Digital
Review

Kia EV4 im Test: So schlägt sich der elektrische Golf-Gegner im Alltag

Mit dem EV4 bringt Kia einen kompakten Stromer an den Start.
Mit dem EV4 bringt Kia einen kompakten Stromer an den Start. bild: kia
Review

Kia EV4 im Test: So schlägt sich der elektrische Golf-Gegner im Alltag

Kia bringt mit dem EV4 einen elektrischen Golf-Gegner. Unser Alltagstest verrät, womit das E-Auto punktet und wo es Schwächen zeigt.
24.01.2026, 16:1624.01.2026, 17:10
Christopher Clausen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Kia wildert in der Golf-Klasse: Während der K4 die Rolle des kompakten Verbrenners einnimmt, wird sein Bruder EV4 den Elektro-Markt übernehmen. In zwei Versionen fährt er vor, einmal als Limousine und in der hierzulande deutlich gefragteren und in der Slowakei produzierten Schrägheckversion. Sie steht flach auf der Strasse, mit klar gezeichnetem Heck, schmalen Scheinwerfern und kantiger Front.

Der EV4 in der Schrägheckversion. Die ausklappenden Türgriffe müssten allerdings nicht sein.
Der EV4 in der Schrägheckversion. Die ausklappenden Türgriffe müssten allerdings nicht sein.bild: kia
Zum Vergleich: Der EV4 als Limousine.
Zum Vergleich: Der EV4 als Limousine.bild: kia

«Opposites United» nennt Kia seine Designsprache – Kontraste, die wiedererkennbar sein sollen, ohne zu provozieren. Die elektrisch ausklappenden Türgriffe sind zwar schick, klassische Bügel hätten es aber auch getan, zeigt sich im Alltagstest.

Alltagstest – was ist das?
Beim Alltagstest nehmen wir neue Fahrzeuge über mehrere Tage oder sogar Wochen unter die Lupe – und zwar im ganz normalen Einsatz: im Stadtverkehr, auf der Autobahn, beim Einkaufen, Pendeln oder auf Reisen. Anders als beim Kurztest auf Herstellerveranstaltungen können wir so auch Details bewerten, die sich erst im täglichen Gebrauch zeigen: Wie komfortabel ist das Fahrwerk wirklich? Wie intuitiv lässt sich das Infotainment bedienen? Wie praxisnah ist die Reichweite? Wie viel passt in den Kofferraum? Ein Alltagstest zeigt, wie gut ein Auto im echten Leben funktioniert.
infobox image
Geräumiger, als es auf dem Foto aussieht: Der Fond der EV4 ist bequem – der Redaktor hält den Kopf nur bewusst in Richtung Kamera. Die Kopffreiheit geht in Ordnung. bild: clausen

Gutes Platzangebot mit kleinen Einschränkungen

Mit 4,43 Metern Länge gehört der EV4 zum klassischen Kompaktsegment (sein Bruder K4 ist nur einen Zentimeter länger) – bietet innen dank 2,82 Meter Radstand aber spürbar mehr Raum als viele Konkurrenten. Vorne ist das Raumgefühl luftig, hinten sorgt die erhöhte Bodenstruktur zwar für eingeschränkten Fuss-, aber ordentlichen Knieraum. Auf ganz langen Strecken dürfte es für Passagiere mit langen Beinen aufgrund der hochstehenden Knie etwas unbequem werden. Zumindest gibt es auch hinten eine Sitzheizung. Eine Kleinigkeit stört: die durchgehende Fussmatte im Fond, die beim Herausnehmen gern mal Krümel im Innenraum verteilt.

Klassenüblich: Kofferraum mit verstellbarem Ladeboden, aber hoher äusserer Ladekante.
Klassenüblich: Kofferraum mit verstellbarem Ladeboden, aber hoher äusserer Ladekante. bild: clausen

Einen Frunk unter der Haube (steht für front trunk, Front-Kofferraum) gibt es nicht, stattdessen doppelten Ladeboden im Kofferraum, der je nach Konfiguration 435 bis 1415 Liter fasst. Typisch für die Klasse klappen die Sitze im Verhältnis 40:60, eine Fernentriegelung aus dem Ladeabteil gibt es nicht.

Einfach zurechtfinden im Kia

Das Cockpit ist klar gegliedert – und überfordert nicht mit unnötigen digitalen Spielereien. Zwei 12,3-Zoll-Displays, dazu ein kleiner Klimabildschirm, der die wichtigsten Funktionen bündelt, aber aus Fahrerperspektive gern vom Lenkrad verdeckt wird. Dazu haptische Tasten für Navi, Medien und Co. – genau da, wo man sie erwartet.

