Tränen im Siegerinterview – die traurige Geschichte von Kanadas WM-Helden
Inmitten des Freudentaumels übermannten Kanadas WM-Helden Stephen Eustaquio die Emotionen, als er an seine Familie dachte. Er rieb sich mit den Händen durch die feuchten Augen, seine Stimme stockte: «Alles, was ich tue», sagte der 29 Jahre alte Eustaquio, «mache ich für meine Familie – für meine Eltern, für meine Freundin, für meine Tochter. Für meine Freunde zu Hause. Für alle.»
Seine emotionale Reaktion lag in einer traurigen Vorgeschichte begründet. Der Reporter hatte den Torschützen, der Kanada in der Nachspielzeit gegen Südafrika (1:0) erstmals ins Achtelfinale geführt hat, gefragt, wie er sich in diesem Moment an seine Familie erinnere.
Eustaquios Mutter Esmeralda war 2023 an einem Hirntumor gestorben, er erfuhr davon während eines Spiels mit dem FC Porto und liess sich deshalb umgehend auswechseln. Sein Vater Armando verstarb im Jahr darauf nach einem Herzinfarkt. In seiner Antwort im Interview nach dem goldenen Tor am Sonntag reagierte er entsprechend bewegt.
Marsch: «Eltern haben aus dem Himmel zugesehen»
Auch Trainer Jesse Marsch liess die Geschichte seines Vizekapitäns nicht kalt. «Es gibt keinen, der es mehr verdient hätte in dieser unglaublichen Gemeinschaft. Er ist ein sehr zuverlässiger Mensch, er weiss, worauf es bei uns ankommt», sagte Marsch und schob hinterher: «Ich denke, seine Eltern haben heute aus dem Himmel zugesehen.»
Eustaquio wurde in Ontario, Kanada, geboren, bevor er mit elf Jahren mit seinen Eltern zurück nach Portugal zog. In den U-Teams spielte er sowohl für Kanada als auch für Portugal, 2019 entschied er sich für sein Geburtsland.
Tout ce que tu as traversé
— JK (@JackBrown591897) June 28, 2026
La perte de tes parents et de ta fille.
Comment te souviens-tu de ta famille en ce moment ?
Eustaquio🎙️
"Tout ce que je fais, c’est pour ma famille, pour mes parents, pour ma copine, pour ma fille
Pour mon frère. Pour mes amis restés au pays@TSN_Sports pic.twitter.com/CgYVdVHfHg
«Ich denke, es war ein grossartiges Tor», sagte Eustaquio. «Aber als ich geschossen habe, hatte ich das Gefühl, dass alle mit mir geschossen haben. Sie haben dem Ball ein bisschen zusätzliche Kraft mitgegeben – und er landete im Netz. Deshalb bin ich einfach überglücklich.»
Kanada wird auf «Giganten» treffen
Für das kanadische Team geht die WM-Reise nun etwas unerwartet weiter. «Wir haben unsere Struktur beibehalten, wir hatten Chancen während des ganzen Spiels», bilanzierte Kanadas Coach Marsch und lobte sein Team sichtlich emotional für «die harte Arbeit dieser Jungs» und «ihren Charakter». Sie seien «kanadische Helden, das habe ich ihnen gesagt, ich freue mich so für sie».
Im Achtelfinale am Samstag in Houston bekommt es sein Team mit den Niederlanden oder Marokko zu tun. «Ich fliege nach Monterrey und werde im Stadion sitzen und sie mir genau anschauen», sagte der Coach mit Blick auf das Duell in der Nacht zu Dienstag (3 Uhr, Schweizer Zeit) in Mexiko. «Dann werden wir jedes Detail durchsprechen», kündigte er an und ergänzte: «Die Jungs haben es verdient, jetzt auf einen Giganten zu treffen.» (nih/t-online)
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