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President-elect Donald Trump, left, and chief strategist Steven Bannon, right, talks as they attend a meeting at Mar-a-Lago, in Palm Beach, Fla., Wednesday, Dec. 21, 2016. (AP Photo/Andrew Harnik)

Trump und Chefstratege Bannon, im Dezember 2016, nach erfolgreicher Wahl. Bild: AP

Firma verwendet für Trumps Wahlkampf missbräuchlich Daten von 50 Millionen Facebook-Usern

Cambridge Analytica soll Facebook-Daten für den Trump-Wahlkampf nutzbar gemacht haben. Dies enthüllt ein Whistleblower. Jetzt interessiert sich die Justiz in Grossbritannien und den USA für den Fall.



«Ich habe Steve Bannons Tool zur psychologischen Kriegsführung geschaffen.»

Christopher Wylie, Whistleblower

Der «Guardian» liess am Samstag eine journalistische Bombe platzen. Zwei britische Journalistinnen enthüllen in einer Artikel-Serie unter dem Titel «The Cambridge Analytica Files», wie die persönlichen Daten von bis zu 50 Millionen Facebook-Usern missbräuchlich verwendet worden seien, um ein Tool zur Beeinflussung von Wahlen zu kreieren.

Das Tool soll auf Anweisung von Steve Bannon bei den US-Präsidentschaftswahlen 2016 eingesetzt worden sein und könnte Donald Trump mit zum Sieg verholfen haben. Und auch die Brexit-Abstimmung, also den folgenschweren Ausstieg Grossbritanniens aus der EU, könnte das Tool beeinflusst haben.

Nach dem Bericht des «Observer» hat Cambridge Analytica Daten von Facebook-Mitgliedern 2014 ohne deren Zustimmung genutzt, um ein Programm zu erstellen, mit dem Wahlentscheidungen vorhergesagt und beeinflusst werden können. Durch das Programm erstellte Nutzerprofile hätten es erlaubt, ihnen personalisierte Wahlwerbung zukommen zu lassen.

Auch die «New York Times» wartete mit Enthüllungen zu einem möglicherweise grossen Skandal auf. Auf einen Bericht am Freitagabend (US-Ortszeit) folgt diese Schlagzeile:

Image

screenshot: nytimes.com

Die Staatsanwaltschaft des US-Bundesstaates Massachusetts hat Ermittlungen gegen die Datenanalysefirma Cambridge Analytica eingeleitet. Anlass dafür seien Berichte, Cambridge Analytica habe private Information von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern ausgewertet und mit den Analyse-Ergebnissen den Wahlkampf von Donald Trump unterstützt.

«Die Bewohner von Massachusetts erwarten umgehend Antworten von Facebook und Cambridge Analytica. Wir beginnen mit Ermittlungen», twitterte die Generalstaatsanwältin Maura Healey.

Berüchtigter Name

Die Firma Cambridge Analytica dürfte spätestens seit Dezember 2016 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sein. Damals berichtete «Das Magazin» über deren angebliche Big-Data-Wunderwaffe, die es ermöglichen soll, Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook «minutiös zu analysieren».

Der entsprechende Tagi-Magi-Artikel sorgte für ein gewaltiges Echo und wurde auch heftig kritisiert. Die Autoren selber relativierten später und schrieben, sie hätten die Behauptungen des Psychologen Michal Kosinski, einem führenden Experten für Psychometrik, zu wenig kritisch hinterfragt.

Das Zauberwort lautet Micro-Targeting: Potenzielle Wählerinnen und Wähler werden psychologisch analysiert, um sie mit personalisierter Wahlkampfwerbung in den sozialen Netzwerken einzudecken. Anhand von Facebook-Likes soll es möglich sein, die sexuelle Orientierung, Rasse, Geschlecht der User – und sogar Intelligenz und Kindheitstraumata herauszulesen. Diese höchst privaten Informationen dienen dazu, Individuen mit massgeschneiderten Botschaften zu manipulieren.

Wie sich nun herausstellt, könnte mehr hinter dem Tool stecken, als manche Kritiker meinten: Ein ehemaliger Mitarbeiter von Cambridge Analytica hat dem «Guardian» als Whistleblower über Monate Detailinformationen geliefert.

Laut «Guardian» hat Cambridge Analytica Millionen Facebook-Profile von US-Wählern gesammelt und verwendet, um eine leistungsstarke Software zu entwickeln. Mit ihr könne man Entscheidungen an der Wahlurne vorhersagen und beeinflussen.

