RAM kostet viermal so viel wie vor einem Jahr – der Preisschock in 7 Grafiken
Lange tat sich wenig: Bis im Herbst 2025 bewegten sich die Preise für Computer-Bauteile bei Digitec Galaxus kaum. Dann ging es innert weniger Wochen steil nach oben. Seit Ende Oktober 2025 hat sich der Preis für Arbeitsspeicher vervielfacht, und auch SSD-Festplatten wurden kurz darauf deutlich teurer.
Das zeigen Preisdaten, die Digitec Galaxus watson zur Verfügung gestellt hat: tägliche Preise von 43 Produkten, von Arbeitsspeicher über SSDs bis zu fertigen Notebooks und Desktop-PCs, von Januar 2025 bis Oktober 2026. Gegenüber Anfang 2025 kostet RAM heute über fünfmal so viel, SSDs mehr als das Doppelte. Notebooks und PCs liegen dagegen nur knapp ein Fünftel höher.
Digitec Galaxus bestätigt den Trend. Die Preise seien in den letzten Monaten deutlich gestiegen, und die Verfügbarkeit vieler Produkte schwanke stark, teilweise von Woche zu Woche. Zu den Erwartungen für die kommenden Monate will sich das Unternehmen wegen der volatilen Lage nicht äussern.
Grund für den Preissprung ist der KI-Hype. Die grossen Speicherhersteller Samsung, SK Hynix und Micron lenken ihre Produktion um. Statt gewöhnlichem Arbeitsspeicher für Consumer-Geräte stellen sie vorrangig teuren HBM-Speicher her, der für KI-Chips in Rechenzentren unverzichtbar ist. Gemäss Branchenschätzungen beanspruchten KI-Rechenzentren im ersten Quartal 2026 rund 65 Prozent der weltweiten DRAM-Produktion. Für Computer, Laptops und Grafikkarten bleibt entsprechend weniger übrig.
RAM
Am härtesten trifft es den Arbeitsspeicher, das «Kurzzeitgedächtnis» des Computers. Hier liegen die Daten, mit denen gerade gearbeitet wird. Je mehr RAM, desto mehr Programme und Browser-Tabs laufen gleichzeitig flüssig. Zu den Preisen: Ein Corsair-Vengeance-Kit mit 32 GB DDR5 kostete im Oktober 2025 noch rund 103 Franken, heute sind es rund 572 Franken, über fünfmal so viel. Im Mittel über alle 14 untersuchten RAM-Kits beträgt der Anstieg rund 316 Prozent. Kein einziges Kit ist günstiger geworden.
Auffällig ist das Timing. Ältere DDR4-Module wurden schon ab Sommer 2025 teurer: Der Preis des Kingston FURY Beast mit 32 GB verdoppelte sich bis Oktober von 59 auf 118 Franken und liegt heute bei 317 Franken. Die Hersteller fahren die Produktion alter Fertigungstechnologien zurück, um Kapazitäten für DDR5, Server-Speicher und HBM frei zu machen. Der neuere DDR5-Standard blieb dagegen bis Mitte Oktober 2025 stabil. Dann vervierfachte sich der Preis innert weniger Wochen bis Weihnachten.
SSD
Mit etwas Verzögerung erfasste die Welle auch die SSDs. Die Preise für fest verbaute Festplatten ohne rotierende Magnetscheibe stiegen ab November 2025, und zwar erstaunlich gleichmässig: Ob günstiges Einsteigermodell oder Premium-SSD, alle neun untersuchten Modelle kosten heute zwischen 93 und 138 Prozent mehr als im Oktober 2025.
Die Samsung 990 EVO Plus mit 2 TB kostete vor einem Jahr 129 Franken, heute sind es 289 Franken. Die Kingston NV3 mit 1 TB stieg von 66 auf 149 Franken. Die Mechanik ist dieselbe wie beim Arbeitsspeicher: KI-Rechenzentren brauchen riesige Speichermengen, und die Hersteller bevorzugen margenstarke Produkte für Unternehmen gegenüber günstigen Consumer-SSDs.
Ein weiteres Rechenbeispiel: Wer im Oktober 2025 64 GB DDR5-RAM und eine 2-TB-SSD kaufte, bezahlte rund 357 Franken. Heute kostet dieselbe Kombination rund 1440 Franken, über 1000 Franken mehr.
