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grosse liebe altes paar

Bild: shutterstock

Yonnihof

Für immer und ewig! Gibt es die «grosse Liebe»?



«Wie alt bisch eigentlich?», fragte mich ein mir fern Bekannter kürzlich am runden Tisch, als man nach einem geselligen Nachtessen zusammen sass und immer wieder und immer mehr Grappa und Espresso bestellte.  

Es handelte sich um eine Gegenfrage. Kurz davor hatte ich ihn gefragt, ob er denn nicht an die grosse Liebe glaube.  

Auf diese Frage bekommt man so allerlei Antworten – ich stelle sie gerne, weil mich die Antworten der Menschen in meinem Umfeld interessieren und weil ich glaube, dass es sich um eine dieser Fragen handelt, die einem über ihren Inhalt hinaus Einblick in die Gedankenwelt des Gegenübers gibt. Und das tut sie in meinem Dafürhalten immer extremer: Immer öfter stelle ich fest, dass man auf diese simple Frage keine Antworten wie «Ja, weil ...» oder «Nein, weil ...» mehr geben kann, sondern dass man sich entweder persönlich davon bedroht fühlt oder man der Fragenden, also mir, sofort das Gefühl geben muss, sie sei wohl mit 14 Jahren in «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» hängengeblieben. Letzteres lenkt sehr offensichtlich von einem selber ab.

Aber warum? Weil man die Antwort selber nicht kennt? Oder weil man sie gefunden zu haben glaubt, sie jedoch nicht mag?  

Vor einer Weile sass mir eine 25-jährige Freundin im Café gegenüber und erzählte von einem Mann, den sie zwar möge, der sie aber einenge. Es sei wohl einfach der falsche Zeitpunkt, sagte sie mir, und fügte an «Und was ist denn schon Liebe?» Natürlich war das eine rhetorische Frage. Oder?  

Wissen wir, die wir an die grosse Liebe glauben oder eben nicht, was Liebe ist? Einen Begriff davon haben die meisten – diejenigen, die nicht an «die eine grosse Liebe» glauben, finden auf Nachfrage meist schon, dass es grosse Liebe gibt, einfach keine, die ein Leben anhält.  

Also liegt’s an der Definition der Liebe, die uns den Glauben daran kaputt macht? Schrauben wir uns den Begriff zu einem solchen Extrem hoch, dass wir unseren eigenen Anforderungen daran nicht mehr gerecht werden können?  

Selbstverständlich gibt es diese Geschichten. Wir kennen sie alle. Die Grosseltern, die seit 65 Jahren zusammen sind. Nun lebten diese Grosseltern einen grossen Teil ihrer Beziehung in einer Zeit, da «man sich nicht trennte». Und da man auch «nicht über sowas sprach». Wenn also eine/r oder beide zu einem gewissen Zeitpunkt aus der Sache rauswollte, weiss davon wahrscheinlich niemand.  

Fakt ist doch: Das einzig Sichere ist, dass nichts sicher ist. Das einzig Unveränderbare ist, dass wir uns verändern. Der Anspruch, dass sich zwei Menschen über zig Jahre in die gleiche Richtung und gleich schnell verändern und deshalb immer konstant so gut zusammen passen, dass sie sich nicht verlassen möchten, ist gelinde gesagt steil.  

Dazu kommt noch folgendes: Der Glaube, man sei für seine/n PartnerIn das Leben lang der einzig attraktive Mensch auf dem Planeten und nur so könne man zusammen sein, ist in meinen Augen illusorisch. Es wird immer andere Frauen oder andere Männer geben, die ins Leben des Partners treten und ja, manchmal ist der- oder diejenige attraktiver. Ob nur kurzzeitig oder auch längerfristig.

Ich persönlich gehe da gar noch weiter: Wenn mein Partner nach x Jahren Beziehung in den Männerferien mit seinen Kumpels einmal (!) betrunken mit einer megageilen Frau ins Bett geht und sie danach nie mehr sieht, dann will ich das gar nicht wissen. Damit muss er leben, nicht ich, und das verdient es nicht, meine Beziehung und meinen Selbstwert kaputt zu machen. «Ein Freifahrtschein», jubilieren jeweils meine Single-Freunde, wenn ich ihnen das sage. Kaum. Ich wage zu behaupten, dass ich eine so langfristige Beziehung bisher und in Zukunft nur mit Männern eingegangen bin oder eingehen werde, die aus dieser Aussage keine «License to cheat» ableiten.  

Und da ist noch ein Fakt: Manchmal trennen sich Menschen wegen anderer Menschen. Das ist schlimm und traurig und macht einen fertig, aber es ist eine Tatsache.  

Das klingt desillusioniert? Mitnichten! Ich glaube, das ist die Realität. Wenn jemand nach 15 Jahren Beziehung sagt: «Mini Silvia isch immerna die einzig und die schönscht Frau für mich!», dann finde ich das grossartig. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass sich das ändern kann.  

