Endlich wieder dreckig! Darum macht «Gears of War: E-Day» so viel Spass
«Gears 5», das letzte Spiel aus der Hauptreihe, war zwar immer noch ein ordentlicher Third-Person-Shooter, der zu unterhalten wusste, kam mit seinen offenen, leblosen Spielabschnitten aber nicht überall gleich gut an. Auch die Geschichte mit den ewig gleichen dramaturgischen Pfeilern brachte die Marke nicht wirklich voran. Was tut man also, wenn man Fans wieder begeistern und abholen möchte? Man geht in der Zeit zurück und serviert ein Prequel, um die alten Helden wieder in den Fokus zu setzen.
Nach dem Krieg kamen die Monster
Um was geht es eigentlich in dieser «Gears of War»-Welt? Auf dem erdähnlichen Planeten Sera herrschte jahrelang ein grosser und zäher Weltkrieg. Nachdem die Menschen endlich Frieden geschlossen hatten, kam es bereits zu einer nächsten Katastrophe: Überall auf der Welt öffnete sich der Boden und eine aggressive Spezies namens Locust kam hervor, um alles auf der Erdoberfläche auszurotten.
Eine tiefe Freundschaft gedeiht
Wir dürfen nun also wieder in die eine Rolle schlüpfen, die uns jahrelang nach dem ersten Spiel begleitet hat: Marcus Fenix. Mit ihm erleben wir den ersten Tag der Locust-Invasion, den sogenannten Emergence Day, kurz E-Day. Marcus ist deutlich jünger, hat aber jetzt schon permanent schlechte Laune. Auch sein Kumpel Dom steht wieder an seiner Seite und zeigt auf, wie die beiden damals gemeinsam durch die erste Hölle gingen und eine tiefgründige Freundschaft entstand. Gemeinsam mit neuen Teamkollegen und diversen Waffen nehmen sie den ersten Kampf gegen die Biester aus dem Boden auf.
Der pure Horror
Schon in den ersten Spielminuten legt sich eine düstere Horror-Atmosphäre hernieder. Wenn wir uns kaum bewaffnet durch die Gassen bewegen und die ersten Viecher aus dem Boden herumwüten und für Chaos sorgen, sind wir mittendrin in der Apokalypse. Und wenn wir uns durch eine kaputte Stadt mit Monstern kämpfen und in einem Polizeirevier erste Hilfe suchen, kommt «Resident Evil 2»-Stimmung auf. Den Spielenden wird also schnell vermittelt, wohin die Reise geht: Es wird knallhart, blutig und dreckig.
Rutschen ist erlaubt
Das beliebte Deckungssystem, das die Action-Reihe schliesslich auch auszeichnete und gross machte, ist natürlich wieder an Bord und fühlt sich unglaublich geschmeidig an und spielt sich so sanft und befriedigend wie schon beim ersten Teil. Da fühlt man sich einfach sofort heimisch und bereit, es mit der gesamten Locust-Horde aufzunehmen. Zusätzlich dürfen wir jetzt ein bisschen auf dem Boden herumrutschen und auch Hindernisse direkt überwinden, indem wir nach oben oder drüber steigen. Das bringt eine gute Portion zusätzliche Dynamik in die Spielmechanik, die wir mit Handkuss annehmen.
Dreckig und wunderschön
«E-Day» ist dreckig, beklemmend und einfach wunderschön. Die grafische Pracht lässt uns immer wieder staunen und verwöhnt uns mit wahnsinnig guten Zwischensequenzen. Die Zerstörungswut der Aggressoren aus dem Erdinnern zeigt sich in einer wunderhübschen, heruntergekommenen Kulisse. Es ist fast schon schade, wie sehr detailverliebt dieses Prequel geworden ist, weil in der Hitze der Gefechte das alles auch mal an einem vorbeirauscht.
Unnötige und offene Bereiche
Markante Sprüche, plakative Männerfreundschaft, Horror-Atmosphäre und knallige Action mit Monsterhorden in der Dauerschleife werden serviert, möchte man meinen. Dem ist eigentlich auch so, doch auch in «E-Day» werden die eigentlich beliebten Schlauchlevels hie und da durch offene Spielbereiche ergänzt oder eben unterbrochen. Dabei muss man oft längere Wege in Kauf nehmen und darf ziemlich stumpfe Nebenaufgaben angehen. Das streckt die Spielzeit unnötig und wirkt auch zeitweise wie ein Fremdkörper in dem ansonsten stringenten Action-Kleid.
Gemeinsam gegen alle
Wer übrigens wieder Lust auf einen ordentlichen Multiplayer-Part ohne grossen Schnickschnack hat, wird hier bestens bedient. Da fühlt man sich als Veteran sofort heimisch, weiss sofort wie der Hase läuft und holt sich am besten gleich den besten Kumpel aufs Sofa, um den Monstern ordentlich einzuheizen und jubelnd Highfives auszutauschen.
Pflichtspiel für «Gears»-Fans
Fazit: Offene Spielbereiche, die nicht nötig wären, sehr simple Nebenaufgaben, gestreckte Spielzeit oder vorhersehbare Geschichte: «E-Day» hat viele Anlaufstellen, um Kritik loszuwerden. Doch wenn man einfach einen simplen aber guten Third-Person-Shooter sucht, der einfach nur unterhalten möchte, ist man hier goldrichtig.
Die Action passt, ist stets wuchtig und es wird regelmässig über die grafische Pracht gestaunt. Die Atmosphäre mit mehr Horror-Flair als damals stimmt und die Gegner besitzen auch wieder eine grosse Portion Bedrohung, die uns zum Schwitzen bringt.
Und wenn der «Gears of War»-Fan hier endlich wieder Kampfsau Marcus Fenix spielen und mit seinem Kumpel mit markanten Sprüchen in die Schlacht ziehen darf, geht hier halt auch ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung. «Scheisse, ja!»
«Gears of War: E-Day» ist erhältlich für Xbox Series X/S und PC. Freigegeben ab 18 Jahren.