Facebook widerspricht der Darstellung, dass Daten von 50 Millionen Usern missbräuchlich verwendet wurden und behauptet, es seien deutlich weniger User betroffen.

Gleichzeitig gab das US-Unternehmen am Freitag bekannt, dass es Cambridge Analytica und den Wissenschaftler Aleksandr Kogan (siehe Akteure unten) von der Plattform suspendiert habe, bis Informationen über den Missbrauch von Daten im Zusammenhang mit einem «Forschungsprojekt» vorliegen.

Was wir wissen: Der Psychologieprofessor hatte 2015 mit einer App für Persönlichkeitsprognose («thisisyourdigitallife») per Facebook-Login Benutzerdaten gesammelt und ausgewertet – im Einklang mit Facebooks Richtlinien. Dabei konnte er auch Daten von Facebook-Freunden sammeln.

Kogan soll die Daten an Dritte weitergeleitet haben, unter anderem an Cambridge Analytica, und damit gegen die Plattform-Richtlinien verstossen haben. Und er soll der Aufforderung zur Löschung der Daten nicht nachgekommen sein.

Noch ist das ganze Ausmass der Enthüllungen nicht klar und die Auswirkungen sind nicht abzuschätzen.

In Grossbritannien laufen laut «Guardian» zwei Untersuchungen im Zusammenhang mit Cambridge Analytica, unter anderem wegen Datenschutz-Verstössen.

Und auf der anderen Seite des Atlantiks werden Vorgänge rund um die US-Präsidentenwahl untersucht. Sonderermittler Robert Mueller soll sich für die Firma interessieren. Er ist damit beauftragt, die mögliche Einflussnahme Russlands auf die Präsidentschaftswahlen unter die Lupe zu nehmen.

Update: Mittlerweile ist in den USA eine Online-Petition lanciert worden, die Auskunft verlangt von Facebook:

Das sind die wichtigsten Akteure und Namen

Cambridge Analytica, Datenanalyse-Firma mit Sitz in New York

Versucht durch Big Data auf die soziale Stellung und politische Einstellung von Individuen zu schliessen, um diese zu beeinflussen. Der Firmenname rührt von der Zusammenarbeit mit Psychometrikern der britischen University of Cambridge.

Facebook, US-Konzern, weltgrösstes Social-Media-Netzwerk.

Laut «Guardian» wurden zwischen 2014 und 2016 die Daten von 50 Millionen Usern ohne deren Zustimmung genutzt. Die britische Zeitung schreibt von einer der bislang «grössten Datenpannen». Die Daten seien von Cambridge Analytica missbräuchlich verwendet worden, um US-Wähler zu beeinflussen.

Image

screenshot: guardian

Global Science Research (GSR)

Firma, die mit Cambridge Analytica kooperiert hat. Gründer und Geschäftsführer ist Aleksandr Kogan.

SCL Elections Ltd

Tochterfirma von Cambridge Analytica. Ging laut «Observer» eine kommerzielle Vereinbarung mit GSR ein, zwecks Erfassung und Verarbeitung von Facebook-Daten.

Michal Kosinski, Wissenschaftler, Cambridge University

Experte für Psychometrie.

Aleksandr Kogan, Wissenschaftler, Cambridge University

Psychologie-Professor. Hat einen Online-Persönlichkeitstest entwickelt, den hunderttausende Facebook-User freiwillig absolvierten und damit nicht nur persönliche Daten preisgaben, sondern auch die Daten ihrer Facebook-Freunde.

Kogan hat laut «Guardian» russische Stipendien für Forschungszwecke in Anspruch genommen und besass von Facebook eine Lizenz zum Sammeln von Profildaten, allerdings nur zu Forschungszwecken. Indem er die User-Daten für kommerzielle Zwecke aufsaugte, habe er gegen die Bestimmungen des Social-Media-Unternehmens verstossen.

Donald Trump, US-Präsident

Setzte im Wahlkampf auf die Dienste von Cambridge Analytica.

Robert Mercer, Hedgefonds-Milliardär und Informatiker

Hat sein Vermögen durch Software gemacht, die mit «Predictive Modeling» die Entwicklung von Aktienkursen prognostiziert. Er ist der Hauptfinancier von Cambridge Analytica. Ehemaliger Geldgeber von Steve Bannon, bis zum Zerwürfnis Anfang 2018.

Steve Bannon, Ex-Berater von Trump

Sass im Verwaltungsrat von Cambridge Analytica und vermittelte die Dienste der Firma für Trumps Wahlkampf 2016. Ab August 2016 leitete er die Wahlkampagne.

