das Datum des 1. Mais wählten die Organisatoren nicht zufällig. So forderten bereits australische Arbeiter am 1. Mai 1856 die Herabsetzung der Arbeitsstunden von zwölf auf acht pro Tag. In Anlehnung an diese Protestbewegung wurde auch für die USA dieses Datum gewählt und zeigt die bereits sehr frühe Internationalisierung der Arbeiterbewegung.

Am Begründungskongress der Zweiten Internationalen vom 20. Juli 1889 wurde der 1. Mai schliesslich in Gedenken an die Opfer der «Haymarket Riots» zum internationalen «Kampftag der Arbeiterbewegung» ausgerufen. Am 1. Mai 1890 kam es schliesslich erstmals weltweit zu Demonstrationen für mehr Arbeiterrechte.

Die Zweite Internationale
Karl Marx begründete am 28. September 1864 mit der Internationalen Arbeiterassoziation den ersten Dachverband für die verschiedenen sozialistischen Parteien. Dieser löste sich schliesslich wegen internen Konflikten auf und wurde erst 1889 als Zweite Internationale neu gegründet. Diese Zerbrach schliesslich 1914 mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges, als sich viele nationale sozialistische Parteien den Kriegsbemühungen ihrer Nationen zuwandten. Seit 1951 bis heute übernimmt die Sozialistische Internationale die Rolle des Dachverbandes.

Wer hat frei am Tag der Arbeit?

In vielen Ländern gilt der Tag der Arbeit als gesetzlicher Feiertag. In der Schweiz ist nur der Nationalfeiertag am 1. August vom Bund aus als gesetzlicher Feiertag geregelt. Alle anderen werden von den Kantonen beurteilt. In welchen Kantonen der 1. Mai als gesetzlicher Feiertag gilt, erfährst du hier (für die Informationen über die Karte fahren):

In diesen Kantonen gilt der Feiertag:

quelle: admin.ch

Was ist 2024 zum 1. Mai in der Schweiz geplant?

Schweizweit sind viele Veranstaltungen wie Demos, Feste und öffentliche Reden geplant. Das ist das Programm in den drei grössten Städten der Deutschschweiz:

Bern

In Bern, wo der 1. Mai kein Feiertag darstellt, planen die Gewerkschaften einen Umzug. Unter dem Motto «Prämien runter, Löhne rauf!» wird eine Demonstration geplant. Starten wird sie um 17.00 Uhr bei der Kramgasse. Der Umzug endet auf dem Bundesplatz, wo ab 17.30 Uhr diverse Reden und eine Feier stattfinden werden.

Andere Pläne hat das «Revolutionäre 1. Mai Bündnis Bern»: Hier lautet die Parole etwas radikaler «Rolex für alle!» Protetiert wird gegen Ausbeutung, Grenzen, Klimakrise, Krieg, Rassismus, Patriarchat und Faschismus. Um 18.30 Uhr ist ein Demo-Umzug ab dem Rosengarten Bern vorgesehen.

Update
Dieser Artikel wurde in ähnlicher Form bereits im Mai 2021 und 2023 publiziert. Anlässlich des 1. Mais 2024 wurde er überarbeitet und erneut veröffentlicht.

Basel

Etwas früher auf der Matte steht man in Basel. Die «Bewegung für den Sozialismus» ruft zu einer Demonstration auf. Um 10.00 Uhr geht es los beim Messeplatz Basel. Das diesjährige Motto lautet: «Organisieren von unten – Kämpfe verbinden!»

Zürich

In der grössten Schweizer Stadt findet jährlich auch die grösste Demonstration zum Tag der Arbeit statt. Beim Zürcher 1.-Mai-Komitee lautet das diesjährige Motto: «Kapitalismus macht krank!» Im Zentrum steht die «ungleiche Verteilung von Ressourcen und Zugang zu Gesundheitsversorgung». Die Hauptrednerin wird Maja Hess sein, die als Ärztin und Psychiaterin unter anderem in Nicaragua, El Salvador, Kurdistan und Palästina tätig war.

Los geht die Demonstration um 10.30 Uhr auf dem Helvetiaplatz. Auf dem Sechseläutenplatz wird im Anschluss gefeiert.

Wo wird der 1. Mai ansonsten besonders gefeiert?

Besonders in sozialistischen Staaten ist der Tag der Arbeit wichtig. Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Beginn der 90er-Jahre begingen die unterschiedlichen Sowjetrepubliken den Tag mit aufwändigen Märschen und Feiern.

An einer 1. Mai Parade anlaesslich der Konferenz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands marschieren Arbeiter mit Fahnen und Portraits von Lenin und Stalin ueber den Marx Engels-Platz in Ost-B ...
Eine undatierte Aufnahme eines 1.-Mai-Umzuges auf dem Marx-Engels-Platz in Ostberlin (DDR).Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

In Russland finden bis heute am 1. Mai umfangreiche Märsche und Militärparaden statt.

