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Ein kurzer Rock: weder Einladung noch Provokation.
Ein kurzer Rock: weder Einladung noch Provokation.
Bild: Shutterstock
Kommentar

Hört auf, mir zu sagen, was ich anziehen soll

Warum ich von Hosen unter Röcken, von provozierenden Crop-Tops und zu langen Shorts einfach nichts mehr lesen will.
21.07.2021, 19:5623.07.2021, 06:02

Es ist gerade ein bisschen anstrengend. Jeden Morgen wache ich auf und lese irgendwo, wie ich mich anziehen soll.

Ich lese in einem Printmedium, wie mir ein gleichaltriger Berufskollege mansplained, dass ich mein Décolleté im Club nicht wie am Strand präsentieren soll und unter meinen Rock eine kurze Hose gehört.

Ich lese vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der darüber sinniert, dass das Tragen von Crop Tops in den Schulen keinen Platz haben soll. Denn alles, was provoziert, gehört da nicht hin.

Ich lese über norwegische Beachhandballerinnen, die 1500 Euro Strafe zahlen müssen wegen unangemessener Bekleidung. Ihre Shorts waren an den Seiten breiter als die im Reglement festgeschriebenen zehn Zentimeter.

Ich lese und lese und frage mich: Bin ich selbst schuld, wenn ich mich vor den lüsternen Blicken der Männer nicht schütze? Bin ich selbst schuld, wenn ich mit einem kurzen Rock tanzen gehe und angefasst werde? Bin ich selbst schuld, wenn ich mit meinem bauchfreien Shirt jemanden provoziere? Und bin ich selbst schuld, wenn sich niemand mehr für meinen Sport interessiert, weil ich zu wenig Haut zeige?

Ich glaube, die Antworten auf diese Fragen zu wissen. Sie lautet: Nein. Es ist nicht meine Aufgabe, mich anständig anzuziehen, damit sich die andere Hälfte der Bevölkerung beherrschen kann. Es liegt nicht an mir, mich sexy zu kleiden, dass andere mir überhaupt zuschauen wollen.

Ich habe – gelinde gesagt – die Schnauze voll. Ich habe es satt, dass ich mir immer wieder sagen lassen muss, wie ich mich zu verhalten habe, dass mir nichts passiert. Dass mein Körper als Spielball missbraucht wird, auf ihm Kämpfe ausgetragen werden. Dass er sexualisiert und «prüdisiert» wird.

Ich hätte da einen Vorschlag. Wie wäre es, wenn ich anstatt über das richtige Verhalten von Opfern im Ausgang über das falsche Verhalten von Tätern lese? Wenn an französischen Schulen anstatt eines Crop-Top-Verbots über das verzerrte Bild von Sex in Pornos gesprochen wird? Wenn die Länge der Shorts von Sportlerinnen keine Rolle mehr spielt, sondern nur noch deren Leistung?

Das jedenfalls würde mir das Aufstehen morgens erheblich weniger anstrengend machen.

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Sexismus in den Medien

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quelle: shutterstock / screenshot blick / bearbeitung watson
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