Das bedeutet aber nicht, dass Silvia und ihren Mann nicht einst die grosse Liebe verbunden hat. Wir reden ja nicht von der «langen Liebe», sondern von der «grossen».  

Ich glaube, es gibt sie. Sie ist nicht ganz so rosa und schnörkelig, wie ich mir das noch mit 15 vorgestellt habe, man erlebt sie eventuell mit mehr als nur einer Person und sie hält wohl auch nicht ewig und drei Tage.

Wenn man diese unrealistischen Ansprüche jedoch einmal weglässt, merkt auch der grösste Zweifler, dass er die grosse Liebe vielleicht bereits einmal erleben durfte und dass es sich lohnt, weiter danach Ausschau zu halten.

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Yonni Meyer (33) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Likos 25.12.2015 12:26
    Highlight Highlight Ich glaube zwar schon an die grosse Liebe, aber ich bin persönlich einfach zu faul dafür :D.
  • Adrian Schwarz (1) 25.12.2015 09:29
    Highlight Highlight Nochmal ganz anders wahrgenommen. Viel intensiver, viel inniger und viel ehrlicher.
  • Adrian Schwarz (1) 25.12.2015 09:28
    Highlight Highlight Die "große Liebe" ist ein sehr blumiger, abstrakter Begriff, der in seiner Dimension durch Produkte diverser Kunstformen überdehnt wurde, so sehr, dass er inzwischen einer Utopie gleich kommt - sollte man meinen. Ich glaube, die "große Liebe" beginnt dort, wo Liebe allgemein nicht mehr nur durch Leidenschaft getragen werden muss, sondern ihre Ursache ist. Für diese Wechselwirkung braucht es Zeit, da zwei Individuen tiefe Verbundenheit dauerhaft nur auf metaphysischer Ebene finden werden, bedingt durch ständigen Austausch. Ist dieser Punkt erreicht, wird auch die physische Verbundenheit
    • Yonni Moreno Meyer 25.12.2015 12:26
      Highlight Highlight Vielen Dank für diesen Input. Ich würde es anders ausdrücken, meine aber am Ende dasselbe: Ich glaube, wenn Liebe und Leidenschaft dasselbe sind, nämlich ein Annehmen, Wollen und Schätzen der Person als Ganzes (nicht nur Körper, Erfolg), also Leidenschaft für einen Menschen und seine «Seele», dann ist das die grosse Liebe.
  • JackMac 24.12.2015 23:46
    Highlight Highlight ja, ich liebe meine Frau auch nach 23 Jahren immer noch. Mit allen Ecken und Kanten. Manchmal mehr, manchmal weniger. Sie ist meine Muse, meine Inspiration und wenn es darsuf ankommt, immer für mich da. Gegenseitig.
    Es ist nicht selbstverständlich. Man muss darum bemüht sein. Mit gegenseitigem Vertrauen und der Zuversicht, immer wieder aufeinander zuzugehen und neue Impules zuzulassen ist es wie eine immerwährende unendliche Story.
    • Yonni Moreno Meyer 25.12.2015 00:09
      Highlight Highlight Wie schön! Das stimmt einen doch zuversichtlich, auch als Single.
  • dracului 24.12.2015 20:31
    Highlight Highlight Ich glaube auch an die ewige Liebe, auch wenn der Alltag uns auf ein harte Bewährungsprobe stellt. Stress überall, Versuchugen auch. Einige hüpfen von Verliebheit zu neuer Verliebtheit und kommen gar nie in eine Beziehung rein.
  • Menel 24.12.2015 15:35
    Highlight Highlight Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen. Bei mir endeten die grossen, leidenschaftlichen Lieben immer mit Verbrennungen (beidseitig) und die, die aus Freundschaft und wachsendem Vertrauen wuchs in ruhiger - nennen wirs friedlicher - Liebe. Ich trenne die zwei Aspekte nicht, nur setze ich das Gefühl von absolutem Vertrauen vor die ganz grossen Liebesgefühle. Denn sie kommen nicht von alleine, sondern brauchen viel Zeit.
  • Menel 24.12.2015 15:17
    Highlight Highlight Ich bin ja der Meinung, dass Liebe in der heutigen Zeit vollkommen überbewertet wird. Verlieben und lieben kann man so schnell. Was ich für viel seltener und wertvoller halte, als die ganz grossen Liebesgefühle, ist das vollkommene Vertrauen in eine Person. Wie viele Menschen hat man denn in seinem Leben, denen man blind vertrauen und bei denen man einfach sein kann wer man ist? Eben. Diese Menschen liebt man auch automatisch, auf eine ruhige Art und Weise.
    • Yonni Moreno Meyer 24.12.2015 15:22
      Highlight Highlight Du sagst ja am Schluss, dass Vertrauen Grundlage für Liebe ist - dann verstehe ich nicht, warum du Lieben und Vertrauen am Anfang deines Kommentars trennst. Verlieben ist etwas anderes, da bin ich mit dir einig - aber dass man "so schnell lieben" kann, finde ich nicht, gerade wegen des Punkts des Vertrauens.

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