Wissen
Schweiz

Coronavirus: Warum die Schweiz keine Massen-Antikörpertests machen sollte

Coronavirus: Warum die Schweiz noch keine Massen-Antikörpertests machen sollte

15.04.2020, 13:5716.04.2020, 07:01

Die Coronavirus-Epidemie in der Schweiz scheint zurückzugehen. Dies bezeugen zumindest die neusten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Der Bundesrat will am Donnerstag über den Fahrplan für eine Lockerung des Lockdowns informieren.

Damit diese Lockerung aber nicht zu einer zweiten Welle führt, braucht es gemäss Epidemiologen wie Marcel Salathé Antikörpertests. Mit so einem Test lässt sich feststellen, ob man sich in den letzten Monaten bereits mit dem Coronavirus infiziert hatte oder nicht. Wenn also die ganze Bevölkerung getestet würde, könnte der Immunisierungsgrad in der Schweiz festgestellt werden.

Die Initiative Corona Immunity will nun laut eigenen Angaben eine Allianz aus Wirtschaft und Wissenschaft schaffen, «die dank logistischer Unterstützung ein gezieltes ‹at-home› Testen der Bevölkerung auf SARS-CoV-2-Immunität ermöglicht.» Man rechne damit, dass man schon im Mai mit den ersten «at home»-Tests beginnen könne. Doch dabei gibt es ein grösseres Problem.

Warum die Sache mit den Antikörpertests nicht überstürzt werden sollte

Wer einen Antikörpertest macht, will herausfinden, ob er bereits gegen das Coronavirus immun ist. Bei einem positiven Ergebnis würde eine Selbstisolierung sinnlos. Die getestete Person wird sich also wieder vermehrt in der Öffentlichkeit bewegen.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass diese Tests auch das richtige Resultat anzeigen. Ansonsten wird das Virus in der Schweiz wieder stärker durch Menschen verbreitet, die glauben, sie seien gesund und immun.

Wie hoch ist die Chance, dass das Testresultat falsch ist?

Die Schweiz hat bereits erste Corona-Antikörpertests importiert. Diese werden nun in klinischen Studien auf ihre Validität getestet. Denn diese ist im Moment noch nicht bestätigt. Was ein Test anrichtet, der nicht zu fast 100 Prozent sicher ist, zeigt folgende Rechnung:

Die Ausgangslage

Gehen wir davon aus, dass der Test in 95 Prozent der Fälle das richtige Resultat anzeigt und dass sich in der Schweiz mittlerweile rund ein Prozent der Bevölkerung mit dem Virus angesteckt hat.

Warum Coronavirus-Antikörpertests für die Schweiz noch gefährlich sind
Bild: watson

Nun wird getestet

Nun machen wir einen Massentest. Wir testen 10'000 Schweizer darauf, ob sie sich bereits mit dem Virus angesteckt haben.

Warum Coronavirus-Antikörpertests für die Schweiz noch gefährlich sind
Bild: watson

Unter den 10'000 Personen finden sich also bei einem Prozent Infektionsrate 100 Menschen, die bereits einmal mit dem Virus infiziert waren.

Die Resultate

Blicken wir also auf die Resultate:

Warum Coronavirus-Antikörpertests für die Schweiz noch gefährlich sind
Bild: watson

Von den 100 Personen, die tatsächlich eine Coronavirus-Infektion hinter sich haben, erhalten 95 einen positiven Bescheid. Bei fünf Getesteten fällt der Test fälschlicherweise negativ aus. Doch das ist nicht das Problem.

Denn bei den eigentlich noch anfälligen Personen erhalten 495 Getestete das Ergebnis, dass sie bereits immun sind, obwohl sie eigentlich noch Träger des Virus sein können. Das Verhältnis der tatsächlich Immunen zu jenen, die sich nach dem Test selbst als immun einstufen, wäre damit 1 zu 5.

Das heisst, weniger als 20 Prozent der Personen die glauben, sie sind immun, sind dies auch tatsächlich. Sollte dieser Fall zutreffen, wäre eine zweite Coronavirus-Welle in der Schweiz quasi garantiert. (leo)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Messe für Niemanden - der Papst in Zeiten Coronas
1 / 17
Messe für Niemanden - der Papst in Zeiten Coronas
Der Papst allein zu Haus...
quelle: ap / remo casilli
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wir beantworten eure Fragen zum Coronavirus
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Datenklau beim Bund könnte Mitarbeitende im Ausland gefährden – Schlagzeilen vom Sonntag
Ein Datenleck bei einem externen Anbieter der Pensionskasse Publica könnte für Bundesangestellte Folgen haben. Zudem sind die Covid-Kontrollen des Bundes abgeschlossen, während ein dänisches AKW-Start-up seinen Hauptsitz nach Zug verlegen will. Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen.
Der Bund hat nach einem Datenklau bei einem externen Software-Anbieter der Pensionskasse Publica gemäss «SonntagsBlick» hohe Risiken festgestellt. Er geht von erheblichen Schäden und längerfristigen Auswirkungen für gegenwärtige wie pensionierte Beschäftigte des Bundes aus, wie die Zeitung schrieb. Finanzministerin Karin Keller-Sutter habe am Mittwoch eine entsprechende Informationsnotiz in den Bundesrat eingebracht. Besonders betroffen seien die «Sicherheitsorgane des Bundes», hiess es laut «SonntagsBlick» darin. Der Bund warne intern, dass bestimmte Mitarbeitende von Behörden anderer Länder erkannt, vertieft befragt oder im Extremfall festgesetzt werden könnten. Der Staatssekretär für Sicherheitspolitik, Markus Mäder, habe einen geheimen Auftrag erhalten. Das Verteidigungsdepartement wollte sich laut «SonntagsBlick» dazu nicht äussern.
Zur Story