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Was der kultige VW-Bus mit der Schweiz zu tun hat

Die Idee des VW-Busses rasch skizziert: Ben Pons Notizbuch von 1947.
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Die Idee des VW-Busses rasch skizziert: Ben Pons Notizbuch von 1947.Bild: Rijksmuseum

Der Kult-Bus mit Schweiz-Bezug

Der VW-Bus hat heutzutage Kultstatus. Erfunden wurde dieser von einem Niederländer, der sich in der Schweiz eine Villa bauen liess und häufig hier war. 1965 beschenkte der inzwischen reiche Ausländer alle Schulkinder in einem kleinen Schweizer Dorf.
08.07.2023, 18:43
Michael van Orsouw / Schweizerisches Nationalmuseum
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Es war nach dem Zweiten Weltkrieg, als ein niederländischer Autoverkäufer am Verzweifeln war. Dieser Bernardus Pon, damals 43-jährig, verkaufte als Generalimporteur Volkswagen in seiner Heimat. Aber in den Niederlanden galt Deutschland aufgrund der Besatzung während des Kriegs als verhasst, da gestaltete es sich schwierig, deutsche Automobile zu verkaufen. Deshalb setzte Ben, wie Bernardus Pon genannt wurde, auf Innovation: Er dachte an ein einfaches Transportfahrzeug mit kastenförmigem Aufbau, das so robust sein sollte wie ein VW Käfer, ebenfalls mit einem Motor im Heck.

Nach einem Besuch der VW-Werke in Wolfsburg 1947 setzte sich Ben Pon hin und fertigte eine einfache Skizze: Der millionenfach produzierte VW-Transporter, auch VW-Bus genannt, war geboren! Die Skizze, in sein gelochtes Notizbuch gekritzelt, befindet sich heute im renommierten Rijksmuseum in Amsterdam, sie gilt als der Anfang einer aussergewöhnlichen Erfolgsgeschichte. Dieser Ben Pon hatte auch mit der Schweiz zu tun, doch davon später.

Findiger Typ: der Niederländer Bernardus Pon, genannt Ben Pon – mit Schweizer Connections.
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Findiger Typ: der Niederländer Bernardus Pon, genannt Ben Pon – mit Schweizer Connections.Bild: benpon.nl
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Der VW T1 – das VW-Bus-Urmodell nach der Idee von Pon – lief 1950 serienmässig vom Band. Sehr rasch entwickelte sich das Transportauto zu einem Triumph. Denn während des Wirtschaftswunders benötigten Handwerker und Kleingewerbler einen kleinen Werkstattbus, sodass schon vier Jahre später der hunderttausendste VW-Bus produziert war. Der «Bulli», wie der BUs-LIeferwagen fortan hiess, erfreut sich bis heute grosser Beliebtheit als Arbeitstransporter, Familienfahrzeug, Reisemobil oder Hippiebus. Unterdessen ist der «Bulli» zum begehrten Kultauto avanciert und hat eine grosse Fangemeinde auf der ganzen Welt.

Der Werbeprospekt von 1951: «Anspruchslosigkeit in Pflege und Unterhaltung».
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Der Werbeprospekt von 1951: «Anspruchslosigkeit in Pflege und Unterhaltung».Bild: Rijksmuseum Amsterdam

Zurück zu Ben Pon. Zwischendurch musste der wirblige Autoverkäufer mit Jahrgang 1904, der auch die bekannten «VW Käfer» nach Amerika brachte, durchatmen. Dafür hatte er ab 1957 eine Ferienwohnung in der Schweiz gemietet, nämlich bei Oberhalten an der Forchwaldstrasse in Walchwil im Kanton Zug, wo aufgrund der günstigen Lage sogar Feigen und Palmen wachsen. Es gefiel Ben Pon dort so gut, dass er gerne ein Haus kaufen oder bauen wollte. Am Stammtisch im «Sternen» äusserte der Niederländer seinen Wunsch; der Wirt schickte ihn daraufhin zu Thomas Hürlimann-Luthiger, der in der Walchwiler «Schmitte» ein Heizungs- und Sanitärgeschäft betrieb und zudem Brunnenmeister und Gemeinderat war.

Von da an ging es schnell. Pon konnte 1961 auf der Engelmatt ein Grundstück kaufen, das Hürlimann mit einer Villa bebaute. Darauf kam Ben Pon öfter an den Zugersee. Als die Gemeinde Walchwil 1963 das neue Schulhaus einweihte, liess sich Autohändler Ben Pon etwas Besonderes einfallen, zumal die Schule in der Nähe seiner Liegenschaft zu stehen kam: Er beschenkte alle Kinder der Primarschule Walchwil – jedes Kind bekam ein Banksparheft mit einem Guthaben von zehn Franken vom reichen Neo-Walchwiler.

Das Geschenk von Ben Pon: Gregor Senn und alle anderen Kinder der Primarschule Walchwil erhielten 10 Franken.
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Das Geschenk von Ben Pon: Gregor Senn und alle anderen Kinder der Primarschule Walchwil erhielten 10 Franken.Bild: zentralplus.ch / Raphael Zemp

Auch die Erstklässler der Folgejahre erhielten ein Sparbüchlein des spendablen Niederländers. Das Onlinemagazin «Zentralplus» hat Beschenkte von damals ausfindig gemacht, so etwa Monika Senn, die zitiert wird: Es sei «schon beeindruckend» gewesen, «da kommt einer, und macht der ganzen Schule auf einen Schlag ein Geschenk, wie wir es uns vielleicht auf Weihnachten haben erhoffen können.»

Heute ist Walchwil ein beliebter Wohn- und Steuerort für reiche Ausländerinnen und Ausländer; damals, Mitte der 1960er-Jahre, war das noch nicht so. Dementsprechend dürften die Geschenke des Niederländers im einstigen Bauerndorf für Aufsehen gesorgt haben.

Überall dabei: VW-Bus an einer Anti-AKW-Demo, Lucens, 1978.
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Überall dabei: VW-Bus an einer Anti-AKW-Demo, Lucens, 1978.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum / ASL
Für vieles verwendet: Hier eine Hippie-Variante aus Kalifornien.
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Für vieles verwendet: Hier eine Hippie-Variante aus Kalifornien.Bild: Wikimedia / Marshall Astor

Doch die Story des reichen Schenkers ging noch weiter. Ben Pon war von Thomas Hürlimanns Leistung beim Einfädeln des Landverkaufs und beim Bau so angetan, dass er weiterhin mit ihm geschäften wollte. Der niederländische Autohändler und der Walchwiler Gewerbler gründeten 1964 gemeinsam die Beteiligungs- und Immobilienfirma Bentom AG – der erste Namensteil bezieht sich auf Ben Pon, der zweite auf Thomas Hürlimann. Sie bauten zahlreiche Häuser und Wohnungen in den Kantonen Zug und Luzern.

Ben Pon starb 1968, sein gleichnamiger Sohn übernahm das VR-Präsidium in Walchwil (bis 1971). Bis heute ist die Bentom erfolgreich als Immobilienfirma an besten Wohnlagen tätig. In den Tiefgaragen der noblen Bentom-Wohnungen stehen eher wenig Fahrzeuge der Marke VW – aber schliesslich gehört auch Porsche zur VW-Gruppe ...

>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch
watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen aus dem Blog des Nationalmuseums. Der Beitrag «Der Kult-Bus mit Schweiz-Bezug» erschien am 6. Juli.
blog.nationalmuseum.ch/2023/07/der-kult-bus-mit-schweiz-bezug
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