Wissen
Drogen

Grösste Psychedelika-Hirnstudie gibt wertvolle Einblicke: So wirkt LSD

Wie LSD und Co. im Gehirn wirken: Grösste Psychedelika-Hirnstudie gibt wertvolle Einblicke

Eine grosse internationale Analyse zeigt, was im Gehirn unter psychedelischen Trips geschieht – und warum die Substanzen therapeutisch wirken könnten.
12.04.2026, 21:0012.04.2026, 21:00
Stephanie Schnydrig
Stephanie Schnydrig
Psilocybin
Ein psychedelischer Trip verändert das Bewusstsein und löst starre Denkmuster auf.Bild: Getty

Psychedelische Substanzen wie LSD, Psilocybin (der Wirkstoff in sogenannten Zauberpilzen) oder Meskalin erleben seit einigen Jahren ein Comeback in der Medizin. Immer mehr klinische Studien berichten von positiven Effekten bei Depressionen, Angststörungen, Belastungen am Lebensende sowie bei Suchterkrankungen wie Tabak- oder Alkoholkonsum. In Studienregistern sind derzeit über 400 laufende Untersuchungen zur psychedelischen Therapie verzeichnet.

Unklar blieb bislang jedoch, wie genau diese Substanzen im Gehirn wirken. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universitäten Zürich und Basel hat nun neue Erkenntnisse vorgelegt. Für die im Fachblatt «Nature Medicine» publizierte Studie wurden Daten von 267 Personen ausgewertet, die während eines psychedelischen Zustands im Hirnscanner untersucht worden sind.

Die Ergebnisse deuten auf einen gemeinsamen Wirkmechanismus hin: Psychedelika verändern demnach grundlegend, wie das Gehirn Informationen verarbeitet. Besonders auffällig ist, dass Bereiche für abstraktes Denken enger mit solchen für Sinneseindrücke zusammenarbeiten. Gewöhnlich sind diese Netzwerke stärker voneinander getrennt. Unter dem Einfluss der Substanzen jedoch öffnen sich diese Grenzen, wodurch Informationen freier durch das Gehirn fliessen.

Entkommen aus der Negativspirale

Diese vorübergehende Neuordnung könnte erklären, warum psychedelische Therapien helfen, festgefahrene Denkmuster zu lösen und die geistige Flexibilität zu erhöhen. Das ist besonders wertvoll für Personen etwa mit Depressionen oder Angstzuständen, bei denen Gedanken ständig nur noch ums Negative kreisen – und worauf sie sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien können.

Die Studie des Teams um den Neurowissenschaftler Manesh Girn von der University of California in San Francisco gilt als bislang umfassendste Analyse ihrer Art und soll als Grundlage für künftige Forschung dienen.

In der Schweiz derweil besteht schon heute eine weltweit fast einzigartige rechtliche Situation: Psychedelika können auf Antrag beim Bundesamt für Gesundheit in der psychiatrischen Behandlung eingesetzt werden, etwa bei schwer psychisch erkrankten Menschen, die auf andere Therapien nicht ausreichend ansprechen. (bzbasel.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
21 Schweizer Erfindungen, die allen das Leben erleichtern
1 / 23
21 Schweizer Erfindungen, die allen das Leben erleichtern
Wie wär's mit einem Cheeseburger? Ohne die Schweiz kaum möglich, denn Walter Gerber erfand den Schmelzkäse, also die vorgefertigten Käsescheiben, die über einen tiefen Schmelzpunkt verfügen. Das alles seit 1911. Gern geschehen, liebe Welt!Bild: flickr ... Mehr lesen
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Albert Hofmann beschreibt die zufällige Entdeckung von LSD
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
49 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Aya
12.04.2026 21:39registriert August 2019
Unbedingt weiter verfolgen. Eine Reise, die entsprechend begleitet wird hilft mehr und ist weniger schädlich als tägliche Pillen.

Bin gespannt, wann die Pharmalobby hier wieder den Riegel schieben will.
688
Melden
Zum Kommentar
avatar
Lupo Thunder
12.04.2026 21:49registriert Oktober 2024
Die Öffnung der Gehirn Synapsen = erweiterte Wahrnemung, haben mich in meiner Jugendzeit sehr positiv geprägt und meinen Horizont und Blick auf den Sinn des Lebens gefördert.
567
Melden
Zum Kommentar
avatar
Siciliano
12.04.2026 22:34registriert Juni 2017
Schade, geht es nicht schneller vorwärts bei diesem Thema. Als Betroffener mit Depression, kann ich euch erzählen, dass ich ohne Medi nicht mehr aus dem Bett komme. Schon mehrmals ausgetestet. Wir haben es als Gesellschaft selber in der Hand, ob man solchen Patienten wie mich, lebesnlang Medis fianzieren sollen oder uns mal für eine günstige Alternative öffnen wollen.
452
Melden
Zum Kommentar
49
Warum du Fermentiertes lieber selbst herstellst
Fermentierte Lebensmittel sind beliebt, das nutzt auch die Industrie. Doch selbst gemacht bleibt oft die bessere Wahl.
Sauerteig, Sauerkraut, Kimchi – plötzlich stehen wieder Gläser in den Küchen, in denen es blubbert, zischt und reift. Gemüse wandert nicht mehr nur in den Kühlschrank, sondern ins Einmachglas. Inmitten einer Zeit, in der vieles jederzeit verfügbar und schnell entsorgt ist, kehrt das Fermentieren von Lebensmitteln zurück.
Zur Story