Der erste Game-Kracher für den Herbst ist da – «Resonance: A Plague Tale Legacy» im Test
Im «Plague Tale»-Universum wird uns stets eine mittelalterliche Welt präsentiert, die düster und unfreundlich daherkommt. Mit «A Plague Tale: Innocence» (2019) und «A Plague Tale: Requiem» (2022) wehrten wir uns in der Rolle von jungen Menschen gegen eine Rattenplage, schlichen in spärlich beleuchteten Arealen herum und machten Bekanntschaft mit einer Monstrosität, die wir bis heute nicht genau einordnen können.
Nun kehren wir mit «Resonance: A Plague Tale Legacy» in diese Welt zurück, werden aber in bester Prequel-Manier noch weiter in die Vergangenheit geworfen, um ein eigenständiges Abenteuer zu erleben, wo blutige Action und Hirnschmalz-Rätsel im Spielmechanik-Vordergrund stehen.
Keine Vorkenntnisse nötig
Wer jetzt schon hier die Hand nach oben streckt und Fragen hat, kann sich beruhigen. Denn wer bis jetzt noch kein Spiel dieser Reihe konsumiert hat, muss diese überhaupt nicht nachholen, da «Resonance» absolut auf eigenen Beinen stehen kann. Auch wenn wir uns hier im selben Universum befinden und ca. 15 Jahre vor den bekannten oder eben unbekannten Ereignissen agieren, wird hier ein Abenteuer erzählt, das keine Grundkenntnisse der anderen Titel benötigt. Zwar gibt es immer wieder mal einen kleinen Verweis zur gemeinsamen, übergreifenden Mythologie, doch riesengrosse Fragezeichen bleiben kaum im Raum stehen.
Hinab in die griechische Mythologie
Wir steuern die junge Plünderin Sophia, die seit ihrer Kindheit unter Alpträumen und Visionen leidet. Darin sorgen groteske Figuren, Horrorfratzen und turmhohe Bauten auf einer Insel für Stress und Schweissperlen. Nach einer schicksalhaften Wendung verschlägt es sie dann mit ihrer Gefährtin Leni auf eben dieses Eiland, wo nicht nur viele, viele Antworten zu ihrer Vergangenheit auf sie warten, sondern auch schurkische Schatzjäger lauern, die mit Hieb- und Stichwaffen aus dem Weg geräumt werden wollen.
Obendrauf gibt es jede Menge Rätsel zu knacken, damit sich die stets verschlossenen Türen öffnen und der Weg ins Innere der Insel weitergehen kann. Dass das aber keine gewöhnliche Erkundungstour sein kann, wird schnell klar, wenn sich eine längst vergessene Welt offenbart und der Weg immer tiefer in den Untergrund führt, wo abgefahrene Herausforderungen und eine Monstrosität auf uns lauern. Und schnell wird klar, dass wir uns auf der sagenumwobenen Insel des Minotaurus befinden, wo uns ein Ungeheuer mit Stierkopf in die griechische Sagenwelt hinabziehen will.
Das Blut spritzt
«Resonance» macht schnell klar, dass es sich von den bereits bekannten Spielen der Reihe abheben will und dies auch erfolgreich tut. Wir werden sehr rasch mit dem Kampfsystem vertraut gemacht, in dem wir angreifen, ausweichen, parieren, treten und mit der Zeit immer mehr Spezialbewegungen freischalten dürfen, damit das Ganze noch geschmeidiger vonstattengeht.
Hin und wieder benutzen wir einen Greifhaken, um an bestimmten Stellen nach oben oder unten zu gelangen, werfen mit herumliegenden Gegenständen nach Gegnern und sorgen generell dafür, dass das Blut ordentlich spritzt. Schleichen können wir zwar theoretisch auch, doch das ist nur in sehr wenigen Momenten nötig, damit es weitergeht. Zudem machen die direkten Auseinandersetzungen auch zu viel Spass und sind immer eine willkommene Abwechslung zu den Rätselabschnitten.
Ein Schlüssel mit Lichteffekten
Wer auch immer diese verschachtelte Kultur auf der Insel begründet und erbaut hat, er oder sie muss ein Faible für Licht- und Schieberätsel gehabt haben. Immer wieder müssen Lichtquellen genau angeordnet, Schalter betätigt werden, um Mechanismen zu aktivieren oder Gegenstände an ihren richtigen Platz zu befördern. Das braucht manchmal ganz viel Hirnschmalz und eine grosse Portion Nerven. Gottseidank haben wir aber unser Notizbuch dabei, wo wir dank unseren Träumen stets alles aufgezeichnet haben und dadurch auch Hinweise für die Lösung der Rätsel erhalten.