Aufgeräumt: Klar gegliedertes Cockpit mit Knöpfen für alle wichtigen Funktionen und einer Stoffbespannung. Tadellose Verarbeitung.
Aufgeräumt: Klar gegliedertes Cockpit mit Knöpfen für alle wichtigen Funktionen und einer Stoffbespannung. Tadellose Verarbeitung. bild: clausen
Etwas versteckt: Das Display für die Klimaanlage. Die Temperatur lässt sich aber mit Knöpfen verstellen.
Etwas versteckt: Das Display für die Klimaanlage. Die Temperatur lässt sich aber mit Knöpfen verstellen. bild: kia

Die Sprachbedienung mit KI-Unterstützung funktioniert solide, das Smartphone koppelt sich problemlos via Android Auto oder Apple CarPlay. Gut gelöst: Der nervige Geschwindigkeitspieper lässt sich per langem Druck auf den Walzenknopf am Lenkrad deaktivieren. Und wenn man die Menüführung einmal kennt, ist sie weitgehend logisch und alltagstauglich.

So fährt er

Mit einem Gewicht von über 1,8 Tonnen liegt der EV4 satt auf der Strasse, die Federung ist überwiegend komfortabel abgestimmt. Auf rauem Belag oder bei Querfugen wird es hinten leicht hölzern – aber nicht störend. Für die Kompaktklasse ist der Komfortlevel insgesamt hoch.

Die Lenkung ist leichtgängig und passt zum Charakter – im Sportmodus wird sie direkter, ohne sportlich-zackig zu sein. Besonders überzeugend: das niedrige Geräuschniveau, selbst bei hohem Tempo auf der Autobahn. Mit 204 PS ist der EV4 vollkommen ausreichend motorisiert, ohne die Insassen beim Beschleunigen effekthascherisch in die Sitze zu pressen. Auch gut: Das «i-Pedal»-System, das den EV4 beim Loslassen des Fahrpedals bis zum Stillstand verzögert, ohne dass die Bremse nötig ist. Im Stop-and-Go schwimmt der Kompakte damit selbstständig entspannt mit.

Tunnelblick: Die Sicht nach hinten könnte besser sein.
Tunnelblick: Die Sicht nach hinten könnte besser sein. bild: kia

Typisch modernes Auto: Die Sicht nach hinten ist vor allem durch die breite D-Säule eingeschränkt, Parkpiepser und Kamera sind sinnvolle Helfer.

Reichweite und Effizienz

Die getestete Version mit 81,4-kWh-Batterie verspricht bis zu 625 Kilometer WLTP-Reichweite – mit 17-Zoll-Felgen und frühsommerlichen Temperaturen. Bei 5 Grad Aussentemperatur und Tempo 130 auf der Autobahn, waren immer noch rund 360 Kilometer drin. Ein guter Wert im Winterbetrieb, aber natürlich ein deutlicher Unterschied zu den Messwerten. Der Autobahnverbrauch lag bei ca. 22 bis 23 kWh/100 km, in der Stadt bei guten 17–18 kWh/100 km bei 2 Grad Aussentemperatur. Kia gibt einen Verbrauch von 14,4 kWh an – bei entsprechenden Aussentemperaturen ist dies vermutlich möglich.

Geladen wird mit bis zu 128 kW – von 10 auf 80 Prozent vergehen laut Kia 31 Minuten, was sich im Test bestätigt. Per App oder Navigation lässt sich der Akku für eine möglichst geringe Ladezeit vorkonditionieren, also vorheizen. Das erwies sich bei den winterlichen Autobahnfahrten als sehr nützlich. Auch das Vortemperieren des Innenraums ist möglich, was vor allem im Winter praktisch ist, wenn das Auto an der Wallbox hängt und man in ein warmes Auto steigen will. Das senkt auch den Stromverbrauch während der Fahrt.

Technik & Ausstattung

Der Testwagen in der Linie Earth war gut ausgestattet: Wärmepumpe (optional im Winterpaket), Harman/Kardon-Soundsystem, Parkpaket mit Rundumsichtkamera, Technologiepaket mit adaptiven LED-Scheinwerfern, In-Car-Payment für Ladevorgänge (Auto einstecken, nach dem Laden herausziehen, die Abrechnung geschieht automatisch), Streamingdienste, Softwareupdates via drahtlosem Internet «over the air». Dazu kommt ein umfassendes Paket an Fahrerassistenzsystemen, zum Beispiel ein Autobahnassistent mit Abstandsregeltempomat und Spurwechselhelfer, Frontkollisionswarner mit Kreuzungsfunktion, Totwinkelkamera, Querverkehrwarner, Parkassistent, Notbremssystem. Technisch ist der EV4 damit auf der Höhe.

