Schutzgeld, Drogen und Menschenhandel: Wie Mexikos Kartelle von der WM profitieren
Unzählige Menschen reisten diesen Sommer nach Mexiko an die Fussball-WM. Nicht nur das Gastgewerbe freute sich über die Mehreinnahmen, sondern auch die organisierte Kriminalität erhielt dadurch Aufwind. «Die kriminellen Gruppen haben die Weltmeisterschaft genutzt, um ihre Aktivitäten zu steigern», erzählt David Sauceda, Berater für Sicherheits- und öffentliche Politik, gegenüber RSI.
Fussballtouristen brachten Bargeld nach Mexiko. Das erhöhte Kundenaufkommen in Restaurants und Bars erleichterte es kriminellen Organisationen, in den von ihnen kontrollierten Geschäften Geld zu waschen. Geld aus kriminellen Aktivitäten.
Vielerorts stiegen die Preise für Übernachtungen aufgrund der WM an. Gleichzeitig hat auch die Erpressung von Schutzgeldern im Tourismus- und Gastgewerbe zugenommen. Besitzer von Hotels und Ferienwohnungen müssten den kriminellen Organisationen mehrere Hundert bis Tausend Franken pro Woche abtreten, berichtet Sauceda.
Nebst erhöhten Mehreinnahmen aus legalen Wirtschaftszweigen gediehen auch illegale Geschäfte. Kreditkartenbetrug, Identitätsdiebstahl und organisierte Handydiebstähle nahmen zu. Zeitgleich stieg die Nachfrage nach Drogen und Prostitution an. Frauen aus Kolumbien und Venezuela würden von Kartellen über Menschenhandelsnetzwerke zur sexuellen Ausbeutung in WM-Austragungsorte gebracht, erzählt Saucedo dem RSI.
Während das Geschäft krimineller Organisationen floriert, habe die Anzahl Morde im ganzen Land abgenommen. Da weder Festnahmen hochrangiger Drogenhändler noch grössere Drogenbeschlagnahmungen zu verzeichnen waren, vermutet Saucedo eine Art Waffenstillstand zwischen der Polizei und den Kartellen.
Diese Ruhe sei jedoch nicht von langer Dauer, meint Sicherheitsunternehmer Alberto Islas. «Was wir sehen werden, ist die Fortsetzung des Kampfes zwischen den Kartellen um die Kontrolle der Territorien», sagt er mit Blick auf das Ende der Weltmeisterschaft. (nil)