Notebooks
Bei fertigen Notebooks zeigt sich ein ganz anderes Bild. Bis Juni 2026 blieben die Preise praktisch stabil. Erst seit Juli steigen sie, und auch dann deutlich moderater: Im Mittel kosten die elf untersuchten Notebooks heute rund 16 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Die Unterschiede sind gross. Das Microsoft Surface Pro 11 (5G, 16 GB RAM) stieg von 1341 auf zwischenzeitlich 1850 Franken (+38 Prozent). Das günstige Lenovo V15 mit nur 8 GB Arbeitsspeicher kostet dagegen unverändert 399 Franken. Je mehr Speicher verbaut ist, desto stärker schlägt die Krise tendenziell durch.
Desktop-PCs
Ähnlich sieht es bei den Desktop-PCs aus: Ein Jahr lang tat sich wenig, ab Juli 2026 zogen die Preise an. Im Schnitt kosten die neun untersuchten Geräte heute rund 31 Prozent mehr als im Oktober 2025. Am stärksten trifft es Apple. Der Mac mini mit M4-Chip und 16 GB RAM kostete im Oktober 2025 noch 711 Franken, zuletzt waren es rund 1030 Franken (+45 Prozent). Der HP Pro Mini 400 G9 stieg von 747 auf 980 Franken.
Warum fertige Geräte weniger teurer werden
Dass Notebooks und PCs deutlich weniger zugelegt haben als einzelne Bauteile, hat mehrere Gründe:
- Speicher ist nur ein Teil des Preises. In einem Notebook für 1300 Franken stecken neben RAM und SSD auch Prozessor, Bildschirm, Gehäuse, Akku, Software und Marge. Selbst wenn sich der Speicher vervierfacht, steigt der Gerätepreis deshalb nur um einen Bruchteil.
- Die Teuerung kommt verzögert an. Hersteller kaufen Speicher über langfristige Lieferverträge ein und haben vor der Krise Lager aufgebaut. Geräte, die bereits produziert waren, wurden zu den alten Preisen verkauft. Das erklärt, warum die Gerätepreise erst ab Sommer 2026 steigen.
- Grosse Hersteller kaufen günstiger ein. Konzerne wie Apple, Lenovo oder HP beziehen Speicher zu ausgehandelten Vertragspreisen. Einzelne RAM-Kits im Handel reagieren dagegen sofort auf Engpässe. Zudem dürften die Hersteller einen Teil der Mehrkosten über tiefere Margen abfedern, um ihre Verkäufe nicht abzuwürgen.
Entwarnung bedeutet das allerdings nicht. Die Daten zeigen, dass die Gerätepreise seit dem Sommer anziehen, und ein Ende der Knappheit scheint nicht in Sicht: Speicherhersteller Micron rechnet damit, dass die Knappheit bei allen Speicherchips, für KI wie für Computer und SSDs, weit über das Jahr 2026 hinaus anhält. Die Marktforscher von Bernstein erwarten ein Ende der Speicherkrise nicht vor 2027.
Übersicht
Die beiden folgenden Grafiken zeigen alle 43 untersuchten Produkte von Digitec Galaxus im Überblick: Wie viel sie im Oktober 2025 kosteten und was sie heute kosten.
Bei den Bauteilen ist das Bild eindeutig: Alle 23 RAM-Kits und SSDs sind teurer geworden, die meisten um mehrere hundert Franken. Der grösste Sprung trifft das G.Skill Trident Z5 Neo mit 64 GB DDR5, das heute fast 900 Franken mehr kostet als vor einem Jahr.
Bei den fertigen Geräten fallen die Aufschläge meist geringer aus. Einzige Ausnahme nach unten ist ein älteres HP-Modell mit einem Prozessor der 12. Generation. Es kostet heute rund 230 Franken weniger, vermutlich weil es bald aus dem Sortiment fällt und die letzten Geräte günstiger verkauft werden.
Ob ein Preis vom Eigenlager oder von einem Drittanbieter stammt, lässt sich nicht unterscheiden. Zwei fehlerhafte Einträge wurden entfernt. Die Grafiken zeigen Wochen- bzw. Monatsmediane. Die Veränderungen vergleichen den Median von Oktober 2025 mit dem Median vom 21. September bis 18. Oktober 2026.
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