Wie der Rhein die Schweiz mit der Welt verbindet
Bereits in der Antike war der Rhein ein bedeutender Verkehrs- und Transportweg. Wie die Schiffe den Fluss auf- und abwärts befuhren, hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Es wurde gerudert und gesegelt, Flösserei betrieben, gestakt – dabei wurde ein Boot mit einer langen Stange am Flussboden vorwärtsgestossen – sowie getreidelt, wobei Menschen, Tiere oder Maschinen die Schiffe vom Ufer aus zogen.
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Die Erfindung der Dampfmaschine im 19. Jahrhundert ermöglichte mit dem Dampfschiff eine von Wind und Wetter unabhängige Fortbewegung. Damals mäandrierte der Rhein noch stark: Kleine Inseln ragten aus dem Fluss, und Hochwasser veränderten immer wieder die Landschaft. Flusskorrekturen und Begradigungen sollten den Rhein für die Schifffahrt in ein festes Bett zwingen.
Die rechtliche Grundlage der Rheinschifffahrt bildet bis heute die 1868 unterzeichnete revidierte Rheinschifffahrtsakte, die sogenannte «Mannheimer Akte». Das völkerrechtliche Abkommen garantiert die freie Schifffahrt auf dem Rhein. Hüterin der Akte ist die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR). Ihr gehören heute die Niederlande, Deutschland, Belgien, Frankreich und die Schweiz an. Die ZKR geht auf den Wiener Kongress von 1815 zurück und wird als älteste noch bestehende internationale Organisation der Welt angesehen.
Erster Schleppzug in Basel
Der Abschnitt des Oberrheins zwischen Strassburg und Basel galt bis Anfang des 20. Jahrhunderts für die moderne Grossschifffahrt als unpassierbar. Der Basler Ingenieur Rudolf Gelpke (1873–1940) trat dieser Auffassung entgegen und veröffentlichte 1902 die Schrift «Die Ausdehnung der Grossschifffahrt auf dem Rhein von Strassburg nach Basel». Ein Jahr später erbrachte er den praktischen Beweis und fuhr mit dem Schraubendampfer «Justitia» bis zur Mittleren Brücke.
1904 erreichte mit dem Schleppdampfer «Knipscheer IX» und dem mit 300 Tonnen Kohle beladenen Schleppkahn «Christina» der erste Schleppzug Basel. Die Schleppschifffahrt, bei der ein motorisiertes Schiff einen oder mehrere Lastkähne zieht, war auf dem Rhein weit verbreitet. Nachdem in Basel bis ins 19. Jahrhundert nur einfache Lande- und Umschlagplätze bestanden hatten, begann 1906 der Bau des ersten Rheinhafens im St. Johann. Heute befindet sich dort der Campus des Basler Chemieunternehmens Novartis.
Ausbau der Rheinhäfen für eine Vielzahl von Gütern
Der steigende Güterverkehr machte den Ausbau der Hafenstandorte notwendig: Ab 1919 wurde der Hafen Basel-Kleinhüningen ausgehoben, zwischen 1936 und 1941 entstanden die Hafenanlagen in Birsfelden und der Auhafen in Muttenz. Über den Rhein gelangten Getreide, Kohle, Kies, Dünger, Chemieprodukte, Mineralöl und weitere Güter nach Basel. Diese Vielfalt spiegelte sich in der Hafeninfrastruktur wider: Es entstanden Getreidesilos, Freilager für Kohle, Hafenkräne, Strassen, Gleisanlagen der Hafenbahn, Tanklager und die Revierzentrale zur Überwachung der Schiffsbewegungen. Der Schifffahrt wurde grosse Bedeutung für die Landesversorgung zugeschrieben: 1941 beschloss der Bundesrat per Kriegsnotrecht, Hochseeschiffe zu erwerben – die Schweiz wurde zur Seenation.
Parallel entwickelte sich die Basler Personenschifffahrt, und das Dreiländereck wurde in den 1950er-Jahren zu einem beliebten Ausflugsziel. Mit dem zunehmenden Import von Konsumgütern erreichten ab den 1980er-Jahren immer mehr Containerschiffe Basel. Container wurden zum Symbol des globalen Güterverkehrs und ermöglichten den effizienten Umschlag zwischen Schiff, Bahn und Lastwagen. Basel entwickelte sich zu einem wichtigen Knotenpunkt der Nord-Süd-Transitachse zwischen Rotterdam und Genua.
Der Hafen und seine Menschen
Zahlreiche Menschen und Berufsbilder sorgen dafür, dass die Rheinschifffahrt und der Hafenbetrieb rund um die Uhr funktionieren. Da Rheinschiffer oft wochenlang unterwegs waren, stellte die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine grosse Herausforderung dar. Viele ihrer Kinder verbrachten einen Teil ihrer Jugend im Basler Schifferkinderheim.
Wer seine berufliche Zukunft auf dem Rhein sah, absolvierte ab 1939 die Matrosenausbildung auf dem Schulschiff «Leventina». Sie war männlichen Jugendlichen vorbehalten; militärische Disziplin und das Tragen einer Uniform gehörten ebenso dazu wie theoretischer und praktischer Unterricht, Turnen, Schwimmen, Kochen sowie Französisch und Niederländisch. Der Schifferberuf prägt oft ein Leben lang, und viele Schiffer bleiben über Vereinigungen, den Seemannsclub, das Magazin «Flaschenpost», den Schifferverein oder den Seemannschor miteinander verbunden.
Die Aufgaben der Häfen verändern sich stetig: Während grosse Kohlelager verschwunden sind und der Mineralölanteil zurückgeht, gewinnen Kreislaufwirtschaft, digital vernetzte Logistik sowie alternative Energieträger an Bedeutung. Längst stehen auch Kapitäninnen am Schiffssteuer.
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Das nautische Erbe der Schweiz lässt sich besonders im Basler Quartier Kleinhüningen erleben: Neben dem geschäftigen Hafenbetrieb finden sich dort das Hafenmuseum, eindrückliche Bauten sowie Restaurants und Hafenkneipen mit Namen wie «Rostiger Anker», «Schiff» und «Seemannskeller». Auch heute bleibt die Schweiz in der Rheinschifffahrt aktiv: 2026 und 2027 hat die Schweiz den Vorsitz der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt inne und ist damit gewissermassen Hüterin der «Mannheimer Akte».
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