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Igelwurm, Urechis unicinctus.

In China nennt man diese Tiere «Penisfische». Bild: Shutterstock

Das willst du nicht sehen. Oder doch? Die Invasion der Penis-Fische



Wir müssen hier kurz ausholen: Es soll ja immer noch Männer geben, die wirklich meinen, ihr bestes Stück sei eine Augenweide – besonders für das schöne Geschlecht. Nun liegt Schönheit zwar im Auge des Betrachters, aber vielleicht sollten Dick-Pic-Enthusiasten doch mal nachlesen, was ihnen Emma Amour kürzlich ins Stammbuch geschrieben hat:

Rein optisch kicken mich Penisse nicht (...)
Ich finde einfach, Mother Nature hätte sich etwas mehr bemühen können.

Anna Rothenfluh weiss, wie man mit unerwünschten Dick Pics umgeht:

Wer nun partout nicht glauben will, dass die Ästhetik des männlichen Genitals ein wenig zu wünschen übrig lässt, dürfte sich spätestens durch diese Bilder kurieren lassen:

Voilà: der Penis-Fisch

Zugegeben, das skurrile Ding ist weder Fisch noch Penis. Es lebt jedoch im Meer und erinnert so eindeutig an ein männliches Gemächt, dass es in China «Penisfisch» genannt wird. In Wahrheit handelt es sich um eine Gattung von Igelwürmern (Echiura), die vier Arten umfasst. Sie siedeln alle in den flachen Küstenmeeren des Pazifiks, wo sie sich im Sandboden eingraben und von feinen Nahrungspartikeln leben, die sie aus dem Wasser filtern.

Es kann vorkommen, dass ein Sturm die Sandbewohner aus ihren Höhlen reisst und ganze Kolonien der Igelwürmer an Land gespült werden. Das ist auch am 6. Dezember in Drakes Beach in Kalifornien geschehen, wo der Strand von tausenden der Würmer übersät war.

David Ford, der auf diese Invasion der Meerespenisse stiess, fragte das Naturmagazin «Bay Nature», worum es sich hier handle. Der Biologe Ivan Parr klärte ihn auf und wies darauf hin, dass bereits in der Vergangenheit Igelwürmer in grosser Zahl an kalifornischen Stränden angelandet waren. Manche Anwohner erklärten sich den Anblick damit, ein Bratwurst-Frachter in Seenot habe seine Ladung verloren.

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Igelwurm an der Küste von Kalifornien in Elkhorn Slough. Video: YouTube/Kim Powell

Was für die Würmer fatal endet, ist ein Fest für die Seemöwen. Ford berichtete, dem ganzen Strand entlang hätten sich die Vögel aufgereiht und ihre Mägen vollgeschlagen: «Sie hatten so viel gefressen, dass sie kaum noch stehen konnten.» Etwa ein Viertel der Würmer sah noch lebendig aus, die anderen waren tot.

Otter friss Igelwurm Urechis caupo

Auch Otter – pardon: Otten – tun sich gern an den Igelwürmern gütlich. Bild: Shutterstock

Igelwürmer, die bis zu 25 Jahre alt werden können, gibt es schon seit Millionen von Jahren. Sie graben U-förmige Höhlen in den weichen Meeresboden, die nur so breit wie sie selber, aber deutlich länger sind. Aus speziellen Drüsen sondern sie ein schleimiges Sekret ab, das eine Art Netz bildet und durch das sie mit Hilfe ihrer Muskeln Meereswasser pumpen. Danach verschlucken sie das Netz wieder, in dem sich Plankton und andere Nährstoffe verfangen haben.

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Igelwurm im Monterey Bay Aquarium. Video: YouTube/Leah K

Die Igelwürmer an der kalifornischen Küste gehören zur Art Urechis caupo, auf Englisch «fat innkeeper worm» genannt. Für den Menschen sind sie wie alle Vertreter ihrer Gattung nicht gefährlich. In China, Korea und Japan, wo die Art Urechis unicinctus heimisch ist, werden die Igelwürmer sogar gegessen; zum Teil roh als Sushi oder gebraten.

