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Serena Williams legt sich mit Schiedsrichter Carlos Ramos an und bezeichnet ihn als «Dieb».
Serena Williams legt sich mit Schiedsrichter Carlos Ramos an und bezeichnet ihn als «Dieb».Bild: Greg Allen/Invision/AP/Invision

Eklat am US-Open-Final – hatte Serena Williams recht oder nicht? 

09.09.2018, 12:2110.09.2018, 06:18

Sowas sieht man selten im Tennis-Sport. Schiedsrichter-Entscheide werden zwar immer wieder diskutiert, aber dass sie spielentscheidend sind, kommt kaum je vor.

Anders gestern Abend. Serena Williams wurde wegen wiederholten Regelverstössen ein Game abgezogen. Und das im Finale des US Open, in einem der wichtigsten Matches überhaupt. 

Am Ende verlor die 23-fache Grandslam-Siegerin mit 2:6, 4:6 und verpasste somit den Major-Rekord. Siegerin wurde Naomi Osaka. Ob der japanische Youngster auch ohne den Game-Abzug triumphiert hätte, wird für immer unbeantwortet bleiben.

Busse für Williams
Serena Williams ist für ihr Fehlverhalten im Final vom US Open mit einer Busse von 17'000 Dollar bestraft worden. Die 36-jährige Amerikanerin hatte während der Zweisatz-Niederlage gegen die Japanerin Naomi Osaka drei Verwarnungen kassiert: für das Coaching ihres Trainers auf der Tribüne (4000 Dollar), für das Zertrümmern ihres Rackets (3000 Dollar) und für die Beleidigung von Stuhlschiedsrichter Carlos Ramos (10'000 Dollar). (abu/sda)

Sicher ist: Die erst 20-Jährige spielte überragend und liess sich auch durch die hitzige Stimmung im Arthur-Ashe-Stadion nicht aus der Ruhe bringen.

Fest steht auch: Die unterlegene Serena Williams verhielt sich gegenüber der 16 Jahre jüngeren Kontrahentin stets fair und bewies bei der Siegerehrung grosse Klasse. 

Dafür erhielt Williams auch nach der Partie von der WTA-Präsidentin grosses Lob.

Was sich die US-Amerikanerin aber während der Partie erlaubte, war mehr als nur streitbar. 

Doch was war passiert?

Zunächst erhielt Williams eine Verwarnung wegen Coachings. Die Trainer dürfen im Tennis keine taktische Anweisungen geben, auch keine Handzeichen machen. Doch genau das tat ihr Coach Patrick Mouratoglou, wie wir in folgendem Video-Ausschnitt sehen können: 

Patrick Mouraoglou gibt Williams Handzeichen.Video: YouTube/JustTennis

Der Trainer räumte später gegenüber «ESPN» denn auch ein, dass er versucht habe, Zeichen zu geben. Serena Williams habe diese aber nicht gesehen. Zudem sei das eigentlich ganz normal, er sei noch nie für das bestraft worden.

Fakt ist: Der Schiedsrichter hatte mit der Verwarnung recht. Dass Williams die Anweisungen nicht gesehen hat, ist aber ebenfalls sehr gut möglich.

Serena Williams beschwert sich bei Schiedsrichter Ramos. Video: streamable

Die 37-Jährige legte sich immer wieder mit dem Unparteiischen an und sagte diesem, dass sie nie betrügen würde. «Ich habe eine Tochter. Ich cheate nicht.» Sie verlange eine Entschuldigung. 

Indiskutabel ist die zweite Verwarnung. Diese erhielt Williams, weil sie ihr Racket zertrümmerte. Die Bilder sprechen eine eindeutige Sprache: 

Serena Williams zerschmettert ihren Schläger. 
Serena Williams zerschmettert ihren Schläger. Bild: AP/AP

Als der Schiedsrichter Carlos Ramos ihr darauf einen Punkt abzog, brannten bei Williams die Sicherungen durch. Sie ging erneut auf Ramos zu und schimpfte: «Du bist nicht nur ein Lügner, sondern auch noch ein Dieb.»

Der Schiedsrichter reagierte erneut, sprach die dritte Verwarnung aus und zog der Amerikanerin ein ganzes Aufschlagspiel ab. Plötzlich stand es nicht mehr 3:4 im zweiten Satz, sondern 3:5. Das Publikum und Serena Williams kochten.

Doch der Schiedsrichter handelte bei allen drei Entscheidungen gemäss dem Reglement. 

Williams erklärt sich

Dennoch ist die Sache nicht ausgegessen. Denn Serena Williams legte an der Pressekonferenz nach. Sie beschuldigte den Schiedsrichter des Sexismus. Einem Mann hätte er nie ein Game abgezogen, wenn er ihn als «Dieb» bezeichnet hätte:

«Ich weiss nicht. Man kann natürlich nicht in der Zeit zurückgehen. Ich kann nicht hier sitzen und sagen, dass der Schiedsrichter kein Dieb ist, denn er hat mir ein Spiel gestohlen. Ich habe männliche Spieler gesehen, die andere Schiedsrichter noch ganz anders bezeichnet haben. Ich kämpfe hier für Frauenrechte, für die Gleichberechtigung von Frauen. Dass er mir ein Spiel genommen hat, weil ich ‹Dieb› gesagt habe, war aus meiner Sicht sexistisch. Er hat noch nie einem Mann ein Spiel weggenommen, weil der ‹Dieb› gesagt hat. Das bekomme ich nicht in den Kopf.»
Serena Williams
Die ganze Pressekonferenz von Serena Williams.Video: YouTube/ESPN

Unterstützung erhielt Serena Williams nach der Partie etwa vom ehemaligen Top-10-Spieler James Blake. Er schrieb auf Twitter, dass er bereits schlimmere Sachen gesagt habe und dafür nicht bestraft worden sei.

Bei Williams schien sich in den letzten Wochen viel Frust angestaut zu haben, der nun rausplatzte. So wurde ihr zum Beispiel verboten, an den kommenden French Open den Catsuit zu tragen, weil sie mit diesem Outfit den Sport nicht respektiere. Auch die Verwarnung gegen Alizé Cornet, weil diese kurz ihr Shirt drehte während des Spiels, konnte Williams nicht verstehen, wie sie gestern zu Protokoll gab. 

«Ich werde weiter für Frauen kämpfen, für uns kämpfen. Alizé Cornet etwa sollte auf dem Platz ihr Shirt ausziehen dürfen, ohne bestraft zu werden. Das ist abscheulich! Das, was ich erdulden muss, ist ein Beispiel für die nächste Person, die ihre Emotionen ausdrücken will, um eine starke Frau zu sein. Nach heute werden sie es dürfen. Vielleicht hat es nicht für mich funktioniert, aber es wird für die nächste funktionieren.»
Serena Williams

(cma)

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