Schweiz
SVP

100 Personen verhaftet bei Demo gegen SVP in Zürich

Demonstranten wurden in Seenähe von der Polizei eingekesselt.
Demonstranten wurden in Seenähe von der Polizei eingekesselt.bild: watson

100 Personen verhaftet bei Demo gegen SVP in Zürich – Blocher beschwert sich

20.03.2017, 04:4617.11.2020, 13:54

Die Zürcher Polizei hat am Sonntagnachmittag rund 100 Demonstranten festgenommen, welche die 100-Jahr-Feier der Zürcher SVP im Kongresshaus stören wollten. Etwa gleich viele Personen wurden von der Polizei kontrolliert und weggewiesen.

Die Bilanz dieses Nachmittags sei positiv, sagte Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, am späteren Nachmittag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Es habe keine Verletzten gegeben. Auch Schäden seien keine gemeldet worden. Eine detailliertere Bilanz stellte Cortesi für Montag in Aussicht.

Auf der Quaibrücke eingekesselt

Am frühen Nachmittag war die Stimmung noch deutlich angespannter. Die Situation drohte anfangs zu eskalieren, als die Polizei einige Dutzend Demonstranten auf der Quaibrücke einkesselte. Mit Gitterfahrzeugen und Wasserwerfern wurden sie daran gehindert, auf den Bürkliplatz und zum Kongresshaus zu gelangen.

Nachdem die Autonomen längere Zeit in dieser Situation verharren mussten, sie konnten sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen, begann die Polizei damit, Mitglieder des Schwarzen Blocks einzeln abzuführen. Die Polizisten fesselten sie mit Kabelbindern, hängten ihnen ihre Habe in einem Plastiksack um den Hals und führten sie ab. In Kastenwagen wurden sie auf den Posten gebracht.

Am anderen Ende des Seebeckens, in Richtung Enge, gab es zwar wiederholt kleinere Zwischenfälle. Durch das grosse Polizeiaufgebot konnten diese aber jeweils im Keim erstickt werden. Die Zahl der Verhafteten liegt noch nicht vor. Auch Angaben über Sachschäden gibt es bisher keine.

Das Areal am See wurde grossräumig mit hohen Zäunen abgesperrt. Mehrere hundert Polizistinnen und Polizisten standen im Einsatz. Sie kontrollierten jeden Touristen und Passanten, der auch nur ansatzweise wie ein Autonomer aussah.

hetze
bild: watson

Ein Helikopter kreiste über dem Seebecken und verfolgte die Bewegungen der Demonstranten aus der Luft. Der Auto- und Tramverkehr war während des ganzen Nachmittags lahmgelegt. Zahlreiche Spaziergänger und Touristen beobachteten die Szenen.

«Es ist Zeit, dass man da einschreitet!»
Christoph Blocher

An der gut bewachten Feier nahmen unter anderem SVP-Stratege Christoph Blocher, Bundesrat Ueli Maurer, Nationalratspräsident Jürg Stahl sowie die Nationalräte Andreas Glarner, Natalie Rickli und Gregor Rutz teil.

Alt-Bundesrat Christoph Blocher äusserte sich gegenüber «Tele Züri» zu den Demonstrationen. Für ihn sei das grosse Polizeiaufgebot absolut angebracht. Die Linken, welche ständig Toleranz forderten, seien die Einzigen, die die Redefreiheit mit Gewalt einschränken würden. «Es ist Zeit, dass man da einschreitet.»

100 Jahre SVP Zürich – Feier von Protesten überschattet

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100 Jahre SVP Zürich
Die Jubiläumsfeier der Zürcher SVP im Kongresshaus wurde am Sonntag von Protesten überschattet.
quelle: keystone / ennio leanza
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Angriff mit Buttersäure

Bereits vor Wochen hatten Linksautonome angekündigt, den SVP-Anlass stören zu wollen. Das Polizeiaufgebot wurde entsprechend aufgestockt. Am Vorabend der Feier platzierten Unbekannte eine Buttersäure-Stinkbombe beim Kongresshaus, der einen penetrant stechenden Geruch im Haus verbreitete. Bis am Sonntag konnte der Saal aber gut gelüftet werden, zu riechen war nichts mehr.

Ob Linksautonome für den Stinkbomben-Angriff verantwortlich sind, ist noch nicht abschliessend geklärt. Ein Zusammenhang ist aber mehr als wahrscheinlich, da kurz nach dem Vorfall ein Bekennerschreiben auf der linken Plattform Indymedia aufgeschaltet wurde. Rechte Hetze stinke, schrieben die Unbekannten. Manchmal schade es aber nicht, gewisse Dinge doppelt zu unterstreichen.

Alt Bundesrat Christoph Blocher spricht anlaesslich des 100-Jahr-Jubilaeum der SVP Zuerich, aufgenommen am Sonntag, 19. Maerz 2017, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Auch Christoph Blocher sprach an der 100-Jahr-Feier der SVP.Bild: KEYSTONE

Im grossen Saal des Kongresshauses bekamen die über 1000 Gäste vom ganzen Polizeieinsatz wenig mit. Auf dem Programm standen unter anderem Reden von SVP-Stratege Christoph Blocher, Bundesrat Ueli Maurer und vom ehemaligen Nationalrat Christoph Mörgeli, der zum 100-Jahr-Jubiläum der Zürcher SVP ein Buch über die Partei geschrieben hat.

Auch Blocher erinnerte in seiner Rede an die Geburtsstunde der Partei – die Gründung der Zürcher Bauernpartei am 4. März 1917 – und deren Weiterentwicklung zur heutigen SVP. Sicher habe die Partei im Laufe der Geschichte auch Fehler gemacht, sagte Blocher gemäss Redetext. Aber, und darauf komme es an:

«Ohne das Wirken der SVP wäre die Schweiz in einer misslicheren Lage: wirtschaftlich, gesellschaftspolitisch, punkto Lebensqualität und allgemeiner Wohlfahrt.»
SVP-Chefstratege Christoph Blocher

Das Jubiläum falle nun in eine für die Partei gute Zeit: Noch nie, seit der Proporz auf Bundesebene existiere, also seit 1919, habe es eine Partei gegeben, die einen höheren Wähleranteil bei den Nationalratswahlen erzielte, als die SVP im Jahre 2015 mit 29,4 Prozent. «Doch da lauern auch Gefahren», warnte Blocher. Denn «nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.»

(red/sda)

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