Einer der bekanntesten russischen Putin-Kritiker hat eine klare Warnung für den Westen
Garri Kasparow hat österreichischen Medien ein Interview gegeben. Im Gespräch äusserte er sich zum Ukraine-Krieg, zur Bedrohung westlicher Demokratien und den gesellschaftlichen Folgen von künstlicher Intelligenz.
Hier sind seine interessantesten Aussagen.
Wird Putin den Angriffskrieg stoppen?
Einer der Kasparow-Interviewer spricht ihn zunächst auf die erfolgreichen militärischen Gegenschläge der Ukraine an. Zuletzt seien etwa Ölraffinerien und Ziele in Moskau und St. Petersburg mit Drohnen attackiert worden.
Ist es demnach eine Gefahr für Putin, dass die Menschen in Russland die Auswirkungen des Krieges zu spüren bekommen?
Kasparows ernüchternde Antwort:
Eskaliert Russland den Krieg gegen Europa?
Auch diese Antwort lässt aufhorchen:
Tief im Inneren weiss Putin, dass er in der Ukraine keinen Erfolg haben wird. Aber werden andere europäische Hauptstädte Attacken verkraften? Putin rechnet damit, dass die meisten europäischen Länder innerhalb der nächsten zwei Jahre Regierungen haben werden, die ihm sehr freundlich gesinnt sind.»
Konkret genannt wird Frankreich, das 2027 einen neuen Präsidenten wählt und das laut Kasparow aktuell zwischen «zwei Putin-Sympathisanten» wählen müsste. Derweil werde in Deutschland die pro-russische AfD immer stärker.
Zwar habe Putin in in Ungarn seinen «Freund» Viktor Orbán verloren, doch dafür in Bulgarien einen gewonnen. Und in Österreich sei die FPÖ die populärste Partei. Die Rechtspopulisten gelten als ausgesprochen Putin-freundlich und pflegen seit Langem enge Verbindungen nach Moskau.
Was können wir tun?
Dazu sagt der im Exil lebende Putin-Kritiker:
Ausserdem halte ich es für sehr wichtig, Putins Elite unter Druck zu setzen. Die Loyalität gegenüber Putin beruht nicht auf Ideologie, sondern auf Geld.»
Kasparow argumentiert, die Menschen in Putins engstem Kreis und die reich gewordenen Bürokraten müssten begreifen, dass der Krieg ihren Untergang bedeute.
Kommt es nach Putin noch schlimmer?
Hier zeigt sich Kasparow vorsichtig optimistisch:
Der Einfluss neuer Technologien
Die Kriegsführung habe sich wegen neuer Technologien, allen voran natürlich Drohnen, grundlegend verändert, sagt Kasparow. Und er prognostiziert, dass dies «massive politische und gesellschaftliche Veränderungen» nach sich ziehe.
China sei aber auch für die Zukunft Russlands eine Bedrohung. Das Regime in Peking erhebe massive territoriale Ansprüche auf russisches Gebiet. Persönlich halte er das für «die weitaus wichtigere Expansion Chinas als Taiwan».
Und die zukünftige Führung Russlands werde sich entscheiden müssen: Will man sich Europa zuwenden, Reparationen zahlen, also für die verursachten Kriegsschäden aufkommen und die Existenz der Ukraine als unabhängige Nation akzeptieren? Oder will man von China abhängig werden?
Was ist die grösste Gefahr wegen KI?
Angesprochen auf die Veränderungen wegen künstlicher Intelligenz reagiert Kasparow wohltuend unaufgeregt. Er spricht von einer grossen Hysterie um ChatGPT und andere Systeme, die auf grossen Sprachmodellen (LLM) basieren.
Warum sagen westliche Politiker nicht, dass Russland verlieren muss?
Auch hierzu hat Kasparow eine klare Meinung:
Historisch betrachtet gebe es nur einen Weg, in Russland etwas gesellschaftlich und politisch zu verändern, und das sei ein verlorener Krieg. Nichts anderes habe in den vergangenen 200 Jahren zu Veränderungen geführt.
Wird Putin taktische Atomwaffen einsetzen?
Kasparow verneint:
Ist Amerika wegen Donald Trump verloren?
Auf den 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten angesprochen, sagt Kasparow:
Und jetzt du!
Was hältst du von Kasparows Einschätzungen und Prognosen zur Bedrohung Europas durch autokratische Staaten wie Russland und China, zu KI und den USA?
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Quellen
- derstandard.at: Oppositioneller Kasparow: "Wir müssen die Idee des russischen Imperiums zerstören"
- wikipedia.org: Garri Kimowitsch Kasparow
