On-Schuhe-Fabrik in Indonesien zahlt Mindestlohn

On-Näherinnen verdienen im Monat so viel, wie ein Paar Schuhe kostet

130 Franken erhalten Näherinnen in Indonesien, die für einen Zulieferer des Schuhherstellers On arbeiten. Das zeigen Recherchen einer NGO. Auch sonst werden die Arbeitsbedingungen heftig kritisiert. Die Schuhfirma reagiert – erneut.
18.06.2026, 11:3418.06.2026, 11:34

Für die Schuhfirma On läuft es bestens: 2025 konnte erstmals ein Umsatz über 3 Milliarden Franken erzielt werden und auch 2026 läuft es erfreulich. Gute Nachrichten für die Verantwortlichen des Unternehmens. Doch am anderen Ende der Hierarchie sieht es anders aus. Die NGO Public Eye hat in Indonesien bei Zulieferern des Schuhherstellers recherchiert und Missstände aufgedeckt, wie der Tages-Anzeiger berichtet. Auch andere Marken wie New Balance oder Asics lassen hier Schuhe produzieren.

Turnschuhe der Schweizer Sportmarke On, fotografiert am 26. August 2021 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Das Label «Swiss Engineering» wird von einem Subunternehmen in Indonesien angebracht.Bild: KEYSTONE

Viele Arbeiterinnen und Arbeiter erhalten einen Mindestlohn von 2,9 Millionen indonesischen Rupiah, was knapp 130 Franken entspricht. Also so viel, wie man hierzulande für ein Paar On-Schuhe bezahlt. Zum Leben reicht dieser Lohn allerdings nicht, erzählt eine Näherin im Bericht.

Beim Zulieferer Yihong seien zudem unbezahlte Überstunden, Belästigungen, unrechtmässige Kündigungen oder fehlende schriftliche Verträge festgestellt worden. Viele Arbeitnehmende würden Schulden auf sich nehmen, um über die Runden zu kommen. Die Firma sei im Besitz chinesischer Investoren und habe sich auf Färbe- und Druckprozesse spezialisiert. Hier werde beispielsweise von Hand auch das Schweizerkreuz oder das Label «Swiss Engineering» am Schuh angebracht.

yihong schuhfabrik indonesien on shuhe
Die Firma Yihong hat ihre Produktionsstätte nahe der Stadt Cirebon auf der Insel Java.Bild: Google Street View

Als sich die Arbeiterinnen und Arbeiter zu wehren begannen und eine Gewerkschaft bildeten, seien sie unter Druck gesetzt worden. Wer sich weigerte, auszutreten, sei entlassen worden, heisst es in der Reportage. Es kam zu Protesten, die Angestellten seien vom Management als Störefriede bezeichnet worden.

Die bei Yihong hergestellten Teile gehen weiter an den Hauptlieferanten von On, Long Rich, wo auch die Näherin arbeitet. Hier wird der Mindestlohn gezahlt, der, wie erwähnt, nicht zum Leben reicht. Zudem würden Arbeitnehmende angeschrien.

Der Eingang zum Fabrikgelände, wo auch Long Rich für On produziert. Cirebon Indonesien Schuhe
Der Eingang zum Fabrikgelände, wo Long Rich für Schuhfirmen wie On produziert.Bild: Google Street View

Mit diesem Umstand konfrontiert, erklärt der Schuhhersteller, dass man nichts von den tiefen Löhnen bei Long Rich gewusst habe, da eine entsprechende Analyse noch nicht abgeschlossen sei. Mittlerweile habe man diesen Missstand erkannt. Es liefen Gespräche, um dies zu ändern. Auch andere Missstände sollen angegangen werden, etwa die Einschüchterung von Angestellten.

Auch bei Subunternehmen soll es zu Veränderungen kommen: «Wir prüfen, wie wir das Konzept der existenzsichernden Löhne auch auf Sublieferanten ausweiten können», sagt eine Sprecherin zum «Tages-Anzeiger».

Der Druck von On und anderen Schuhfirmen hat schon einmal Erfolg gezeigt. Nachdem die Firmen von Public Eye auf die unrechtmässigen Entlassungen von Gewerkschaftsmitgliedern beim Subunternehmen Yihong aufmerksam gemacht worden waren, wurden Bestellungen sistiert, «bis die Firma nachgewiesen hat, dass sie die festgestellten Verstösse vollständig behoben hat», erklärt die On-Sprecherin. Diese betrafen auch Standards für verantwortungsbewusste Beschaffung. Yihongs Management erklärte damals gegenüber Public Eye: «Wir haben unsere Lektion gelernt.»

Das Problem: Die Menschen in der Region sind abhängig von den Firmen. Werden die Löhne aufgrund des Drucks der Schuhfirmen angehoben, fürchten viele einen Wegzug der Fabriken Richtung billigerer Regionen. Die Schuhindustrie habe jedoch in einer Region bereits die Landwirtschaft und die Fischerei verdrängt. Ziehen die Firmen weg oder werden Menschen entlassen, bleiben ihnen kaum Alternativen. (vro)

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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insert_brain_here
18.06.2026 12:32registriert Oktober 2019
“Wir sind schockiert, dass der billigste Hersteller den wir weltweit gefunden haben unmenschliche Arbeitsbedingungen bietet!” 🙄
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Chrisbe
18.06.2026 12:21registriert Oktober 2019
Ob das den Besitzern und Investoren bei ON schlaflose Nächte bereitet?
Ich denke nicht.
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mrmikech
18.06.2026 12:18registriert Juni 2016
Ein ganz wilder Gedanke: Wie wäre es, wenn diese Schuhhersteller ihre eigenen Werkstätten errichten und den Menschen dort gute Löhne zahlen würden?

So schwierig kann das nicht sein. Oft wirken die Erklärungen eher wie bequeme Ausreden, damit Eigentümer und Anleger möglichst hohe Gewinne erzielen können.
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