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Hände weg vom «Netflix für Piraten»! Popcorn Time ist riskanter denn je

Neuste Filme und Serien, in «bester Qualität», gratis übers Internet?
Neuste Filme und Serien, in «bester Qualität», gratis übers Internet?screenshot: watson

Hände weg vom «Netflix für Piraten»! Popcorn Time ist riskanter denn je

Der illegale Streaming-Dienst Popcorn Time ist in einer neuen Software-Version verfügbar. Mit verlockendem Angebot und unbekannten Nebenwirkungen.
18.03.2020, 17:3418.03.2020, 19:23

Popcorn Time ist zurück.

Die «legendäre Filmpiraten-App» liegt in einer neuen Version vor. Für Windows-PCs und Mac-Computer.

Dies berichtete das US-Online-Medium Motherboard («Vice») am Dienstag und bezog sich auf diesen Tweet:

«Liebe in Zeiten von Corona» – mit diesem Spruch werben Unbekannte für eine problematische Software.
«Liebe in Zeiten von Corona» – mit diesem Spruch werben Unbekannte für eine problematische Software.screenshot: twitter

Hände weg! ☠️

Die Installations-Datei ist 150 Megabyte (MB) gross. Mac-User können sie von popcorntime.app herunterladen.

Normalerweise hätte ich als Digital-Redaktor ausprobiert, ob das Programm funktioniert und wie es läuft. Doch es sind keine normalen Zeiten. Ich arbeite im Home Office und kann und will keine Risiken eingehen mit unbekannter Software.

Bild
screenshot: watson

Langjährige watson-User dürften Popcorn Time kennen. Das Programm machte 2014 Schlagzeilen und wurde schon damals als «Netflix für Piraten» bezeichnet. Dies weil es besonders einfach zu bedienen war, aber vor allem, weil damit urheberrechtlich geschützte Filme und Serien illegal weiterverbreitet wurden. Und zwar über das Bittorrent-Protokoll.

Gemäss Eigenbeschrieb handelt es sich um einen plattformübergreifenden Bittorrent-Client, der einen integrierten Medienplayer enthalte. Es ist zwar wie versprochen eine «kostenlose Alternative zu abonnementbasierten Video-Streaming-Diensten wie Netflix». Jedoch begeben sich die Nutzer damit auf dünnes (juristisches) Eis, was mit der Funktionsweise des illegalen Streaming-Angebotes zu erklären ist: Popcorn Time lädt zwar angeblich nur Videos herunter, die von mehreren Torrent-Websites aufgelistet werden. Jedoch müsste man sich dabei auf unbekannte Programmierer verlassen.

Die Macher des neuen Popcorn Time warnen auf der Website, unter dem Download-Button:

Das Herunterladen von urheberrechtlich geschütztem Material kann in Ihrem Land illegal sein. Die Verwendung erfolgt auf eigenes Risiko.

Bekanntlich dürften Internet-User hierzulande Filmdateien aus illegalen Quellen herunterladen, hingegen macht man sich mit der Weiterverbreitung (beispielsweise durch automatische Uploads beim Bittorrent-Filesharing) strafbar.

Popcorn Time versucht mit ansprechendem Design und Benutzerfreundlichkeit, User zu gewinnen.
Popcorn Time versucht mit ansprechendem Design und Benutzerfreundlichkeit, User zu gewinnen.screenshot: popcorntime.app

Zwar könnte man mit einem sogenannten VPN-Dienst die eigene Internet-Adresse (IP) verschleiern, jedoch ist auch dadurch in vielen Fällen keine Anonymität gewährleistet.

Bei der aktuellen (gesundheitlichen) Bedrohungslage und den Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der Pandemie ist ein anderer Punkt aber viel wichtiger: Man sollte sich keine unbekannte Software ins Haus holen!

Ein junger Mann mit einer genialen Idee, aber ...

Weil es so einfach zu bedienen ist, wird Popcorn Time seit der ersten Veröffentlichung im Jahr 2014 von der Unterhaltungs-Industrie ins Visier genommen. Speziell die US-Filmindustrie geht juristisch gegen die Verbreitung vor und versucht auch Ableger der populären Software zu stoppen.

Die ursprüngliche Idee stammte vom argentinischen Designer Federico Abad, wie 2015 bekannt wurde. Der junge Mann hatte sich laut eigenen Angaben über die langsamen Internet-Verbindungen in seiner Heimat genervt, und darüber, dass US-Blockbuster erst Monate später in die argentinischen Kinos kamen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten, die er im Internet fand, entwickelte Abad die Software. Sie wurde im März 2014 vom Netz genommen, auf Druck der Motion Picture Association of America (MPAA). Da der Programmcode aber zuvor im Internet veröffentlicht worden war, folgten zahlreiche Weiterentwicklungen, sogenannte «Forks».

Der illegale Streaming-Dienst wurde mehrmals durch Gerichtsbeschlüsse, Polizeirazzien und IP-Blockaden auf der ganzen Welt abgeschaltet, hält Motherboard fest.

Verlockendes Angebot, zum perfekten Zeitpunkt

Die neuste App funktioniere «genauso gut wie frühere Versionen», sei kostenlos und die unbekannten Entwickler würden zudem die User auffordern, virtuelle private Netzwerke (VPN) zu benutzen. Dadurch wolle man vermeiden, dass die Nutzung von den Internet-Providern erkannt werde.

«Die App ist zu einem Zeitpunkt veröffentlicht worden, als viele auf der ganzen Welt unter Quarantäne stehen, und sie kommt auch zu einer Zeit, in der die Piraterie generell immer beliebter wird. Andere Open-Source-Versionen von Popcorn Time sind derzeit ebenfalls aktiv.»
quelle: vice.com

Kommt hinzu, dass über die App brandneue Kinofilme und Serien verfügbar seien, darunter «Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers», «Joker» und «Sonic the Hedgehog» sowie die neuen Staffeln von «Westworld» und «Better Call Saul».

Die weltweiten Datennetze sind schon durch legale Streaming-Dienste relativ stark beansprucht: Laut Swisscom drohen aber keine Ausfälle beim Surfen. Kapazitätsengpässe gebe es nur bei der Telefonie (Mobil- und Festnetz).

Was sind die Alternativen?

Quellen

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