Some of about 7,000 Communist supporters with red flags and banners march along the bridge near the Kremlin in Moscow, Monday, May 1, 2000. Representatives of trade unions and Communists rallied to ma ...
Kommunisten marschieren in Moskau am Tag der Arbeit im Jahr 2000 auf.Bild: AP

Doch auch andern Orts wie zum Beispiel in Puerto Rico finden jährlich grosse Kundgebungen statt.

epa08396783 People participate from their cars during a demonstrations for the International Labor Day, in San Juan, Puerto Rico, 01 May 2020. Several demonstrations commemorated this Friday the Inter ...
Wegen der weltweiten Corona-Pandemie wurde der 1.Mai-Umzug in San Juan 2020 kurzerhand in Autos durchgeführt. Bild: EPA

In der Schweiz gehört die Kundgebung in Zürich zu den grössten Anlässen am Tag der Arbeit. Der Umzug am Morgen des ersten Mai wird von einem mehrtägigen Fest begleitet.

Menschen bewegen sich im Demonstrationszug durch Zuerich am Montag, 1. Mai 2017, am Tag der Arbeit. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Der Marsch am 1. Mai in Zürich 2017.Bild: KEYSTONE

Warum wird am Tag der Arbeit protestiert?

Wie die Geschichte des Feiertages zeigt, geht dieser auf Demonstrationen im 19. Jahrhundert in den USA zurück. Seither standen viele diese Kundgebungen stets im Sinne der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Gewerkschaften steckten tief in den Organisationsorganen.

Die weltweiten sozialistischen Bewegungen weisen aber immer wieder auf drastische Unterschiede hin, die ja bereits zu einem Zusammenbruch der Dachorganisation geführt hatten. So stehen hinter den Kundgebungen am Ersten Mai auch heute ganz unterschiedliche Ideologien und Ideen.

Mit Material der sda

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Frauenstreik 1991
1 / 8
Frauenstreik 1991
Plakat zum landesweiten Frauenstreik vom 14. Juni 1991 mit dem Motto: «Wenn Frau will, steht alles still». Das Sujet stammt von Grafikerin Agnes Weber. (bild: schweizerisches nationalmuseum / asl)
quelle: schweizerisches nationalmuseum / asl
Auf Facebook teilenAuf X teilen
13.06.2020 - BLM-Demo Zürich - Erste Impressionen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
168 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Jake Peralta
01.05.2021 14:46registriert Dezember 2014
Die wichtigste Frage bleibt m.E. unbeantwortet:
Warum wird am 01. Mai randaliert und geprügelt?
237155
Melden
Zum Kommentar
avatar
Luca89
01.05.2021 09:39registriert Februar 2020
Immer wieder erstaunlich, dass das Konterfeil von Che oder auch mal Hammer und Sichel im Zusammenhang mit dem ersten Mai frisch fröhlich gezeigt und zelebriert werden, obwohl sie mindestens historische gleich viel Leid wie Hakenkreuze verursacht haben. Komplett verklärte linke Sozialromantik!
227159
Melden
Zum Kommentar
avatar
MartinZH
01.05.2021 10:42registriert Mai 2019
Für einen vollständigen geschichtlichen Abriss sollte man die Situation in Deutschland nicht selektiv darstellen – und "unangenehme Tatsachen" einfach nicht thematisieren.

Im Okt. 1890 beschliesst die SPD, den 1. Mai zum Tag der Arbeiterbewegung zu machen. Fortan kommt es alljährlich zu Streiks und Demonstrationen.

Als "Tag der nationalen Arbeit" führen die Nationalsozialisten den 1. Mai kurz nach der Machtübernahme 1933 als Feiertag (nach 1919) wieder ein – bei voller Lohnfortzahlung. Es ist der Versuch, den Kampftag für die eigene Propaganda zu nutzen, die Arbeiterbewegung zu vereinnahmen.
9837
Melden
Zum Kommentar
168
Wie der Bürgenstock zum höchsten Freiluft­auf­zug Europas kam
Auf dem Bürgenstock wusste man schon immer, wie man geschickt auf sich aufmerksam macht. Beispielsweise 1905 mit dem spektakulären Hammetschwand-Lift, einem Wunderwerk schweizerischer Ingenieurtechnik. Dieser sorgte ebenso für Bewunderung wie für Falschmeldungen!

Die Bürgenstock-Hotels auf dem spektakulären Bergrücken über dem Vierwaldstättersee begeisterten ab 1873 die Kurgäste von nah und fern. Doch der Bürgenstock stand nicht allein; viele Mitbewerber buhlten während der Belle Epoque um die Gäste – mit besonders ausgefallenen Kuren, mit speziell gewagten Bahnen oder mit aparten Einrichtungen. Der Bürgenstock mit Hotelpionier Franz Joseph Bucher stellte sich diesem Wettbewerb.

Zur Story