Christopher Wylie, Whistleblower

Ex-Mitarbeiter von Cambridge Analytica.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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    Alle Leser-Kommentare
  • Billy the Kid 19.03.2018 16:05
    Highlight Highlight Ich liebe das Internet - aber bei diesem ganzen Facebookbullshit habe ich nie mitgemacht. Es ist ein Skandal, dass so ein Typ wie Zuckerberg zu den reichsten Menschen der Welt gehört - weit vor Elon Musk und anderen tatsächlich begabten Zeitgenossen. Facebook - eine leicht weiterentwickelte "myspace"-Variante (mit freundlicher Unterstützung der NSA) - und Milliarden Leute haben nichts besseres zu tun als sich damit die Zeit totzuschlagen und ausspioniert zu werden (offensichtlich auch von privater Seite).
  • My Senf 18.03.2018 16:05
    Highlight Highlight Das Problem ist weder Trump noch die Cambridge Analytica!

    Das Problem ist Facebook & Co.

    Ja ok die Nutzer die alles preisgeben sind zT auch selber schuld. Aber darauf baut ja das system von fb&co

    "einfache Leute" (die Masse also), die sich nichts dabei denken stories mit Ihren Kollegen zu Teilen. Die gluben sogar was fb&co echt gratis ist!

    Wäre ich ein Verschwörungsanhänger...

    Der Letzte Bourne trifft es zumindest dieses ziemlich gut mit Deep Dream (der Rest ist so ziemlich unnötig)
  • zeromaster80 18.03.2018 11:02
    Highlight Highlight Ich lese Watson um zu wissen was "die andere Seite" denkt. Fazit: Sie stürzt sich aber auf jeden Strohhalm um die eigene Haltung zu festigen und das ganze wird als "Qualitätsjournalismus" bezeichnet. Alle Artikel zu Themen wie Trump sind mehr als nur Tendenziös und während ihr pro Tag 2-3 (!) Artikel gegen Trump rausballert, um ie Bedürfnisse der Leserschaft zu befriedigen, kommt ein Artikel wie etwas Werbung den Unterschied gemacht hat... Weil das mehr bringt als massive Kampagnen der Presse? Lasst es Blitze hageln ;-)
    • swisskiss 18.03.2018 20:31
      Highlight Highlight Die kritische Auseinandersetzung mit Trumps Handeln,das Aufzeigen der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit trumpscher Aussagen, der Einflussnahme konservativer Kräfte von heritage foundation über Mercer bis zu Blackwaters Prince, dem Bruder von Betty de Voes, als Klassenkampf zu definieren " die andere Seite" verhindert grundsätzlich den freien Blick, wenn jeder Artikel unter der Prämisse betrachtet wird, dass die nur der Versuch der linken MSM ist Meinung gege Trump zu machen. Das greift zu kurz und entspricht nicht der Intention der meisten Trump Kritiker.
  • Lester McAllister 18.03.2018 09:59
    Highlight Highlight Nicht das ich solche Praktiken gutheisse, aber wer sich hauptsächlich über FB informiertert und den ganzen Dreck auch noch glaubt, der sollte vieleicht auch nicht abstimmen dürfen.
  • pravda 18.03.2018 09:56
    Highlight Highlight Willst Du wissen was DU so ins Netz bläst?
    Kein Facebook und trotzdem fütterst DU FB mit Deinen Daten.
    https://vimeo.com/243098420
    http://pravdabox.net/

    Mit lieben Grüssen aus Moskau
  • walsi 18.03.2018 09:16
    Highlight Highlight Es ist schon erstaunlich wie verzweifelt die Leute nach einer Erklärung suchen weshalb Trump gewonnen hat. Es nimmt schon fast religiöse Züge an. Weil es einfach nicht sein kann, dass dieser Trottel die clevere Clinton bezwang. Zuerst heisst es die Russen waren es nur konnte bis heute noch kein wirklicher Beweis geliefert werden, ausser 13 Facebookaccounts.

    Akzeptiert doch einfach, dass Clinton so eine lausige Kandidatin war, dass die Leute lieber Trump wählten.