Zusätzlich bekommen wir sehr früh im Spiel ein mystisches, rundliches Objekt in die Hand, das nicht nur als Schlüssel für manche Tore, sondern auch als erweiterte Lichtquelle dient und das Leuchten von bestimmten Edelsteinen an den Wänden einfangen und bündeln kann, um somit ebenfalls diverse Schlossmechaniken zu öffnen.
Fragen über Fragen
Es wird also nicht nur gekämpft, sondern auch fleissig gerätselt. Und wenn wir nicht gerade eine dieser Spielmechaniken ausführen, dann wird einfach nur gestaunt. Auch wenn wir viele Fragen haben und die Logik weit nach hinten geschoben wird, können wir unsere Augen von diesen gigantischen Bauten, die uns immer wieder überraschen, je tiefer wir nach unten reisen, kaum abwenden.
Die Architektur dieser verschollenen Kultur, die wir Schritt für Schritt entdecken dürfen, ist faszinierend und bombardiert uns mit Fragen. Wo sind wir eigentlich? Was genau hat diese Kultur zerstört? Welche Kreatur wartet auf uns im finsteren Untergrund? Und warum wird unsere Heldin immer wieder mal mit Rückblenden und Echos aus der Vergangenheit konfrontiert, wo wir kurz in die goldene Rüstung eines Kriegers wechseln? Fragen über Fragen, die jedoch alle brav beantwortet werden, wenn wir uns denn auf das Spiel komplett einlassen.
Der bittere Kampf um die Erlösung
So wandern wir denn immer tiefer und tiefer hinab in diese Welt, die uns immer mehr fasziniert. Wir kämpfen, wir rätseln und wir leiden. Sophia mag eine beinharte Kämpferin sein, doch je weiter wir hinabsteigen, umso mehr muss sie sich ihren Ängsten stellen und erkennen, dass sie aus einem bestimmten Grund eine Heldenreise vollziehen muss. Das erweckt durchaus Mitleid, wenn wir zusehen müssen, wie sie immer mehr an sich zweifelt und eigentlich auch gar keine Lust mehr auf dieses Abenteuer hat, das so viel von ihr abverlangt und sie brechen möchte. Doch wir bleiben dran und tun alles dafür, dass sie endlich erlöst wird.
Schlangen um den Hals
Wir Spielende stehen treu zu unserer Protagonistin, stehen mit ihr viele Irrungen und Wirrungen durch und erfreuen uns derweil an der wunderschönen Optik, die uns immer wieder verzückt und überrascht. Denn man möchte doch meinen, dass unter Tage die Farbgestaltung an ein Limit kommt. Doch immer wieder wird man eines Besseren belehrt und wir dürfen uns in der grafischen Vielfalt suhlen.
Nur die Zwischensequenzen sorgen oft für kleine Stirnfalten. Manchmal sehen die wahrlich fabulös aus, während andere ganz schräge Animationen präsentieren. Seltsamer, unvollständiger Bartwuchs oder aufploppende Halsketten, die sich wie Schlangen winden, holen einen dann schon mal aus dem Sog. Dafür drückt uns der intensive Hammer-Soundtrack ordentlich ins Sofa und überschüttet uns vor allem in emotionalen Szenen mit Gänsehaut.
Der heisse Game-Herbst ist eröffnet!
Fazit: Die ca. 15 Stunden Spielzeit gingen wie im Rausch vorbei. Auch wenn hier im Action-Adventure-Genre nichts Neues präsentiert wird, einige Story-Twists schon von Weitem erkennbar sind und ich wirklich für eine längere Zeit keine Licht-Schalter-Rätsel mehr sehen kann, konnte ich dieses Videospiel aus Frankreich nicht alleine lassen.
Die Protagonistin entwickelt sich immer mehr zu einer Leidensfigur, die unser Mitgefühl verdient hat und die wir endlich wieder nach Hause bringen wollen. Die mystische Minotaurus-Insel mit ihrer grandiosen Architektur und das sich darin entwickelnde Eigenleben, das immer mehr fasziniert, sorgten zusätzlich dafür, dass man bis zur Erlösung dranbleibt.
Dann sieht das alles auch noch so wunderschön aus, auch wenn die eine oder andere Zwischensequenz zum Fremdschämen ist. Doch die dichte Atmosphäre mit knackigem Gameplay und intensiver Figurenentwicklung lässt über diese Mängel schnell hinwegsehen und präsentieren uns ein Abenteuer, das wir einfach nur aufsaugen und gleichzeitig die eskapistische Unterhaltung abfeiern.
Was will man denn da als Videospielfan noch mehr? Der heisse Game-Herbst ist somit offiziell eröffnet!
«Resonance: A Plague Tale Legacy» ist ab dem 27. August erhältlich für Playstation 5, Xbox Series X/S und PC. Freigegeben ab 16 Jahren.
