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Jeder hat irgendwie Dreck am Stecken. 
bild: kafi freitag
FragFrauFreitag

Liebe Kafi. Mein Chef betrügt seine Frau und ich weiss davon. Was nun?

18.02.2016, 15:0718.02.2016, 15:47

Ich arbeite als Executive Assistant und kümmere mich um sämtliche Anliegen meines Vorgesetzten. Er hat ein Kind und ist verheiratet. Ich habe nun durch einen dummen Zufall eindeutige E-Mails gelesen und somit erfahren, dass er seine Frau seit Jahren betrügt. Wie muss ich mich verhalten? Muss ich es ihm sagen, dass ich davon weiss? Seine Frau zu informieren ist für mich keine Option, da mich sein Privatleben eigentlich gar nichts angeht. Jedoch ist die geschäftliche Zusammenarbeit für mich so sehr schwierig. Ich weiss von seinem Doppelleben, ohne dass ich das wollte. Fiona, 33

Liebe Fiona

Was für eine blöde Situation, in der Sie da stecken, Ich kann Ihnen sehr gut nachfühlen, wie unangenehm das sein muss. Mich ärgert es gerade, dass er Sie in eine dermassen missliche Lage bringt, nur weil er zu doof ist, seine Untreue anständig geheim zu halten.

Natürlich habe ich mich gefragt, wie ich an Ihrer Stelle handeln würde, aber ich kann Ihnen leider keinen wirklich gut durchdachten Rat geben, die Situation gibt wenig Lösungsorientiertes her. Ausser natürlich, ihn zu erpressen, das sollten Sie unbedingt im Hinterkopf behalten, man weiss ja nie.

Nein ernsthaft. In der Regel werden die Überbringer von schlechten Nachrichten geköpft. Es ist darum sicher weise, seiner Frau nichts davon zu sagen. Und ja, Sie haben ganz recht, es geht Sie wirklich nichts an. Dennoch belastet Sie dieses Wissen und Sie müssen damit nun klarkommen. 

Ob es sinnvoll ist, mit ihm darüber zu reden, kann ich beim besten Willen nicht abschätzen. Es könnte gut sein, dass Ihnen das gleiche Schicksal blüht, wie dem oben erwähnten Überbringer und Sie ihren Job verlieren. Schliesslich bedeuten Sie mit diesem Wissen auch ein Risiko für Ihren Chef. Und irgendwie würden Sie sich dadurch auch zu einer Art Komplizin machen, nicht? Sie stecken dann auch ein bisschen mit ihm unter dieser Decke, die eh schon viel zu gross ist für sein Ehebett. Und das würde ich an Ihrer Stelle auf gar keinen Fall wollen!

Vielleicht gehört diese Art von Diskretion auch zu Ihrem Berufsbild, frage ich mich überdies ...



Darum habe ich mich soeben gefragt, ob es das Beste und Professionellste wäre, wenn Sie so tun, als hätten Sie das alles nie gesehen. Es ist nicht Ihre Sache und Sie haben aus keinem Blickwinkel der Geschichte einen Vorteil, wenn Sie Ihrem Chef sagen, dass Sie Bescheid wissen. Natürlich können Sie nun einwenden, dass Sie sich so auch zur Komplizin machen und natürlich hätten Sie mit diesem Einwand nicht ganz unrecht. Aber wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir uns doch eingestehen, dass jeder Mensch in irgend einer Art etwas Dreck am Stecken hat und dass Sie vermutlich keinen Vorgesetzten finden werden, der so rein ist, wie es sein blütenweisses Einstecktuch vorzugaukeln versucht. Vielleicht gehört diese Art von Diskretion auch zu Ihrem Berufsbild, frage ich mich überdies ...

Es tut mir leid, wenn ich Ihnen darum sagen muss, dass Sie am besten versuchen, es auf dem Konto «menschliche Abgründe» abzubuchen und dann wieder vergessen. In vielen anderen Situationen hätte ich Ihnen geraten, den Guten damit zu konfrontieren. Aber hier sehe ich wirklich nur Nachteile für Sie und das ist es auch, was mich grad so hässig macht. Er baut die Scheisse und Sie müssen das Ganze nun auslöffeln. Das ist nicht fair, aber es nun mal leider so.

Unsere Welt und wir Menschen, wir sind nicht perfekt. Er nicht und ich nicht und Sie vermutlich auch nicht. Können Sie versuchen, es dabei zu belassen?

Mit herzlichem Gruss! Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.



Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.



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Bild: Kafi Freitag
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