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Jeder hat irgendwie Dreck am Stecken. 
bild: kafi freitag

FragFrauFreitag

Liebe Kafi. Mein Chef betrügt seine Frau und ich weiss davon. Was nun?



Ich arbeite als Executive Assistant und kümmere mich um sämtliche Anliegen meines Vorgesetzten. Er hat ein Kind und ist verheiratet. Ich habe nun durch einen dummen Zufall eindeutige E-Mails gelesen und somit erfahren, dass er seine Frau seit Jahren betrügt. Wie muss ich mich verhalten? Muss ich es ihm sagen, dass ich davon weiss? Seine Frau zu informieren ist für mich keine Option, da mich sein Privatleben eigentlich gar nichts angeht. Jedoch ist die geschäftliche Zusammenarbeit für mich so sehr schwierig. Ich weiss von seinem Doppelleben, ohne dass ich das wollte. Fiona, 33

Liebe Fiona

Was für eine blöde Situation, in der Sie da stecken, Ich kann Ihnen sehr gut nachfühlen, wie unangenehm das sein muss. Mich ärgert es gerade, dass er Sie in eine dermassen missliche Lage bringt, nur weil er zu doof ist, seine Untreue anständig geheim zu halten.

Natürlich habe ich mich gefragt, wie ich an Ihrer Stelle handeln würde, aber ich kann Ihnen leider keinen wirklich gut durchdachten Rat geben, die Situation gibt wenig Lösungsorientiertes her. Ausser natürlich, ihn zu erpressen, das sollten Sie unbedingt im Hinterkopf behalten, man weiss ja nie.

Nein ernsthaft. In der Regel werden die Überbringer von schlechten Nachrichten geköpft. Es ist darum sicher weise, seiner Frau nichts davon zu sagen. Und ja, Sie haben ganz recht, es geht Sie wirklich nichts an. Dennoch belastet Sie dieses Wissen und Sie müssen damit nun klarkommen. 

Ob es sinnvoll ist, mit ihm darüber zu reden, kann ich beim besten Willen nicht abschätzen. Es könnte gut sein, dass Ihnen das gleiche Schicksal blüht, wie dem oben erwähnten Überbringer und Sie ihren Job verlieren. Schliesslich bedeuten Sie mit diesem Wissen auch ein Risiko für Ihren Chef. Und irgendwie würden Sie sich dadurch auch zu einer Art Komplizin machen, nicht? Sie stecken dann auch ein bisschen mit ihm unter dieser Decke, die eh schon viel zu gross ist für sein Ehebett. Und das würde ich an Ihrer Stelle auf gar keinen Fall wollen!

Vielleicht gehört diese Art von Diskretion auch zu Ihrem Berufsbild, frage ich mich überdies ...



Darum habe ich mich soeben gefragt, ob es das Beste und Professionellste wäre, wenn Sie so tun, als hätten Sie das alles nie gesehen. Es ist nicht Ihre Sache und Sie haben aus keinem Blickwinkel der Geschichte einen Vorteil, wenn Sie Ihrem Chef sagen, dass Sie Bescheid wissen. Natürlich können Sie nun einwenden, dass Sie sich so auch zur Komplizin machen und natürlich hätten Sie mit diesem Einwand nicht ganz unrecht. Aber wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir uns doch eingestehen, dass jeder Mensch in irgend einer Art etwas Dreck am Stecken hat und dass Sie vermutlich keinen Vorgesetzten finden werden, der so rein ist, wie es sein blütenweisses Einstecktuch vorzugaukeln versucht. Vielleicht gehört diese Art von Diskretion auch zu Ihrem Berufsbild, frage ich mich überdies ...

Es tut mir leid, wenn ich Ihnen darum sagen muss, dass Sie am besten versuchen, es auf dem Konto «menschliche Abgründe» abzubuchen und dann wieder vergessen. In vielen anderen Situationen hätte ich Ihnen geraten, den Guten damit zu konfrontieren. Aber hier sehe ich wirklich nur Nachteile für Sie und das ist es auch, was mich grad so hässig macht. Er baut die Scheisse und Sie müssen das Ganze nun auslöffeln. Das ist nicht fair, aber es nun mal leider so.

Unsere Welt und wir Menschen, wir sind nicht perfekt. Er nicht und ich nicht und Sie vermutlich auch nicht. Können Sie versuchen, es dabei zu belassen?

Mit herzlichem Gruss! Ihre Kafi.

Fragen an Frau Freitag? ​ 

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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Sälber tschuld! Hier nachlesen!

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Bild: Kafi Freitag

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Poke2016 21.07.2016 14:28
    Highlight Highlight Aber hallo!
    Sind da alles auch Fremdgeher, dass sie so eine Meinung haben? Ich kenne einen Fall, da hat sie ihn über 4 Jahre betrogen mit verschiedenen Typen, war Mätresse. Er war treu, hat alles gemacht für die Familie. Viele Freunde, die ihre Eltern, ja ein paar Nachbarn wussten davon - keiner sagte dem Mann was, nicht mal einen Tipp erhielt er. Als er sie dann erwischte, sich trennte weil er das Ausmass nicht mehr verkraften konnte, und dann erkannte wie viele Leute davon wussten - nun sind auch diese Geschichte in seinem Leben. Musste das sein? Familie weg, Freunde und Nachbarn halbiert...
  • Spooky 22.02.2016 23:59
    Highlight Highlight Liebe Fiona 33

    Sag nichts! Lass deinen Vorgesetzten sein Leben leben! Verschone ihn vor deiner altertümlichen Moral! Der Mensch ist nicht für die Treue geschaffen. In 100 Jahren wird es keine Zweierbeziehungen mehr geben. Zweierbeziehungen sind nicht mehr zeitgemäss. Die Leute wissen es nur noch nicht.