Der Igelwurm Urechis unicinctus wird in der koreanischen Küche verwendet, zum Beispiel als Sushi

Koreanisches Sushi aus Igelwürmern. Bild: Shutterstock

Die eiweissreichen Würmer haben nichts zu tun mit einer anderen Tierart, die manchmal ebenfalls als «Penisfisch» bezeichnet wird: Harnröhrenwelse, die im Amazonasbecken beheimatet sind, werden vom Urin ihrer Wirtstiere – normalerweise sind das grosse Fische – angelockt und ernähren sich von deren Blut. Manchmal kommt es vor, dass sie irrtümlich in die Harnröhre von badenden Menschen eindringen und sich dort mit ihren Widerhaken festsetzen. Im Vergleich dazu ist der Igelwurm ein netter Geselle.

Harnröhrenwels (Vandelliinae), auch Penisfisch genannt, ernähren sich vom Blut anderer Fische. 
https://en.wikipedia.org/wiki/Vandelliinae#/media/File:Vandellia_cirrhosa_-_1856_drawing.png

Der eigentliches Penisfisch: Der Harnröhrenwels. Bild: Wikimedia

(dhr)

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • la montanara 15.12.2019 22:43
    Highlight Highlight Danke Watson, für den Artikel und das Bild des Igelwurm zuzelnden Otten. Herrlich. :-)
  • Ökonometriker 15.12.2019 10:49
    Highlight Highlight Macht doch euren Neujahresanlass in einer Sauna. Dann seht ihr, dass wir alles Menschen sind und alle Makel haben. Diese komische Fixierung auf das männliche Glied und im Allgemeinen auf das Aussehen von Menschen befremdet...
  • dä seppetoni 15.12.2019 09:45
    Highlight Highlight Ganz lieber Gruss an unsere Kreationisten. Auch dieses Prachtsexemplar eines Lebewesens hat sich euer Gott ausgedacht 😉
  • Dani123456789 15.12.2019 08:57
    Highlight Highlight Oh mein Gott!! Diese Tiere sind sowas von sexistisch und frauenfeindlich, die muss man sofort ausrotten....
  • Beasty 15.12.2019 01:24
    Highlight Highlight Ich frage mich auch, weshalb Watson so eine Penis-Phobie hat. Als wären Penisse das Hässlichste der Welt. Finde diese Art der Berichterstattung etwas irritierend.
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 15.12.2019 11:51
      Highlight Highlight und wird in den kommentaren langsam als „nicht mehr lustig“ empfunden
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 14.12.2019 23:11
    Highlight Highlight Es gibt im Meer auch das Gegenstück zu diesen Igelwürmern. Und nun Kinder, entscheidet euch! Was gefällt euch besser?

    A) Igelwürmer
    B) Muscheln
    C) Beides mega grusig im Fall
    Benutzer Bild
    • JoJodeli 15.12.2019 09:23
      Highlight Highlight D) Mir gefallen beide
  • Trajane 14.12.2019 21:25
    Highlight Highlight Beste Einleitung und schlimmster Schluss ever.. 😅
  • Grötzu 14.12.2019 21:22
    Highlight Highlight Ladet nicht gerade zum essen ein. Aber nicht wegen des Namens. Vom Aussehen aus, esse ich auch Feigen und betrachte Orchideen, ohne sexuelle Hintergedanken. Na ja, zum Teil.
  • Chääschueche 14.12.2019 20:53
    Highlight Highlight Ich mag Penisse 🤷‍♂️
  • Joe 'Barack America' Biden 14.12.2019 20:20
    Highlight Highlight Gott hat Kalifornien eine Botschaft gesendet.
  • guby 14.12.2019 20:09
    Highlight Highlight Hihi. Penis.
  • Garp 14.12.2019 19:27
    Highlight Highlight Na ja, so ein Haufen amputierter Penisse, ist wirklich ein grusliger Anblick. Ein Haufen amputierter Hände, Köpfe etc. , wäre das ebenso.
  • MeinAluhutBrennt 14.12.2019 18:08
    Highlight Highlight Meine Frau meinte soeben ich soll 3 Stück bestellen.
  • Jerry Cad 14.12.2019 15:58
    Highlight Highlight Wirklich toller, informativer Artikel.
    In letzter Zeit wir auf Watson jedoch bisschen viel der Ton "Genitalien [welchen Geschlechts auch immer] sind hässlich und grusig" angeschlagen.