Technische Daten Kia EV4 Earth (81,4 kWh)

  • Leistung 150 kW (204 PS)
  • Antrieb Frontantrieb
  • Batterie 81,4 kWh
  • WLTP-Reichweite bis 625 km
  • Ladezeit (10 – 80 %) ca. 31 Minuten (DC 128 kW)
  • 0–100 km/h 7,7 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
  • Verbrauch (Test, Winter) 17 – 23 kWh/100 km
  • Länge/Breite/Höhe 4,43 m / 1,86 m / 1,485 m
  • Kofferraum 435 – 1'415 Liter
  • Anhängelast 1'000 kg (gebremst)
  • Wendekreis 10,86 m

Leistung 150 kW (204 PS) Antrieb Frontantrieb Batterie 81,4 kWh WLTP-Reichweite bis 625 km Ladezeit (10–80 %) ca. 31 Minuten (DC 128 kW) 0–100 km/h 7,7 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 170 km/h Verbrauch (Test, Winter) 17–23 kWh/100 km Länge/Breite/Höhe 4,43 m / 1,86 m / 1,485 m Kofferraum 435–1'415 Liter Anhängelast 1'000 kg (gebremst) Wendekreis 10,86 m

Den EV4 von Kia gibt es aktuell mit kleinem Akku ab 34'450 Franken und mit grossem Akku und Vollausstattung für weit über 50'000 Franken.
Den EV4 von Kia gibt es aktuell mit kleinem Akku ab 34'450 Franken und mit grossem Akku und Vollausstattung für weit über 50'000 Franken.bild: kia

Das kostet er

In der Grundversion «Lite» mit kleinem Akku (58,3 kWh, 204 PS, bis 440 km Reichweite) ist der EV4 ab 34'450 Franken zu haben. Der EV4 Earth mit 81,4 kWh kostet ab 43'450 Franken, der Testwagenpreis mit Extras kommt auf fast 54'000 Franken. Kein Billigheimer also, angesichts der Ausstattung aber absolut fair. Zudem sprechen sieben Jahre Hersteller- sowie acht Jahre Batteriegarantie (bzw. bis 160'000 km) für den Kia.

Fazit

Kia bringt mit dem EV4 ein E-Auto, das sich nicht anbiedert – aber auch nicht abschreckt. Modern, leise, durchdacht: Wer zum ersten Mal elektrisch unterwegs ist, fühlt sich hier nicht überfordert, sondern abgeholt. Der EV4 ist kein Showstar, eher ein guter Kumpel, der funktioniert, ohne dauernd Fragen aufzuwerfen.

Elektroauto
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Kia lanciert neues Elektroauto EV6
1 / 14
Kia lanciert neues Elektroauto EV6
Der Kia EV6 ist ein neuer Elektro-Crossover mit viel Platz für die Familie.
quelle: kia
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Es wird mir schlecht» – Toggi und Baroni im Polestar-Testdrive
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
37 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Vitai Lampada
24.01.2026 18:05registriert Dezember 2022
Das Bedenkliche ist auch die Motorfahrzeugsteuer.
Im Aargau bezahle ich gemäss der neuen Berechnung ab 2026 für mein Elektroauto plötzlich 100 Fr mehr (+ 36%) während mein Verbrenner nun 38 Fr günstiger ist.
Da muss man keine Fragen mehr stellen, ob unsere gewählten Volksvertreter die E-Mobilität wirklich unterstützen! Bei SVP/FDP Mehrheit im Grossen Rat verwundert es allerdings nicht.
Wir bringen es trotz Jahrzehnten der Digitalisierung nicht fertig das Verursacherprinzip für die Strassenfinanzierung einzuführen und halten unbeirrt an Kopfsteuern fest.
4412
Melden
Zum Kommentar
37
Teslas Model Y sei das meistverkaufte Auto der Welt, behauptet Musk – Toyotas Konter sitzt
Musk posaunte schon vor Tagen heraus, Teslas Model Y sei 2025 zum dritten Mal in Folge das weltweit meistverkaufte Auto. Toyota sieht das ganz anders und reagiert mit einer ordentlichen Portion Ironie.
Bereits Ende Dezember verkündete Tesla-Chef Elon Musk auf seiner Plattform X, dass das «Tesla Model Y zum dritten Mal in Folge offiziell das meistverkaufte Auto der Welt» sei.

Das aber lässt der weltweit grösste Autohersteller Toyota nicht auf sich sitzen. Die Japaner nutzen ausgerechnet Musks eigenen KI-Chatbot Grok, um dessen Behauptung zu kontern.

Auf LinkedIn schreibt Robert Tickner, der europäische Kommunikationschef von Toyota:
Zur Story