Studie: Mikrodosen LSD verbessern Aufmerksamkeit, aber nur bei Frauen
Die Geschichte von Lysergsäurediethylamid (LSD) beginnt auf zwei Rädern. Am 19. April 1943 steigt der Schweizer Chemiker Albert Hofmann in Basel auf sein Fahrrad – ohne zu ahnen, dass er damit Wissenschaftsgeschichte schreiben wird. Kurz zuvor hat er 250 Mikrogramm eines weissen Pulvers eingenommen. Was folgt, ist der erste dokumentierte LSD-Trip der Geschichte. Und ein Heimweg, der Hofmanns Wahrnehmung in eine völlig veränderte Realität katapultierte.
Heute, mehr als 80 Jahre später, beschäftigt LSD die Wissenschaft noch immer. Allerdings geht es nicht mehr nur um psychedelische Trips, sondern um die Frage, was kleinste Dosen mit dem Gehirn machen.
Eine neue klinische Studie, die von der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde, deutet darauf hin, dass geringe LSD-Dosen die Konzentrationsfähigkeit verbessern könnten – allerdings nur bei Frauen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekamen nicht annähernd die Dosis, mit der Hofmann 1943 seine legendäre Fahrradfahrt erlebte: Statt 250 Mikrogramm wurden deutlich geringere, fraktionierte Dosen von rund 15 Mikrogramm LSD verabreicht.
Überraschender Geschlechterunterschied
Das Ergebnis: Bei den weiblichen Teilnehmenden zeigte sich eine messbare Verbesserung der Aufmerksamkeit. Die Frauen, die LSD erhalten hatten, reagierten in einem zehnminütigen Aufmerksamkeitstest rund acht Prozent schneller als jene in der Placebogruppe. Zudem verzeichneten sie im Test weniger Aufmerksamkeitsaussetzer. Bei den Männern hingegen fanden die Forschenden keinen signifikanten Effekt.
Warum könnte LSD bei Frauen anders wirken? Das ist eine der offenen Forschungsfragen. Die Studie, die von einem Forschungsteam von der Maastricht University in den Niederlanden durchgeführt wurde, zeigt einen Unterschied, erklärt aber die Ursache nicht.
Doch das Besondere an der Untersuchung: Anders als viele frühere Untersuchungen beruht der Befund nicht auf subjektiven Selbsteinschätzungen, sondern auf messbaren Leistungen. Allerdings war die Zahl der Teilnehmenden mit 48 Personen klein. Die Forschenden sehen deshalb weiteren Forschungsbedarf.
Experten warnen davor, LSD als universellen «Gehirnbooster» zu betrachten. Die leitende Forscherin Iva Totomanova betonte: «Die Ergebnisse deuten vielmehr auf eine vorsichtigere Botschaft hin: Die Wirkung kann von der Person, der gemessenen kognitiven Aufgabe und den Umständen der Anwendung abhängen. Eine bessere Frage wäre: Wer spricht auf Mikrodosierung an und unter welchen Umständen?»
Psychedelische Revolution
LSD ist ein stark wirksames Psychedelikum, das Gefühle, Gedanken und die Wahrnehmung komplett verändern kann. Im Gehirn wirkt es ähnlich wie der körpereigene Botenstoff Serotonin. Es sorgt dafür, dass Gehirnbereiche miteinander sprechen, die sonst kaum Verbindung zueinander haben.
In den 1950er-Jahren galt LSD als Hoffnungsträger der Psychotherapie, bevor die Forschung im Zuge des «War on Drugs» weitgehend zum Erliegen kam. Heute erlebt die Substanz eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Renaissance – und ist auch im Mainstream angekommen. OpenAI-Gründer Sam Altman bezeichnete eine geführte psychedelische Erfahrung als «lebensverändernd». Auch Steve Jobs betonte, dass seine LSD-Erfahrungen in seiner Jugend zu den wichtigsten Dingen gehörten, die er je gemacht habe.