    Wenn Emma Amour diese Meinung hat, ist es ja gut und darf in Ihre Kolummnenartikel, in Informativen Artikeln sind silche Aussagen jedoch unpassen, weil wenig objektiv...
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 14.12.2019 17:11
      Highlight Highlight jup
  • ZackZackZack3+3- 14.12.2019 15:17
    Highlight Highlight Nature is disgusting
  • Sherlock_Holmes 14.12.2019 15:02
    Highlight Highlight «Gratulation» – perfekter «Clickbait»-Titel.

    Der Text ist jedoch – biologisch gesehen – durchaus Informativ.

    Die Igelwürmer sind zumindest faszinierend und ein weiteres Beispiel wie vielfältig und skurril sich Lebewesen entwickeln.

    Was die Faszination betrifft, ist diese ebenso vielfältig gelagert wie ambivalent.

    Nicht alle werden in gleichem Masse vom Gleichen in Bann gezogen.

    Zumal es jemandem welcher unter einer Arachnophobie leidet, wenig Spass bereitet, wenn ihm oder ihr ungefragt eines der netten Tiere aufs Auge gedrückt wird.

    So verhält es sich auch mit dem besagten besten Stück.
    • lilie 14.12.2019 15:34
      Highlight Highlight @Sherlock: Genau das dachte ich mir auch, bis ich las, dass es Fische gibt, die von meiner Harnröhre in Bann gezogen werden könnten - oh, bitte nicht! 😫
  • Ataraksia Eudaimonia 14.12.2019 14:45
    Highlight Highlight Trotz aller Genialität, auch Mutter Natur gehen manchmal Ideen aus 😟)
    • Pana 14.12.2019 15:25
      Highlight Highlight *Genitalität
  • Garyx 14.12.2019 14:43
    Highlight Highlight Viele Penisse auf einmal sind eindeutig zu viel!
  • PeteZahad 14.12.2019 14:36
    Highlight Highlight This is so clearly a 'bicep fish'
    Play Icon
  • stadtzuercher 14.12.2019 14:35
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
    • Pana 14.12.2019 15:32
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • nicbel 14.12.2019 15:53
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • honesty_is_the_key 14.12.2019 14:13
    Highlight Highlight Huch, ich mag zwar Penen (nicht unbedingt optisch sondern "sonst" ;-)), aber die Teile sehen allerdings recht gruusig aus.
  • c-bra 14.12.2019 13:59
    Highlight Highlight hihi, Penis
  • circumspectat animo 14.12.2019 13:59
    Highlight Highlight Die Einleitung dieses Artikels grenzt an Sexismuss.
    • just sayin' (beleidigende user werden ignoriert) 14.12.2019 17:10
      Highlight Highlight man könnte meinen, dass ganz viele menschen ein gestörtes verhältnis zu diesem körperteil haben.🤷🏼‍♂️
  • Wendy Testaburger 14.12.2019 13:59
    Highlight Highlight Das will ich wirklich nicht sehen😅

Das macht der «kotzende Wurm» aus dem letzten Picdump wirklich

Letzten Mittwoch war im Picdump ein Gif drin, das einigen noch sehr gut in Erinnerung geblieben sein dürfte – das Gif von diesem «kotzenden Wurm»:

Aber was tut der Wurm da eigentlich? Eines vorweg: Er kotzt nicht wirklich. Wikipedia klärt uns auf:

1. Das ist nicht irgendein Wurm, sondern ein Schnurwurm, auch Nemertea/Nemertini genannt. Es gibt derzeit über 1200 verschiedene Arten.

2. Da, wo dieses weisse Zeug rauskommt, befindet sich sein Rüssel. Das ist zugleich auch eines der Merkmale …

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