    Und übrigens: Vielleicht weiss seine Frau von den Eskapaden ihres Mannes, aber es ist ihr egal, weil sie selber auch fremdgeht. Also, nicht dreinschiessen!
  • oldman 19.02.2016 12:42
    Highlight Highlight @Micha Moser: Danke für den Clip; kannte ihn nicht. Falls Fiona genug Coolness hat und ihr eine allfällige Kündigung egal wäre, soll sie doch den Videoclip kommentarlos ihrem Chef mailen.
  • Bruno Wüthrich 19.02.2016 10:13
    Highlight Highlight Diese Frage wird vom Gefühl anders beantwortet als vom Kopf. Nur deshalb hat die Fragestellerin Schwierigkeiten. Dem Kopf müssen wir keine Anwort geben, denn der weiss, was zu tun ist: Nämlich gar nichts, weil die Beziehungen des Chefs die Mitarbeiterin rein gar nichts angehen.
    Beim Gefühl ist dies anders. Zu einem Vorgesetzten, mit dem man eng zusammen arbeiten muss, hat man (frau) eine persönliche Beziehung. Obwohl nicht sexueller Natur, ist diese ziemlich eng (geht gar nicht anders). Da kann ein solches Wissen (v.a. frau) massiv belasten. Ob zu sehr, weiss nur die Fragestellerin.
  • SanchoPanza 18.02.2016 21:57
    Highlight Highlight liebe Kafi - schöns Bild 😉
    • kafi 18.02.2016 22:12
      Highlight Highlight Vielen Dank! Das ist der Giessbach, der in den Brienzersee mündet. Toller Ort!
    • SanchoPanza 18.02.2016 22:39
      Highlight Highlight leider viel zu weit weg von mir, aber wirklich hübsch 😊
    • Cityslicker 19.02.2016 02:02
      Highlight Highlight Ein Foto von der Hochzeitslocation... So schön ironisch;-)
  • manhattanportage 18.02.2016 21:39
    Highlight Highlight ich schliesse mich frau freitag an, möchte aber noch eine überlegung ergänzen: wenn sie sich entschliessen nicht zu reagieren dann vergessen sie bitte alles. es darf niemals etwad dazu gesagt werden. auch nicht als witz bei einem büroapero. am ende entscheidet nur eine frage : haben sie trotz dieses wissens noch respekt für ihren chef? oder denken sie "wer seine frau belügt, der betrügt auch sonst"? dann würde ich gehen.
    aber ich empfehle es als betriebsunfall abzutun, denn schliesslich geht es nicht um freunde, sondern um "austauschbare krawatten". alles gute!
  • bobi 18.02.2016 21:29
    Highlight Highlight Ich finde es nicht ganz korrekt, dass Kafi schreibt der Chef habe Dreck am Stecken. Schliesslich kennt sie seine Geliebte nicht ;)
  • Micha Moser 18.02.2016 21:24
    Highlight Highlight
    Play Icon
  • kliby 18.02.2016 21:18
    Highlight Highlight wer die nase in anderer menschen emails steckt, muss mit dem gewonnenen wissen leben können. sonst lässt er/sie es besser sein.
    • mia_zwellweger 18.02.2016 22:10
      Highlight Highlight das ist allerdings der job einer PA
  • atomschlaf 18.02.2016 18:18
    Highlight Highlight Ist gesichert, dass er seine Frau betrügt? D.h. dass er es heimlich tut und seine Frau nichts davon weiss?
    Es gibt auch Paare, die eine offene Beziehung führen, die sexuell mit anderen verkehren und trotzdem zusammen bleiben wollen, etc.
  • Matthias Studer 18.02.2016 17:56
    Highlight Highlight Zu schweigen und Diskretion bewahren gehört zum Job. Wer damit nicht klar kommt, muss sich nach einer anderen Stelle umsehen.
    • Tilman Fliegel 18.02.2016 19:57
      Highlight Highlight Oder eine saftige Lohnerhöhung verlangen 😆
  • juna 18.02.2016 16:48
    Highlight Highlight Ich würde ebenfalls nichts sagen und die Sache vergessen. Wenn du ihn damit konfrontierst kann er nur:
    1. Sich entschuldigen und beschämt über die Angelegenheit sein - geht es Dir dann wirklich besser?
    2. Dich feuern.
    3. Angst davor haben, dass du ihn irgendwann unter Druck setzt damit.
    4. Böse auf dich sein, weil du "herumgeschnuffelt" hast (auch wenn es nicht so war.)
  • Frausowieso 18.02.2016 15:55
    Highlight Highlight Mit so etwas umgehen zu können, ist Grundvoraussetzung für diesen Job. Du erhältst Einblick in sehr persönliche Bereiche Deines Chefs und er muss sich auf Dich verlassen können. Diskretion ist manchmal sehr schwer zu wahren und deshalb eignen sich auch nur wenige für diesen Beruf. Sein Privatleben geht Dich nichts an. Man mischt sich generell nicht in die Beziehung anderer ein.
    • Frausowieso 18.02.2016 18:17
      Highlight Highlight Naja, als ich das erste Mal in so einer Situation war, hatte ich auch Mühe. Ich würde zu dem Thema schweigen, denn : man sche*** nicht, wo man isst. Das gilt auch für jegliche sexuelle Beziehungen mit Vorgesetzten. Am Schluss zieht man immer den Kürzeren.

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