    Nebenbei, Clinton hätte garantiert keine Skrupel gehabt solche Daten auszunutzen, wenn sie die Gelegenheit bekommen hätte.
    • mostlyharmless 18.03.2018 15:44
      Highlight Highlight Diese Zahl, 13... die war doch für was anderes als für Facebook-Accounts.
      Hmmm.... Wenn man doch nur irgendwo nachsehen könnte.
  • Sophon 18.03.2018 09:04
    Highlight Highlight Ich gehöre nicht zu den Leuten, die das Rad der Zeit zurückdrehen wohlen. Jedoch bei Social-Media hab ich schon meine Zweifel ob bei einer Schaden / Nutzenanalyse der Nutzen gerechtfertigt werden kann.
  • rodolofo 18.03.2018 08:27
    Highlight Highlight Immerhin findet diese Vergangenheits-Bewältigung jetzt statt!
    Und diese Fälle von "Organisiertem Verbrechen" in Rechtlichen Grauzonen, welche sich mit den neuen Technologien mit Internet und Social Media auftun, zeigen wieder einmal deutlich, wie wichtig eine funktionierende 4. Gewalt mit ausreichender Medien-Vielfalt als Grundversorgung einer Demokratie ist!
    Natürlich ist uns allen klar, dass auch diese Medien dauernden Manipulationsversuchen ausgesetzt sind.
    Wir müssen einfach versuchen, den dauernden Angriffen durch totalitäre Mächte standzuhalten, so unangenehm das auch sein mag...
  • The Origin Gra 18.03.2018 03:00
    Highlight Highlight Es kommt immer mehr Dreck zutage.der Tagi Artikel beunruhigte mich schon damals, möglich wäre es durchaus gewesen fragt sich nur wie Effizient das war und wie sehr das die Wahl beeinflusst hat
  • Thomas Bollinger (1) 18.03.2018 01:20
    Highlight Highlight Komisch, ich dachte es waren die Russen? Vielleicht sind die da, wo die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein sind, nämlich im Märchenland?
    • rodolofo 18.03.2018 08:29
      Highlight Highlight Es waren nicht nur "die Russen".
      Aber "die Russen" mischten da nach Kräften mit.
      Bist Du jetzt zufrieden?
  • Pianovilla 18.03.2018 00:22
    Highlight Highlight Robert Mercer ist längst nicht mehr Bannon's Freund. Mercer's Gattin Rebekah ist nämlich glühende Trump-Unterstützerin und die Hauptgeldgeberin von Breitbart News. Sie hat persönlich Bannon bei Breitbart nach dessen Rückkehr dorthin abgesägt bzw. seinen Rauswurf gefordert. Dies als Vergeltungsaktion dafür, dass Bannon dem Autor Michael Wolff für dessen Buch "Fire and Fury" dermassen viele - für Trump wenig schmeichelhafte - Interna verraten hat. Mercers sind aber natürlich Trump's Freunde. Milliardäre unter sich.
    • @schurt3r 18.03.2018 07:06
      Highlight Highlight Das Zerwürfnis wurde Anfang 2018 publik.
      https://www.watson.ch/!213249333

      Habs ergänzt.
    • Butzdi 18.03.2018 09:35
      Highlight Highlight Klar sind die Mercers und Trump sich zugewandt (so Leute haben keine Freunde): Trumps Steuergeschenk an die Reichen hat die Mercer Wahlkampfspenden hundertfach zurückgezahlt. Nennt sich Oligarchie und funktioniert in Russland bestens - wenn man den obersten 1% angehört.
    • Crissie 18.03.2018 10:19
      Highlight Highlight Rebekah ist nicht die Ehefrau sondern die Tochter von Robert Mercer.
    Weitere Antworten anzeigen
  • nick11 18.03.2018 00:15
    Highlight Highlight Ich frage mich bei diesen Diskussionen immer, ob sich die Menschen wirklich so stark durch gezielte Werbung beeinflussen lassen. Gibt es dazu aussagekräftige Studien?
    Ich würde für mich selbst behaupten, dass dies nicht funktioniert...
    • Saraina 18.03.2018 06:29
      Highlight Highlight Nein, ich denke dass Firmen aufs Geratewohl hin riesige Summen in Marketing schütten und denken "vielleicht nützt's ja was..."
      Ironie off
    • mostlyharmless 18.03.2018 06:53
      Highlight Highlight Wenn einen nur kurz zwischen SMS lesen und Smalltalk in der Kaffeepause ein massgeschneidertes (natürlich nicht als Werbung gekennzeichnetes) dramatisches Bild oder ein starkes Zitat erreicht, immer und immer wieder… Könnte möglich sein, oder?
      Oder wie konnte soviel Misstrauen gegenüber seriöser journalistischer Arbeit aufkommen?
      Wenn immer wieder etwas wiederholt wird, kanns für manche zur Wahrheit werden.
    • lilie 18.03.2018 07:10
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